Alle exklusiven Tests zum halben Preis lesen!

So viele Tests wie noch nie!

Das erste Jahr Plus zum halben Preis sichern

Ich bin musikalisch komplett talentfrei, aber nach meinem Gespräch mit dem Kingdom-Come-Komponisten bin ich kurz davor, mir ein Blashorn zu kaufen

Warhorse hat einen Konzertfilm zu KCD2 veröffentlicht. Hier seht ihr ihn in voller Länge – und wir haben gleich noch einen Berg an Bonus-Infos direkt vom Komponisten Jan Valta mitgebracht.

Heinrich hat die Barbarakirche von Kuttenberg nie betreten, aber die Musik seines Abenteuers lebt hier weiter. Heinrich hat die Barbarakirche von Kuttenberg nie betreten, aber die Musik seines Abenteuers lebt hier weiter.

Jan Valta lässt euch grüßen. Ja, genau euch, die ihr das hier gerade lest – seit der Komponist von Kingdom Come: Deliverance 1 und 2 bei uns im GameStar-Talk zu Gast war, ist er ebenso Fan unserer Community wie umgekehrt. 

Einige von euch hatten sich damals ausdrücklich mehr Inhalte mit ihm gewünscht, deshalb habe ich jetzt eine passende Gelegenheit genutzt, um noch einmal über seine Arbeit am Spiel und Spielmusik generell zu sprechen: Das Entwicklerstudio Warhorse hat aus einem Konzert zum KCD2-Soundtrack einen kompletten Film gemacht!

Den teilen wir hier ebenfalls in voller Länge mit euch. Wer aufs Datenvolumen gucken muss, schaut gleich hier im Player bei uns. Wer sich die volle 4K-Dröhnung gönnen will, findet diese Version hier auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Warhorse. 

Video starten 1:08:32 Warhorse hat einen Musikfilm gedreht, hier seht ihr ihn in voller Länge

Stephanie Schlottag
Stephanie Schlottag

Redakteurin Steffi war schon vor dem Release von Kingdom Come 2 ein bisschen verliebt in Tschechien und ganz besonders die Hauptstadt Prag. Seitdem sie KCD2 gespielt hat, gibt es für sie gar kein Halten mehr. Egal ob Fan-Fest, Konzert oder privater Wanderurlaub, ihre freie Zeit steht seit 2025 unter einem ziemlich klaren Thema. Und euch liefert sie dafür regelmäßig Artikel rund ums Mittelalter-Meisterwerk.

»Das beste Event meiner Karriere«

Jan Valta ist bei den KCD-Konzerten der Dirigent und damit natürlich mittendrin. Die meiste Zeit über steht er mit dem Rücken zum Publikum – wenn er sich nicht kurz mal umdreht und spontan die Zuschauer dirigiert, wie etwa beim Konzert in Frankfurt. Ob ihn solche Auftritte nervös machen, wollte ich von ihm wissen. Die Antwort fand ich überraschend.

»Ich bin nicht nervös, wenn ich auf der Bühne stehe«, sagt Jan. Wie geht das? »Die ganze Angst, die hast du vorher, in den Monaten der Vorbereitung. Da machst du dir Gedanken, ob wir alles schaffen, ob die Technik passt, das Licht, ob wir alles schaffen. So verteilt man die Nervosität auf einen langen Zeitraum, und dann ist keine mehr übrig, wenn es ernst wird.«

Das Konzert, aus dem der Film entstanden ist, war für Jan das Highlight seiner Karriere. Aus mehreren Gründen, wie er sagt. Besonders der Schauplatz war für ihn eine Herzensangelegenheit: die St.-Barbara-Kirche in Kuttenberg. In KCD2 können wir sie aus gutem Grund nicht betreten, sie war 1403 nämlich schlicht noch nicht fertiggestellt. Aber in der echten Welt steht sie Touristen wie Gläubigen offen – und eben auch mal für ein Videospielkonzert.

Hier ein paar Bilder, wie die Kriche aussieht, wenn sie nicht mit Konzertbesuchern vollgepackt ist. Quelle: Meine Urlaubsfotos. Hier ein paar Bilder, wie die Kriche aussieht, wenn sie nicht mit Konzertbesuchern vollgepackt ist. Quelle: Meine Urlaubsfotos.

St. Barbara ist nicht nur eine hübsche Kulisse, sondern war tatsächlich auch die Inspiration von Jan, als er das gleichnamige Musikstück geschrieben hat, das euch im Hauptmenü von KCD2 entgegen schallt. Ihr wisst schon: Saaaaaaaaanta Barbaraaaaa, Virgo Nicomediaeeeeeee… 

Gut eingespielt

Jan war bereits Komponist für das erste KCD, und er wollte zwar nicht verraten, ob er auch bei Kingdom Come: Salvation und / oder dem Mittelerde-Spiel an Bord ist – aber hey, wer denn wenn nicht er? 

Er betont im Interview immer wieder, wie wichtig die Arbeit seiner Kolleginnen und Kollegen für ihn ist. Die Inspiration zum Soundtrack hat er anfangs vor allem aus Concept Art zu KCD gezogen. Und natürlich aus der Spiel-Story, die er erstmal komplett erzählt bekommt, bevor er anfängt zu komponieren.

Auch die Musiker, mit denen er arbeitet, kennen ihn und sich untereinander teils schon seit Jahrzehnten. Das sei eine Ehre und sehr hilfreich, wie Jan erklärt:

Manche Musikstücke schreibe ich für bestimmte Personen. Ich habe zum Beispiel schon von Anfang an im Kopf, ach der und der kann auf der Flöte in so einem tiefen Register etwas Komplexes spielen.

Nicht historisch akkurat, aber gefühlt glaubhaft

Wo wir bei Instrumenten sind, habe ich gleich noch zwei Fragen dazwischengeschoben: Welches wenig bekannte Instrument findet er am spannendsten? Er nennt gleich mehrere:

  • Das Englischhorn (das eigentlich gar nicht Englisch ist, sondern ursprünglich nach dem Wort für Winkel benannt wurde)
  • Das Gemshorn aus dem 16. Jahrhundert (das logischerweise aus dem Horn von Gämsen gemacht ist)
  • Das Schalmei (ein Holzblasinstrument, das für Uneingeweihte wie mich aussieht wie ein sehr langer Trichter mit Löchern)

Diese Instrumente kommen im Soundtrack von KCD2 zum Einsatz, neben einer Vielzahl von anderen – und die entstammen längst nicht alle der historischen Epoche, in der das Spiel angesiedelt ist. Während es inhaltlich weitgehend historisch akkurat zugeht (mit großen Freiheiten bei der Story), erhebt die Musik von KCD2 keinen Anspruch auf Authentizität. Nur dann, wenn im Spiel selbst zum Beispiel zwei dahergelaufene Barden unseren Helden Heinrich besingen.

Die beiden Tunichtgute spielen natürlich auf einem Instrument, das es 1403 auch wirklich gab. Die beiden Tunichtgute spielen natürlich auf einem Instrument, das es 1403 auch wirklich gab.

Den Entwicklern ist die emotionale und zumindest gefühlt mittelalterliche Atmosphäre wichtiger als geschichtlich einwandfrei zu arbeiten. Was ohnehin unmöglich wäre. Dazu sagt Jan:

Wir haben tatsächlich erhaltene Musiknoten und Lieder von damals, auch aus der Region um Sasau [wo KCD1 spielt, Anm. d. Red.].  Aber das sind allesamt Kirchenlieder. Andere Musik, zum Beispiel was die Leute damals in Tavernen gesungen und gespielt haben, wurde einfach nicht schriftlich aufgezeichnet und überliefert.

Ich habe Jan auch gefragt, ob er denn nun lieber auf der großen Bühne steht oder doch im Studio vor sich hin komponiert. Da hat er erstmal ein bisschen überlegt und konnte sich am Ende nicht entscheiden. Beides habe schöne und schwierige Seiten, sagt er. Einen neuen Soundtrack zu erschaffen, gewähre unheimlich viel kreative Freiheit und sei sehr belohnend. Aber man muss Monate, wenn nicht sogar Jahre darauf warten, dass das Spiel erscheint und die Leute ihr Feedback zur Musik teilen.

Auf der Bühne ist der Applaus natürlich viel direkter. Man spüre die Energie des Publikums buchstäblich im Rücken. Man werde mal sehen, was die Zukunft noch so bringt. 

Mir vielleicht ein Instrument, denn ich habe in unserem Gespräch unerwartet Lust bekommen, doch nochmal was auszuprobieren. So ein nicht-englisches Englischhorn vielleicht. Das muss ich nur noch meinen Nachbarn schonend beibringen. 


Kommentare(1)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.