Werwölfe, Revolverhelden, Züge mit Panzer-Geschütz auf dem Dach und eine Endzeit à la Mad Max. Das klingt nicht unbedingt nach George R.R. Martin. Doch In the Lost Lands basiert tatsächlich auf einer Kurzgeschichte des Game-of-Thrones-Autors.
Und mit Paul W.S. Anderson hievt die jetzt ein Regisseur auf die große Leinwand, der nicht gerade für Kino-Hochkaräter bekannt ist. Aber hey, ich liebe seine Resident-Evil-Filme, auch wenn die meine liebste Videospielreihe mit den Füßen treten. Ein Guilty Pleasure also, von dem ich einfach nicht loskomme (und das eigentlich auch gar nicht will).
Vielleicht kann ich deswegen auch In the Lost Lands etwas abgewinnen. Die begeistert laut Anderson zumindest schon mal George R.R. Martin höchstpersönlich (via GamesRadar).
Und nach einer Pressevorführung mit viel Stirnrunzeln und Augenrollen kann ich guten Gewissens behaupten: Verdammt, ich versteh’s.
Worum geht es in In the Lost Lands?
George R.R. Martin kann nicht nur Fantasy. In the Lost Lands ist ein waschechter Postapokalypse-Western, der fairerweise aber auch mit ein paar fantasievollen Elementen daherkommt.
Kurz und knapp zusammengefasst: In der dystopischen Endzeit von In the Lost Lands herrscht der sterbende Overlord (Jacek Dzisiewicz) über die letzte Bastion der Menschheit. Während sein eiserner Griff immer mehr schwindet, wittert seine Frau und Königin (Amara Okereke) eine einmalige Chance.
Sie beauftragt die Hexe Grey Alys (Milla Jovovich), ihr die Fähigkeit zu verleihen, sich in einen Werwolf zu verwandeln. Dafür muss Alys eine gefährliche Expedition in die Lost Lands auf sich nehmen und rekrutiert den mysteriösen Jäger Boyce (Dave Bautista), um sie dabei zu unterstützen.
Von der mächtigen Kirche unter Patriarch Jihan (Fraser James) verfolgt, beginnt eine turbulente Odyssee durch eine Welt, die vor Jahrhunderten von der Menschheit verwüstet zurückgelassen wurde.
Einen konkreten Eindruck von In the Lost Lands bekommt ihr im offiziellen Trailer zum Film:
2:26
Offizieller Trailer zu In the Lost Lands - der neuesten Verfilmung einer Geschichte von George R.R. Martin
Für wen ist In the Lost Lands interessant?
Wer schon mal einen Film von Paul W.S. Anderson gesehen hat, weiß, worauf er sich einlässt. Action, die von Zeitlupe in ein Schnitt-Gewitter wechselt. Platte und vor Exposition triefende Dialoge, die selbst ein Dave Bautista nicht retten kann. Und natürlich eine Hauptdarstellerin, die nach einer fast 40-jährigen Schauspielkarriere gefühlt nichts dazugelernt hat.
Ganz im Gegenteil: Dass Andersons Ehefrau noch lebloser und hölzerner spielt als in den Resi-Filmen, ist fast schon beeindruckend. (Ob sich das Paar In the Lost Lands geschnappt hat, weil Alys wie Alice klingt? Die Parallele hat mir auf jeden Fall ein Schmunzeln entlockt.)
Paul W.S. Andersons Film ist der beste Beweis dafür, dass man eine Vorlage von George R.R. Martin nicht einfach so adaptiert. Die Handlung des Films wirkt teilweise lückenhaft, inkohärent und schlichtweg unlogisch: Als hätte man Schlüsselszenen rausgenommen, um möglichst schnell zum nächsten coolen Set-Piece zu hetzen.
So richtig verübeln kann ich das dem Film aber gar nicht, denn die Schauwerte von In the Lost Lands haben es allemal in sich. So durchstreifen Grey Alys und Boys die Skelette alter Atomkraftwerke, ziehen an den Überresten alter Windräder vor einem brennenden Himmel vorbei und werden von einer wütend qualmenden Kriegs-Lokomotive mit Panzergeschütz auf dem Dach verfolgt.
Ja, das CGI und die Effekte spielen nicht in der obersten Liga mit und begeistern vielleicht nur Fans der Postapokalypse wie mich selbst. Trotzdem ist der Look von In the Lost Lands in sich stimmig und erinnert in seinen besten Momenten an große Endzeit-Vorbilder wie Book of Eli oder sogar Mad Max. Es lässt sich aber guten Gewissens darüber diskutieren, ob es sich um eine harmlose Inspiration oder frechen Ideenklau handelt.
Und selbst wenn es an der Story hapert, lässt In the Lost Lands immer wieder George R.R. Martins Händchen für ein richtig spannendes Setting durchscheinen, bei dem alles irgendwie ineinander greift. Ich will mehr über den Fluss voller Totenschädel wissen, in dem die Überreste mächtiger Kreuzer ruhen. Oder über den Konflikt der Königsgarde Overwatch mit den bis an die Zähnen bewaffneten Fanatikern der Kirche.
Trotz all seiner Probleme und Unzulänglichkeiten hat In the Lost Lands also irgendwo einen gewissen Charme. Wie schon bei Paul W.S. Andersons Resi-Filmen hat sein neuestes Werk viel Stirnrunzeln und Kopfschütteln bei mir ausgelöst. Ich würde aber lügen, sollte ich behaupten, ich hätte im Kino nicht meinen Spaß gehabt.
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