Update vom 28. November 2025: Inzwischen haben wir den Test von Of Ash and Steel abgeschlossen und ziehen unsere Kaufwarnung in der vorherigen Deutlichkeit zurück. Eine Empfehlung ist das Rollenspiel aber immer noch nicht.
Am 24. November erscheint mit Of Ash and Steel ein Rollenspiel, das bei vielen in der GameStar-Community genau die richtigen Knöpfe drücken dürfte. Auf seiner Steam-Seite verspricht es eine »moderne Hommage an die klassischen Rollenspiele alter Schule«.
Bei der Erkundung verzichtet es komplett auf ein Markierungssystem, bei Quests müsst ihr entsprechend selbst herausfinden, wo und wie es weitergeht.
Außerdem gibt’s hier in den Kämpfen direkt volles Pfund aufs Maul, wenn ihr euch den falschen Gegnern stellt. Erst nach und nach sollt ihr euch vom Niemand bis zum legendären Monster- und Kopfgeldjäger hocharbeiten.
Darüber hinaus soll Of Ash and Steel ein komplexes Rufsystem und drei Gruppierungen bieten, denen ihr euch anschließen könnt.
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Of Ash and Steel feiert seinen Release im Trailer, aber wir müssen euch vor dem Rollenspiel warnen
So weit, so viel versprechend, zumindest in der Theorie. In der Praxis testet unser Autor Christian das ambitionierte Indie-RPG seit dem 20. November nahezu rund um die Uhr und muss dabei feststellen, dass sich Of Ash and Steel nicht nur spielerisch an Gothic und The Witcher orientiert, sondern auch an deren Bug-Dichte. Das macht uns einen pünktlichen Test zum Release unmöglich, gleichzeitig müssen wir euch dringend dazu raten, vor der Kaufentscheidung unseren Test und andere Reviews abzuwarten.
Wir haben Tester Christian gebeten, kurz mit dem Test zu pausieren, um euch seine bisherigen Eindrücke zu schildern:
Die Probleme mit unserer Testversion
Christian Schwarz: »In seinem aktuellen Zustand ist Of Ash and Steel kein Veröffentlichungskandidat, sondern im besten Fall für den Early Access geeignet. Zwar läuft das Spiel bis auf unschöne Nachladeruckler technisch stabil, wirkt an vielen Stellen aber unfertig, unlogisch und schlecht gebalanced.
Beispiel 1: Im Test erledigen wir in den Weiten der Vorstadt eine Diebesquest. Wir klauen, ein NPC lenkt den Besitzer ab. Bei gedrückter Schleich-Taste können wir keine Interaktionen durchführen, also plündern wir vor allen Augen verborgen in normaler Haltung. Nach der Quest spricht uns jede Wache auf unseren Diebstahl an und verlangt eine Goldsumme als Ausgleich. Dass es 1.500 Goldstücke sind, erfahren wir nur, indem wir die Summe stumpf ergrinden. Erst dann haben wir die Option zu bezahlen. Liegen wir drunter, bleibt nur die Gesprächsoption »So viel habe ich nicht« und anschließendes Beine in die Hand nehmen.
Beispiel 2: Wir sollen einen NPC zu einem nahegelegenen Wirtshaus eskortieren. Die Figur folgt uns problemlos und navigiert sogar um Hindernisse herum. Allerdings greift der Kollege völlig unnötig und übermotiviert auf dem Weg liegende Monster an, deren erste Attacke ihn bereits tötet. Weil wir ihn nicht per Dialog zum Warten auffordern und dann selbst den Weg freiräumen können, scheitert die Nebenquest.
Über solche Schnitzer stolpern wir immer wieder: NPCs sagen in Lagern, wir können übernachten, es gibt aber keine Schlafmöglichkeiten. Überhaupt sind Betten keine interaktiven Elemente, was Nächte unnötig in die Länge zieht. Zwar können wir in der Natur ein Lager aufschlagen, aber nur an vorgegebenen Stellen – und die suchen wir in der stockdunklen und monsterverseuchten Nacht gar nicht erst.
Manche Menüs haben keinen »Zurück«-Button, sodass wir bei der Frage nach einer Übernachtung im Wirtshaus nicht nur über die stolzen Preise erschrecken, sondern auch wirklich dann übernachten müssen. Die meisten NPCs haben nur ihren Standardsatz zu sagen, der auch oft nicht zur Umgebung passt. Meist fragen wir einen Bauern weit draußen, wie »es denn hier in der Stadt ist« und er antwortet mit: »Sieh dich doch um.«
NPCs mit Namen haben meist keine Dialogoptionen oder bekommen sie nur dann, wenn Held Tristan sie braucht. Viele NPCs haben gar nicht erst einen generischen Namen, sondern sind wirklich nur optisches Beiwerk, was der Erkundung extrem die Motivation raubt. Die Welt erscheint wie eine Ansammlung an NPCs, wirkt aber nicht lebendig. Der fehlende Kampffokus macht den ohnehin schon harten Einstieg unnötig schwer. Versehentliche Treffer an eigentlich verbündeten NPCs versetzen sie in einen feindlichen Status, sodass sie uns sofort töten.«
Etwas Hoffnung und wann unser Test kommt
Die Entwickler haben zum Release einen Patch versprochen. Es ist also durchaus möglich, dass Of Ash and Steel in der finalen Verkaufsversion deutlich weniger Fehler aufweist als beim Review Code.
Angesichts der Fülle und Komplexität der Probleme bezweifeln wir aber, dass Of Ash and Steel in einem Zustand erscheint, den es eigentlich verdient hätte.
Denn – und damit kommen wir zur guten Nachricht – Of Ash and Steel ist im Kern ein zwar sperriges und knüppelhartes, aber durchaus spielenswertes Oldschool-RPG, das zumindest für diejenigen einen Blick wert sein könnte, die sich wie früher in Gothic so richtig in eine Welt reinbeißen und jeden Fortschritt hart erkämpfen wollen.
Wann wir euch unser finales Urteil samt Wertung liefern können, hängt natürlich davon ab, auf wie viele Probleme wir beim Spielen noch stoßen werden. Stand jetzt rechnen wir am 27. oder 28. November mit unserem Test.
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