Valve hat in den USA aktuell eine Menge Ärger am Hals. Denn die Generalstaatanwältin des Bundesstaats New York sieht in den Lootboxen des Publishers von Counter-Strike, Dota und Team Fortress eine Form von illegalem Glücksspiel und hat deshalb eine Klage gegen Valve eingereicht.
Der Publisher verstoße laut Staatsanwaltschaft mit Lootboxen nicht nur gegen gesetzliche Auflagen zum Glücksspiel, sondern nehme auch billigend in Kauf, dass Kinder durch diese Mechaniken in die Spielsucht rutschen. Ziel der Klage soll sein, dass Valve die Boxen aus seinen Spielen entfernt und allen geschädigten New Yorker Steam-Nutzern eine Entschädigung auszahlt.
Zwei Wochen nach Einreichung der Klage hat sich Valve nun erstmals selbst zu den Vorwürfen geäußert.
Wie Pokémon-Karten oder Labubus
In einem öffentlichen Statement auf der Support-Seite von Steam führt Valve aus, man glaube nicht, dass die sogenannten Mystery-Boxen gegen die Gesetze des Staates New York verstoßen. Man sei außerdem enttäuscht über die Eskalation vor Gericht, obwohl Valve sein Möglichstes versucht habe, die Staatsanwaltschaft über die Natur von virtuellen Items und Mystery-Boxen aufzuklären.
Valves Erklärung zufolge sei die Firma erstmals Anfang 2023 von der Staatsanwaltschaft kontaktiert worden. Man habe den Behörden gegenüber versucht, deutlich zu machen, dass Lootboxen heutzutage eine gängige Praxis seien, »nicht nur in Videospielen, sondern auch im echten Leben.«
Der Publisher verweist in seiner Erklärung auf Pokémon- oder Magic-Karten, aber auch Labubus, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Alle kommen in einer verschlossenen Box; der Kunde weiß vorher nicht, was im Paket enthalten ist.
Da Valves Lootboxen zudem nur kosmetische Items beinhalten, entstünden den Spielern, die die Boxen nicht kauften, kein Nachteil. Zudem sei niemand gezwungen, Kisten zu öffnen.
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Wird die nächste Steam Machine wieder zum Desaster für Valve?
Wir kooperieren nicht mit Glücksspiel-Seiten
Valve verweist außerdem auf sein hartes Vorgehen gegenüber echtem Glücksspiel auf Drittanbieter-Plattformen, bei dem Ingame-Items aus Valve-Spielen eingesetzt werden. Laut des Publishers sei das ein klarer Verstoß gegen die Steam-Nutzungsbedingungen.
Die Steam-Macher sperrten bislang über eine Million Konten, weil Nutzer diese für Glücksspiel, Betrug oder Diebstahl missbrauchten. Zudem implementierte Valve Funktionen wie Handelssperren, um dubiosen Drittanbietern und Gambling-Seiten das Leben schwer zu machen.
Streitpunkt Community-Marktplatz
Besonders vehement wehrt sich Valve gegen die Forderung der Staatsanwaltschaft, den Handel mit kosmetischen Items komplett zu verbieten. Valve sieht darin einen massiven Einschnitt in die Verbraucherrechte. »Die Übertragbarkeit ist ein Recht, das man unserer Meinung nach nicht wegnehmen sollte, und wir weigern uns, das zu tun«, stellt das Unternehmen klar.
Wer eine physische Sammelkarte besitze, dürfe diese schließlich auch nach Belieben weiterverkaufen.
Auch die Forderung der Staatsanwaltschaft nach strengeren Alters- und Standortkontrollen lehnt Valve ab. Der Publisher weigert sich, entsprechende Überprüfungen für alle Steam-Nutzer weltweit einzuführen, nur um mögliche VPN-Zugriffe aus New York zu verhindern.
Valve schreibt, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft zu schließen, wäre wohl billiger gewesen, hätte aber unseren Spielern und Entwicklern massiv geschadet und auch [Valves] eigene Innovationsfähigkeit gehemmt.
Zum Abschluss teilt Valve noch einen Seitenhieb aus: Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Klage behauptet, Spiele wie Counter-Strike würden Waffengewalt in der realen Welt fördern. Valve weist das als veraltetes Vorurteil gegenüber Ballerspielen
zurück und verweist auf zahlreiche wissenschaftliche Studien, die gezeigt hätten, dass es keinen Zusammenhang zwischen Medien und realer Gewalt gebe.
Mit den Glücksspielvorwürfen und Valves Gegenargumenten müssen sich nun die New Yorker Gerichte beschäftigen. Ein Sieger in dem Verfahren ist noch nicht abzusehen. Sollte Valve allerdings verlieren, stünden wohl tiefgreifende Änderungen auf Steam und dem gesamten Spielemarkt bevor; denn ein solches Glücksspiel-Urteil gegen die Lootboxen dürfte wegweisend für die Branche sein.

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