Instagram will das »neue« YouTube sein – Ich sage: Metas 90-Minuten-Plan wird krachend scheitern

YouTube soll mit Instagram einen neuen Konkurrenten bekommen. Doch bereits vor der Veröffentlichung des neuen Video-Features gibt es für mich einen klaren Sieger im Kampf der Giganten.

Instagram testet eine neue Interpretation von IGTV und will damit eine YouTube-Alternative schaffen. (Bildquelle: GameStar Tech; dimamoroz Adobe Stock) Instagram testet eine neue Interpretation von IGTV und will damit eine YouTube-Alternative schaffen. (Bildquelle: GameStar Tech; dimamoroz / Adobe Stock)

YouTube ist schon lange vom Titel »Broadcast Yourself« weg. Und auch wenn ich den charmanten Zusatz vermisse, ergibt es für mich durchaus Sinn, dass Google den Slogan irgendwann gestrichen hat.

Schließlich ist für viele Menschen – mich definitiv eingeschlossen – YouTube zu einem Ersatz für das lineare Fernsehen geworden. Oder zumindest zu einer guten Alternative abseits vom Streaming.

Während YouTube also als ungeschlagener König dasteht, möchte Instagram jetzt einen neuen Konkurrenten ins Rennen schicken. Obwohl ich den Wettkampf begrüße, sind Metas Pläne für mich jetzt schon wie David gegen Goliath.

Aaron Hofmann
Aaron Hofmann

Über den Autor: YouTube begleitet Aaron schon, seitdem er sich vor über 15 Jahren seinen ersten Account anlegte. Begeistert von dem Minecraft Let's Show von Gronkh und den Comedy-Videos von Coldmirror veröffentlichte er ab 2011 mit Freunden kleinere YouTube-Sketches und amateurhafte Let's-Plays.

Dadurch entdeckte er seine Leidenschaft für Medien und das Erstellen von Content, was schließlich auch seine Berufswahl stark beeinflusste. Ganz nach dem Klischee: Irgendwas mit Medien.

90-Minuten-Videos im Querformat

Bereits 2018 wollte Meta mit Instagram TV (IGTV) sein bestehendes Angebot erweitern und vor allem auf längere Videos setzen. Dafür erhöhte der Konzern die maximale Videodauer in der IGTV-App auf bis zu 60 Minuten und führte mit der Zeit auch Videos im 16:9-Landscape-Format ein.

Der App gelang laut Meta jedoch nie der erwünschte Erfolg, sodass zwei Jahre nach der Veröffentlichung weniger als sieben Millionen Nutzer verzeichnet wurden. Als Konsequenz begann Meta, die beliebten Funktionen der App direkt in Instagram einzubauen, wovon vor allem Reels profitierten.

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Und obwohl der Konzern den Dienst vor vier Jahren im März 2022 einstellte, arbeitet das Unternehmen nun erneut an einer ähnlichen Video-Plattform.

In einem Instagram-Post erklärt Instagram-Chef Adam Mosseri, dass das Team hinter der Social-Media-Plattform an einem neuen Format arbeitet, das »Creatorn mehr Platz gibt, ihre Geschichten zu erzählen«.

Die Funktion soll in den kommenden Tagen für eine Auswahl an Influencern und Content-Creatorn in den USA zur Verfügung stehen. Und das, obwohl Mosseri laut eigener Aussage selbst »längere Zeit gegen lange Videos auf Instagram« war.

Während sich einige Nutzer über die bald erscheinenden Features freuen, gibt es unter dem Ankündigungsvideo aber auch viele spöttische Kommentare und Kritik. Ein sarkastischer Kommentar hat mir allerdings besonders gut gefallen: »Ihr solltet die Funktion IGTV nennen«.

Meta zieht Motivation aus alten Erfolgen

Auch wenn das jetzt hart nach einem Wirtschaftler klingt, muss ich sagen: Konkurrenz ist grundsätzlich immer etwas Positives, da sie den Markt belebt, Innovation fördert und Alternativen für Nutzer schafft.

Das gilt für mich aber in der Regel nur dann, wenn nicht eines der mächtigsten Social-Media-Unternehmen der Welt dahintersteckt – wie eben im Fall von Meta. 

Der Konzern erweitert sein bestehendes Ökosystem immer mehr und hat in den vergangenen Jahren mit Reels und Threads schon den Angriff auf TikTok und X gestartet. Und wie die Zahlen zeigen: mit deutlichem Erfolg.

Als ehemaliger Fan von Twitter und dezentralen Netzwerken war die Übernahme des Kurznachrichtendienstes von Elon Musk aus meiner Sicht die beste Chance für Plattformen wie Mastodon oder Bluesky. 

Leider hatte ich die Rechnung nicht mit Meta gemacht. Kurzerhand veröffentlichte der Facebook-Konzern den Social-Media-Dienst »Threads« und merzte damit mehr oder weniger jede ernstzunehmende Alternative aus. Zeitweise hat der Dienst sogar X an monatlichen Nutzern überholt.

Nachdem mit Facebook, Threads, Instagram, WhatsApp und Reels also mehrere Alternativen existieren, nimmt Meta nun YouTube ins Visier.

Eine derartige Macht auf dem Markt von einem einzelnen Unternehmen halte ich jedoch für kritisch und bin deshalb kein Fan davon, dass Meta bereits jetzt so viele Bereiche der sozialen Medien abdeckt. Teilweise sogar als Marktführer. 

Trotzdem habe ich die Vermutung, dass Instagram seinen Gegner deutlich unterschätzt.

Meta unterschätzt die Bedeutung von YouTube

Anders als X befindet sich YouTube nicht in einer vergleichbaren Umbruchsphase und auch die Menge an Kritik, wie sie gegenüber der chinesischen Kurzvideoplattform TikTok geäußert wurde, fehlt bei YouTube vollkommen.

Vielmehr ist die Videoplattform von Google als ein etabliertes und beliebtes Medium fest im Alltag vieler Nutzer verankert. Allein schon, da YouTube längst die reine Website-Umgebung verlassen hat und heutzutage auf Handys, Computern, Fernsehern und sogar in Autos zu finden ist.

Plattformen wie Vimeo, MyVideo, Dailymotion und Co. haben in der Vergangenheit immer wieder versucht, sich als ähnlich erfolgreiche Alternativen durchzusetzen, sind daran aber gescheitert. Zwar haben viele der Videoseiten eine neue Zielgruppe gefunden, YouTube konnte seine dominante Stellung über die Jahre aber weiterhin verteidigen und sogar noch ausbauen.

So könnte Instagrams neue Video-Oberfläche bald bei uns aussehen. (Bildquelle: Meta) So könnte Instagrams neue Video-Oberfläche bald bei uns aussehen. (Bildquelle: Meta)

Wie der Fall von Threads zeigt, könnte das bei Instagram allerdings anders aussehen. Die ganze Einführung der Plattform hat mir nämlich vor allem eine Sache gezeigt: Bequemlichkeit bringt enorme Vorteile.

Für den Erfolg der X-Alternative dürfte es aus meiner Sicht eine wesentliche Rolle gespielt haben, dass zur Anmeldung kein neuer Account angelegt werden musste. Eine YouTube-Alternative, die nicht mehr als ein Instagram-Konto verlangt, könnte Meta also durchaus entgegenkommen. 

Doch selbst mit dem besten Marketing und starker Werbung innerhalb der App-Oberfläche halte ich es für unwahrscheinlich, dass Instagram YouTube ähnlich unter Druck setzt wie Reels TikTok oder Threads X. 

Zumal ein wichtiger Punkt am Ende ist, dass sich das Feature nicht stark von dem unterscheidet, was IGTV bereits vor 8 Jahren auf den Markt gebracht hat. Ob eine neue UI, eine bewusste Zusammenarbeit mit Creatorn und ein 90-Minuten-Video-Format wirklich ausreichen, wage ich zu bezweifeln.

Fairphone 6
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Dennoch würde ich einen Konkurrenten begrüßen

Bei all den zugesprochenen Erfolgen für YouTube möchte ich aber auch kurz auf die Kritik eingehen, die ich mit der Videoplattform verbinde. Auch wenn die Plattform allein aus nostalgischen Gründen einen besonderen Platz in meinem Herzen hat – etwa als ich mein erstes Let's Play gesehen und mit fünf Sternen ausgezeichnet habe.

Angefangen bei der Quasi-Monopolstellung sehe ich einen deutlichen Kritikpunkt. Ein einzelnes Unternehmen sollte aus meiner Sicht nicht eine derartige Bedeutung haben, wie YouTube sie besitzt. Rein faktisch ist der Begriff »Monopolstellung« für YouTube zwar nicht zutreffend, da es weiterhin Alternativen gibt, diese haben aber jedoch nicht ansatzweise das gleiche Gewicht, wie der Google-Dienst.

Hinzu kommt, dass YouTube immer wieder für seinen Algorithmus oder auch den Kinderschutz kritisiert wird. So werden bis heute trotz Filtern, Sperren und Moderation immer wieder ungeeignete Videos auf der Plattform veröffentlicht, die von Mobbing-Inhalten über sexuellen Content bis hin zu Radikalisierungsvideos reichen.

Auch an der Auswahl der Werbepartner gibt es regelmäßig Kritik – etwa wenn KI-Deepfakes, Scam-Inhalte oder dubiose Seiten als Anzeige ausgespielt werden.

Nicht zu vernachlässigen ist die Perspektive der Content-Creator. Gerade diejenigen, die mit YouTube ihren Lebensunterhalt verdienen, sind auf einen zuverlässigen Support angewiesen. Doch immer wieder gibt es Beschwerden über mangelnde Ansprechpartner, undurchsichtige Moderationsentscheidungen oder fehlerhafte Content-Flags, die im schlimmsten Fall zur Demonetarisierung ganzer Kanäle führen können.

Genau hier könnte ein neuer Konkurrent ansetzen. Denn wer Creatorn bessere Verdienstmöglichkeiten, transparente Entscheidungen und einen verlässlichen Support bietet, könnte sich durchaus einen Vorteil gegenüber YouTube verschaffen.

Eine Plattform, die all diese und viele weitere Kritikpunkte an YouTube konsequent angeht, würde ich persönlich daher sehr begrüßen. 

Mit der Vorgeschichte von Meta bezüglich Datenschutz und Content-Moderation sehe ich in den aktuellen Plänen für Instagram jedoch nicht die Lösung.


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