Haben wir nach 138 Jahren den Fall von Jack the Ripper geknackt? Eine klare Antwort darauf hat nicht einmal modernste Wissenschaft

Ein blutbefleckter Schal hat Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf eine neue Spur gebracht. Doch wie heiß ist sie?

Bis heute bleibt Jack the Ripper nur ein Schatten an der Wand. (Bildquelle: adobe.stock.com - ginettigino) Bis heute bleibt Jack the Ripper nur ein Schatten an der Wand. (Bildquelle: adobe.stock.com - ginettigino)

Jack the Ripper ist der wohl bekannteste und berüchtigtste Serienmörder der Geschichte. Das liegt nicht nur maßgeblich an seinen Taten, sondern auch daran, dass er nie geschnappt wurde und seine Identität bis heute ein Rätsel bleibt.

Vor wenigen Jahren tauchte dann ein Beweisstück auf, bei dem die Wissenschaft dachte, den Mörder über hundert Jahre später endlich überführen zu können. Ganz so einfach ist die Situationslage dann aber doch nicht.

Wer war Jack the Ripper?

Bevor wir die Wissenschaft auf die Bühne bitten, müssen wir verstehen, was Jack the Ripper getan hat, wieso er nie überführt wurde und welche Mythen sich um ihn ranken.

Interessieren euch nur die neusten Erkenntnisse, dann ist hier die Abkürzung: Ein blutiger Seidenschal trifft auf moderne Wissenschaft

Bei Jack the Ripper tun sich auch heute noch viele Fragezeichen auf. Zum Beispiel ist nicht geklärt, wie viele Opfer er eigentlich auf dem Gewissen hat. Lediglich fünf Frauen können dem Mörder zugeschrieben werden, so Experten. Vieles könnt ihr im Casebook: Jack the Ripper nachlesen.

Die sogenannten kanonischen Fünf sind:

  • Mary Ann Nichols – 31. August 1888
  • Annie Chapman – 8. September 1888
  • Elizabeth Stride – 30. September 1888
  • Catherine Eddowes – 30. September 1888
  • Mary Jane Kelly – 9. November 1888

Das Problem: Whitechapel in London war ein armes und gewaltgeprägtes Viertel. Ständig gab es, aufgrund der hohen Anzahl an Prostituierten, ungeklärte Femizide. Daher gehen Forscher davon aus, dass Jack the Ripper noch mehr Opfer ermordet hat.

Die Polizei war natürlich keinesfalls untätig. Warum sie Jack the Ripper nicht fassen konnten, hat mannigfaltige Gründe. 

Es gab wenig Beweise, aber viele Verdächtige, die Umstände in Whitechapel waren chaotisch und der Täter ging schlichtweg sehr geschickt bei seinen Morden vor.

Das größte Hindernis waren aber die fehlenden forensischen Werkzeuge. 1888 gab es im Grunde nichts Wissenschaftliches, das der Polizei hätte helfen können, Jack the Ripper zu überführen.

  • keine DNA-Analyse (die kam erst ein Jahrhundert später)
  • keine brauchbare Fingerabdruckdatenbank
  • keine Blutgruppenanalyse
  • keine moderne Täterprofilanalyse
  • keine systematische Spurensicherung, wie wir sie heute kennen

Wenn der Täter nicht direkt am Tatort erwischt wurde oder jemand ihn eindeutig identifizieren konnte, war er schlichtweg kaum zu fassen.

138 Jahre später könnte Jack the Ripper enttarnt worden sein.

Ein blutiger Seidenschal trifft auf moderne Wissenschaft

Wie das People-Magazin schreibt, tauchte 2007 ein blutiger Seidenschal auf, der am Tatort des vierten Mordes – das Opfer war Catherine Eddowes – gefunden wurde.

Und tatsächlich gab eine DNS-Probe einen eindeutigen Treffer. Spuren auf dem Schal stammen von Aaron Kosminski, einem polnischen Barbier, der zum Tatzeitpunkt 23 Jahre alt war. Die Rede im Artikel ist sowohl von Blut als auch Samenflüssigkeit.

Russell Edwards, der den Schal seiner Zeit ersteigert und analysiert hat lassen, erzählte in einem Interview mit Today Australia, dass Kosminski zwar zur Riege der Verdächtigen gehört, aber niemals festgenommen wurde.

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Was den Tatverdacht auf Kosminski noch erhärtet, sind zwei Fakten:

  1. Angeblich litt der Mann unter einer gespaltenen Persönlichkeit.
  2. Barbiere arbeiteten damals auch als Chirurgen, wodurch sie Wissen über Anatomie hatten. Jack the Ripper hat die Körper seiner Opfer mit hoher Präzision verstümmelt, was ein solches Wissen voraussetzt.

Unter Berufung auf ein angebliches Dokument aus dem Jahr 1891, in dem Kosminski als Hauptverdächtiger bezeichnet wurde, erklärte Edwards zudem, der Barbier habe »starke mörderische Neigungen« gehabt und sei »zu einsamen Lastern und akustischen Halluzinationen geneigt« gewesen.

Die These von Russell Edwards lautet also:

  • Ein blutverschmierter Schal, der angeblich am Tatort von Catherine Eddowes gefunden wurde, enthält DNS-Spuren.
  • Diese DNS  soll mit der Familie von Aaron Kosminski übereinstimmen.
  • Daraus folgert er: Kosminski war Jack the Ripper.

Klingt, als wäre der Fall gelöst und die Identität von Jack the Ripper gelüftet, oder? Nun …

Das Problem mit dem Schal

Während die DNS-Proben sicher nicht lügen, werden die Umstände des Schals Fragen auf. Dr. Drew Gray von der University of Northampton dröselt das einmal auf, denn er hält obige Schlussfolgerung für nicht ausreichend belegt.

Der größte Fallstrick ist die Tatsache, dass es keinen eindeutigen Beweis gibt, ob der Schal wirklich dem Opfer Catherine Eddowes gehörte. Dr. Gray führt an, dass es eine arme Frau einen solchen Seidenschal damals womöglich gar nicht besessen hätte.

Edwards räumt ein, dass es unwahrscheinlich ist, dass Eddowes einen so wertvollen Gegenstand wie einen großen Seidenschal besessen hätte, ohne ihn zu verpfänden, um Unterkunft, Essen und Trinken zu kaufen. Er muss also dem Mörder gehört haben.

Dr. Drew Gray

Erschwerend kommt hinzu, dass offizielle Polizeiberichte der damaligen Zeit keinen großen, wertvollen Seidenschal am Tatort erwähnen. Selbst wenn die DNS-Spuren echt sind, beweist das also nicht, dass sie vom Tatort stammen.

Das ist noch nicht alles, denn auch die Geschichte des Schals selbst ist problematisch. Die behauptete Herkunft des Schals liegt bei Sergeant Amis Simpson, der den Gegenstand nach dem Mord erhalten haben soll. Über Jahrzehnte lag der Schal ungewaschen in einer Truhe, bis er schließlich untersucht wurde.

  • Hier handelt es sich um eine fehlende Beweiskette. Wer hatte den Gegenstand? Wann wurde er gesichert? Wer berührte ihn? Wurde er kontaminationsfrei gelagert?
  • Seit 1888 könnten zahlreiche Menschen den Schal angefasst haben, wonach sich viele DNS-Spuren darauf befinden könnten.

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Schließlich hämmert Dr. Gray den vermeintlichen Sargnagel ein. Eine Theorie besagt, dass der Schal vom Täter als eine Art Botschaft zurückgelassen wurde – doch das ist nicht haltbar.

In derselben Nacht, in der Eddowes Jack the Ripper zum Opfer gefallen ist, wurde auch Elizabeth Stride ermordet.

  • Am Tatort wurde kein Schal gefunden.
  • Niemand berichtete von einem Mann mit auffälligem Seidenschal. 

Es stellt sich also die Frage: Warum sollte der Täter genau an einem Tatort ein »Zeichen« hinterlassen, aber nicht bei anderen Morden?

Damit kommt Dr. Gray zu folgendem Fazit:

Alles in allem haben wir es hier mit einem Schal zu tun, dessen DNS möglicherweise eine Verbindung zu einem der Opfer des Rippers und zu einem möglichen Verdächtigen herstellt, von dem wir jedoch nicht beweisen können, dass er sich am Tatort aufgehalten hat. Ich bezweifle, dass dies heute vor Gericht Bestand hätte, daher bin ich mir nicht sicher, ob eine Wiederaufnahme der Untersuchung die Klarheit bringen würde, die sich Edwards und – was noch wichtiger ist – die Familien der Whitechapel-Opfer vielleicht wünschen.

Dr. Drew Gray


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Abschließend lässt sich also sagen, dass wir auch 138 Jahre nach den Morden von Jack the Ripper in Whitechapel über dessen Identität im Dunkeln tappen – trotz moderner Forensik und Wissenschaft. Die Wahrheit könnte sich ebenso in verlorenen oder unbekannten historischen Dokumenten verstecken.

Wahrscheinlich werden wir nie erfahren, wer Jack the Ripper war, was die Legende, die sich um den Mann rankt, nur unheimlicher macht. 


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