Krieg in der Ukraine: So reagieren die Spieleentwickler

Russlands Einmarsch in die Ukraine ruft auch Reaktionen in der Gaming-Branche hervor. Zahlreiche Studios und Unternehmen bitten um Unterstützung.

von Philipp Elsner,
04.04.2022 14:50 Uhr

Der laut Europarat völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine bewegt auch die Gaming-Landschaft. Am 24. Februar 2022 hat das russische Militär eine Invasion begonnen, die sich nun auf das ganze Land ausbreitet und bereits zahlreiche Todesopfer gefordert hat.

Der Flüchtlingskommission der UN zufolge fliehen Millionen Menschen vor der Gewalt. Zahlreiche Spieleentwickler in, aber auch außerhalb der Ukraine äußern ihr Entsetzen über die Lage, bekunden Solidarität mit der Ukraine und bitten in öffentlichen Statements um Hilfe.

Was sagen die Entwickler?

Viele Studios sind besorgt um ihre Mitarbeiter und fordern ein sofortiges Ende der Gewalt. Aufgerufen wird auch zu Hilfs- und Spendenaktionen. Wir fassen an dieser Stelle einige der Statements und Reaktionen aus der Branche zusammen.

Studios in der Ukraine

  • Wargaming (World of Tanks, World of Warships): Der Entwickler hat sich entschieden, keine Geschäfte in Russland oder Weißrussland mehr zu betreiben. Am 31. März wurde das Management für den Live-Service in Russland an Lesta Studio übertragen und liegt damit nicht mehr in der Verantwortung von Wargaming, die dadurch »erhebliche Umsatzeinbußen« erwarten. In der offiziellen Stellungnahme wird »Sicherheit und Unterstützung« der betroffenen Mitarbeiter versprochen. Außerdem arbeite man derzeit an der Auflösung des Studios in Minsk. Dem Kiew-Büro mit 550 Mitarbeitern werden Unterkünfte, vorzeitige Gehaltszahlungen und zusätzliche Mittel für Reisen oder Umzüge in sichere Nachbarländer zur Verfügung gestellt, heißt es vom Spielehersteller. Außerdem hat man nach eigenen Angaben eine Million US-Dollar an das ukrainische Rote Kreuz gespendet.
  • Vostok Games (Survarium, Fear the Wolves): Das Entwicklerstudio hat nach Informationen von PCGamer seinen Standort in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wegen der anhaltenden Kämpfe vorerst aufgegeben. Man lasse die Arbeit ruhen, während einige Teammitglieder in sicherere Gebiete umsiedeln, so das Statement.
  • Frogwares (Sherlock Holmes, The Sinking City): Die Entwickler betonen bei Twitter, die Ukraine sei ein friedliches Land und Russland verletze dessen Souveränität. Es wird dazu aufgerufen, der Aggression Russlands ein Ende zu setzen.
  • GSC Game World (S.T.A.L.K.E.R. 2): Das in der Hauptstadt Kiew ansässige Studio ruft zu Spenden für das ukrainische Militär auf. Die Zukunft sei ungewiss, aber man stehe zu den Streitkräften der Ukraine. Eine weitere Konsequenz der derzeitigen Notlage: Mittlerweile wurde die Entwicklung von S.T.A.L.K.E.R. 2 vorübergehend gestoppt.
  • Sengi Games (The Serpent Rogue): In einem Tweet an die Fans heißt es, man werde ihnen mit dem Spiel aktuell nicht viel weiterhelfen können. Russland attackiere die Bürger der Ukraine, so das Statement.
  • Ubisoft Kiew (Rainbow Six Extraction, AC Valhalla): In einem Statement gegenüber IGN heißt es, man versuche die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und beobachte die Situation sehr genau.
  • Yevhen8 (Ostriv): Das Studio hinter der in der Ukraine des 18. Jahrhunderts angesiedelten Städtebausimulation, postete einen Spendenaufruf mit einer Liste von Charity-Institutionen in der Ukraine.

Studios außerhalb der Ukraine

  • Square Enix: Die Entwicklergruppe Square Enix Group hat via Twitter bekannt gegeben, dass sie 500.000 USD für humanitäre Hilfe spendet. Zudem sollen in mehreren Aktionen Spenden für das Internationale Rote Kreuz, UNICEF und Ärzte ohne Grenzen gesammelt werden. Man hoffe, dass schnell wieder Frieden herrscht.
  • 11bit Games (This War of Mine): Das polnische Studio zeigt sich entsetzt über den Angriff auf das Nachbarland und will alle Einnahmen durch das Antikriegsspiel This War of Mine für die nächsten sieben Tage an das Rote Kreuz in der Ukraine spenden.
  • GOG: Der Shop-Betreiber schließt sich 11bit Games an und will seinerseits vorübergehend alle Einnahmen durch This War of Mine und sämtlicher DLCs über die GOG-Seite ebenfalls an das ukrainische Rote Kreuz abgeben.
  • Raw Fury (Sable, Bad North, West of Dead): Der Indie-Publisher solidarisiert sich auf Twitter mit der Ukraine und vom Krieg betroffenen Menschen und will selbst finanzielle Hilfe leisten. Es wird zu Spenden über das Rote Kreuz aufgerufen.
  • Bungie (Destiny 2): Der US-Entwickler bekundet den von Gewalt betroffenen Ukrainern seinen Beistand. Man werde alle Einnahmen aus der aktuellen Game2Give-Initiative in den ersten 48 Stunden an humanitäre Hilfseinrichtungen spenden.  
  • Draw Distance (Serial Cleaner, Vampire: Shadow of New York): Das Indie-Studio aus Polen verurteilt den russischen Angriff scharf. Man sei in größter Sorge um die Sicherheit der Ukrainer und ihrer Familien.
  • Riot (League of Legends, Valorant): Das „Valorant Champions Tour“ E-Sport-Turnier wurde vorerst pausiert. Priorität hätten jetzt die von der Krise betroffenen Spieler, Caster, Fans und Mitarbeiter, so das Statement. Zudem sollen Einnahmen durch Battle-Pass-Verkäufe gespendet werden, Riot schießt nach eigenen Angaben eine Million US-Dollar dazu.
  • CD Projekt Red (Cyberpunk 2077, The Witcher): Das polnische Studio zeigt sich ebenfalls geschockt über die Angriffe in der Ukraine und spendet eine Million polnische Zloty (etwa 215.000 Euro) an die polnische humanitäre Hilfsorganisation PAH. Des Weiteren stellen sie sämtliche Verkäufe in Russland und Belarus ein.
  • Electronic Arts (Fifa 22, NHL 22, Fifa Online, Fifa Mobile): Der Publisher wird in den kommenden Wochen alle russischen Teams inklusive der Nationalmannschaft aus den aktuellen Ablegern der Fifa- und NHL-Reihe entfernen. Außerdem stellt EA alle Verkäufe in Russland und Belarus vorübergehend ein.
  • Activision Blizzard: Der Publisher hat ebenfalls bekanntgegeben, alle Verkäufe in Russland zu stoppen. Außerdem werde man alle Spenden von Angestellten, die an Hilfsorganisationen gehen, um den Faktor 2:1 aufstocken, wie man in einem internen Brief erklärte.
  • Epic Games: Auch Epic hat sich dazu entschlossen, Käufe im Epic Store in Russland nicht mehr zuzulassen. In einem Tweet erklärte man jedoch, dass man den Zugang zu bereits erworbenen Titeln für russische Spieler nicht einschränke. Später erklärte Epic außerdem, alle Einnahmen aus Fortnite vom 20. März bis zum 3. April 2022 an humanitäre Organisationen in der Ukraine zu spenden. Am 21. März sind bereits 36 Millionen US-Dollar gesammelt worden.
  • Amazon Games (New World): Eine Konsequenz der etwas anderen Art zieht Amazon Games aus der aktuellen Lage. Man hat bekanntgegeben, dass man vorerst nicht mehr an der russischen Lokalisierung für das MMORPG New World weiterarbeiten werde. Das legt jedoch nahe, dass man das Spiel weiterhin in Russland kaufen und spielen können wird.
  • Microsoft: Der Redmonder Konzern hat in einem Blog-Post verkündet, dass man die Verkäufe aller Produkte und Dienste in Russland aussetzen wird. Man arbeite zudem mit den Regierungen zusammen, um die Cyber-Sicherheit der Ukraine aufrechtzuhalten.
  • Take-Two und Rockstar: Sowohl Publisher Take-Two als auch Entwicklerstudio Rockstar Games gaben via PCGamer bekannt, alle neuen Verkäufe und Marketingkampagnen in Russland und Weißrussland einzustellen.
  • Ubisoft: Auch Ubisoft stellt sämtliche Verkäufe in Russland ein. Außerdem möchte man ukrainische Mitarbeiter bei der Ausreise beziehungsweise dem Umzug aus der Ukraine unterstützen. So wird ihnen beispielsweise in benachbarten Ländern Unterkünfte angeboten. Zusätzlich werden Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz finanziell unterstützt.
  • All in! Games und The Farm 51: Die Macher von Chernobylite haben einen Charity-DLC veröffentlicht, dessen Erlöse an eine Organisation gespendet werden, die Opfer des Krieges unterstützt. Das Charity-Pack enthält vier Wallpaper, sowie 2 Druckvorlagen für Chernobylite-Poster und kann für 4 Euro auf Steam oder Epic erworben werden.

Inzwischen haben außerdem mehrere große Hardware-Hersteller ihre Geschäfte in Russland eingestellt. Unter anderem liefern Apple, Nvidia, Intel, AMD und Samsung keine Waren mehr in das Land, Sony stoppte Verkäufe von PlayStation-Konsolen. Außerdem wurde mehrere Online-Services wie Netflix und Tiktok deaktiviert.

Währenddessen beginnen offenbar weitere Spielestudios, ihr Personal aus der Ukraine zu evakuieren. Der Chef des Publishers Tinybuild (Hello Neighbor, Cartel Tycoon, Potion Craft) berichtet beispielsweise auf Twitter:

Wir haben ein starkes Führungsteam, das aktuell daran arbeitet, die Menschen in Sicherheit zu bringen. Dabei geht es um Logistik, Finanzen, Unterbringung. Man muss einen kühlen Kopf bewahren, pragmatisch denken und die Situation richtig einschätzen. Niemand wird zurückgelassen.

Wie das Branchenmagazin Axios berichtet, hatten andere Studios bereits Tage vor dem Angriff ihre Mitarbeiter aus der Ukraine ausgeflogen.

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