Drei Monate Plus im ersten Jahr sparen!

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Warum Starfield verdammt unrealistisch ist - zumindest wenn es um Alienplaneten geht

1.000 Planeten soll Starfield enthalten, auf 10 Prozent davon soll es Leben geben. Aber ist das überhaupt realistisch? Die Wissenschaft versucht seit Jahrzehnten herauszufinden, wie wahrscheinlich intelligentes Leben im Weltraum ist.

Passend zu unserer Starfield-Themenwoche findet ihr hier eine kleine Leseprobe aus dem neuen Buch von Christian Schiffer und Christian Alt. Passend zu unserer Starfield-Themenwoche findet ihr hier eine kleine Leseprobe aus dem neuen Buch von Christian Schiffer und Christian Alt.

Gibt es außerirdisches Leben? Wenn ja: Wie hoch stehen die Chancen, dass wir Menschen ihnen begegnen? Und was hat es eigentlich mit den unzähligen Ufo-Sichtungen auf sich? Damit beschäftigen sich Christian Alt und Christian Schiffer in ihrem neuen Buch »Die Wahrheit ist (N)irgendwo da draußen - Was der neue Ufo-Hype über uns Menschen verrät«.

Dieses erscheint am 20. September im Goldmann-Verlag. Hier könnt ihr aber schon in einen gekürzten und bearbeiteten Auszug als Leseprobe und Einstimmung auf unsere Starfield-Themenwoche reinschnuppern!

Das wichtigste Kantinengespräch aller Zeiten

Die wichtigste Frage der Menschheit wurde zum ersten Mal beim Mittagessen diskutiert. Es ist ein heißer Sommertag im Jahr 1950. In Los Alamos, New Mexico, gehen die Männer, die für den Bau der Atombombe verantwortlich sind, zum Lunch in die Fuller Lodge, eine muckelige Hütte aus Stein und großen Holzstämmen, in der die Kantine des Los Alamos Laboratorys liegt.

Die Gruppe besteht aus vier Physikern. Da wäre zum einen Edward Teller, der gerade daran arbeitet, das Zerstörungspotential der Atombombe um das Tausendfache zu steigern. Er gilt vielen heute als der »Vater der Wasserstoffbombe«.

Video starten 3:08 Christopher Nolan inszeniert die Geschichte vom Vater der Atombombe in Oppenheimer

Neben Teller läuft Emil Konopinski, ein Mann, der sich mit Fragen von zivilisatorischer Tragweite auskennt. In den 40ern hat er daran geforscht, ob eine Atombombe eine Kettenreaktion in der Atmosphäre auslösen könnte, die die gesamte Welt in Brand setzt.

Dann ist da noch Herbert York, der in diesem Moment zwar mithilft, die Wasserstoffbombe zu bauen, aber später einer der lautesten und einflussreichsten Abrüstungsbefürworter wird, als er sieht, was seine Erfindung anrichten kann. Eine illustre Runde bis hierhin, aber einer fehlt noch. Und zwar der Brillanteste von allen.

Ein Jahrhundertgenie, dem schon 1938 der Nobelpreis in Physik überreicht wurde: Enrico Fermi. Seine Forschungen legten den Grundstein für die Entdeckung der Kernspaltung, für Kernenergie und für die Atombombe. An dieser hat er seit 1942 mitgearbeitet und war einer der wichtigsten Männer an der Seite von Robert Oppenheimer.

Fermis Intellekt ist messerscharf und liebt abstrakte Probleme. Das Problem, das die Männer gerade beim Mittagessen diskutieren: Aliens. Und wie wahrscheinlich es wäre, dass Raumschiffe auf der Erde landen. 

In Starfield erkunden wir außerirdische Welten. In Starfield erkunden wir außerirdische Welten.

Fermi fragt seinen Kollegen Teller, wie hoch dieser die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass wir Hinweise für Überlichtgeschwindigkeit bis zum Jahr 1960 finden. Teller: eins zu eine Million. Fermi, ein Optimist, glaubt eher an ein Verhältnis von 1 zu 10. (Auflösung: Es wird noch bis in die 90er-Jahre dauern.)

Die Unterhaltung der Physiker wendet sich anderen Dingen zu, sie setzen sich zum Essen an einen großen Holztisch in der Lodge. Aber in Fermi s Kopf arbeitet es weiter, bis er plötzlich mit einer Frage rauspoltert, die uns heute noch beschäftigt: »Where is everbody?« Wo sind denn alle? Mit alle meint er natürlich die Außerirdischen. 

Diese Szene fasst Herbert York später so zusammen: »Fermi stellte eine Reihe von Berechnungen zur Wahrscheinlichkeit erdähnlicher Planeten, zur Wahrscheinlichkeit von Leben auf einem solchen Planeten sowie zum wahrscheinlichen Aufstieg und zur Dauer von Hochtechnologie und so weiter an. Auf der Grundlage dieser Berechnungen kam er zu dem Schluss, dass wir schon lange und viele Male besucht worden sein müssten.«

Das klingt selbst für Laien einleuchtend und setzt auf einem tiefen Gefühl in uns allen auf: Nicht vorstellbar, dass wir alleine im Universum sind. Unser Planet kann unmöglich der einzige verdammte Planet im ganzen Universum sein, auf dem intelligentes Leben haust. Auf dem eine Spezies sich bekriegt, sich liebt, GameStar liest, am Lagerfeuer Lieder singt und auf Starfield wartet. Das kann doch nicht sein!

Es wäre eine kosmische Ungerechtigkeit, wenn wir wirklich alleine wären. Auf einem Planeten, den wir langsam unbewohnbar machen. Dieses Gefühl trifft im Fermi-Paradoxon auf die Wissenschaft, die es scheinbar bestätigt.

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Nehmen wir nur mal unsere Galaxie, die Milchstraße. Die ist ungefähr 100.000 Lichtjahre breit. Das schnellste Raumschiff, das wir jemals in die Sterne geschickt haben, ist die Parker Solar Probe. Sie soll die Sonne umrunden und wird im Jahr 2024 eine Höchstgeschwindigkeit von 724204,8 Stundenkilometern erreichen. Das sind ein bisschen mehr als 200 Kilometer pro Sekunde!

Was irre viel klingt, ist in kosmischen Maßstäben wenig. 200 Kilometer pro Sekunde sind noch nicht einmal 1 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Mit 0,67 Prozent der Lichtgeschwindigkeit fliegt die Sonde also durch das All. Wenn sie in dieser Geschwindigkeit einmal die Galaxis durchqueren soll, dann bräuchte sie dafür 149 Millionen Jahre.

Das hört sich erst mal wenig danach an, dass wir es eines Tages schaffen, den Weltraum zu erobern. Fermi ist aber auch hier optimistisch! Ihm bereiten diese großen Zahlen keine Sorgen, sondern im Gegenteil – sie machen ihm Hoffnung. Unsere Galaxie ist 10 Milliarden Jahre alt. Selbst mit einer kleinen Schrottsonde (sorry, NASA) wie der Parker Solar Probe könnte man sie mehrmals durchkämmen. Nimmt man an, dass wir schnellere Raumschiffe bauen könnten, würde es sogar noch fixer gehen.

Das ist also der gedankliche Rahmen, in dem Fermi sein Paradox formuliert. Er denkt dabei an uns Menschen. Der Homo sapiens ist 300.000 Jahre alt. Wir haben so ziemlich jeden erdenklichen Winkel unseres Planeten kolonisiert. Es ist nicht unrealistisch, dass wir eines Tages dasselbe mit dem Weltraum tun werden.

Elon Musks erklärtes Ziel ist es beispielsweise, die Menschheit noch während seiner Zeit auf der Erde zu einer multiplanetaren Spezies zu machen und den Mars zu besiedeln. Für Fermi, der in einer Periode unaufhörlichen Fortschritts aufwächst, scheint klar: In 1000 Jahren könnten wir unser Sonnensystem besiedelt haben.

In 10.000 Jahren vielleicht die Galaxis. Und das wieder würde bedeuten: Eigentlich müsste unsere Galaxie voll von Leben sein. Nur: Wieso ist es dann so still da draußen? Where is everybody?

Drake (der Astronom und nicht der Rapper)

Das ist das Fermi-Paradoxon. Es geht davon aus, dass das Universum eigentlich voll sein müsste von Leben. Aber wir haben noch keine Beweise dafür gefunden. Was im Kopf von Fermi nur ein schnelles Überschlagen von Wahrscheinlichkeiten ist, wird von Frank Drake in eine simple Formel gebracht. Eine Formel, die auf den ersten Blick gar nicht simpel aussieht. Sie wird das erste Mal auf der Green Bank-Konferenz im Jahr 1961 vorgestellt. 

N = R * · fp · ne · fl · fi · fc · L

Bevor ihr jetzt weglauft, weil ihr Euch an den schlimmen Mathe-Unterricht der achten Klasse erinnert fühlt: keine Panik! Es ist wirklich sehr simpel und gleich vorbei.

Da ist also das mysteriöse N am Anfang der Formel: die Anzahl der nachweisbaren Zivilisationen in unserer Galaxis. R* steht für die mittlere Stern-Entstehungs-Rate pro Jahr in unserer Galaxie. Unsere Galaxie ist voller Sterne. Manche von ihnen gehen ein, manche wiederum entstehen.

Video starten 42:06 Hat uns Starfield auf der gamescom überzeugt? - mit Nerdkultur

Die Zahl R* gibt einfach nur an, wie viele Sterne im Durchschnitt jedes Jahr dazukommen. In unserer Galaxie liegt diese Zahl irgendwo zwischen 1 und 2. Diese Ungenauigkeit beim Ausfüllen der Drake-Gleichung wird uns jetzt noch häufiger begegnen. Viele Werte können wir nur näherungsweise ausfüllen.

fp ist eine Bruchzahl. Hier suchen wir nach der Anzahl der Sterne, die tatsächlich auch Planeten in ihrer Umlaufbahn haben. Drake und seine Kollegen gehen im Jahr 1961 davon aus, dass etwa 20 bis 50 Prozent aller Sterne auch Planeten haben. Das ist heute widerlegt – inzwischen schätzt die Forschung, dass eigentlich jeder Stern auch einen Planeten hat. Also ist die Zahl 1. Und wenn man mit 1 multipliziert, kann man es gleich auch lassen. Also weg damit.

ne ist die Zahl, die angibt, wie viele Planeten in einem Sonnensystem auch Leben beherbergen könnten. Könnten! Die Temperaturen auf dem Jupiter erreichen 1000 Grad, hier ist kein uns bekanntes Leben möglich.

Wichtiger Hinweis an der Stelle: Sämtliche Forschung, die nach außerirdischem Leben sucht, geht immer von Lebensformen aus, die uns ähneln. Organisch, Sauerstoff atmend, mit Wasser als Lebensgrundlage. Unsere Suche nach Außerirdischen ist oft eine Suche nach uns selbst.

Zu Erkunden gibt es auch zahlreiche Städte und Kolonien. Zu Erkunden gibt es auch zahlreiche Städte und Kolonien.

Das ist der Astronomie natürlich bewusst und einigermaßen peinlich, aber Leben, das anders funktioniert als das auf unserem Planeten, können wir uns einfach nicht vorstellen. Schon jetzt ist die Suche nach Leben in der Galaxis eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wenn wir nun noch nicht einmal wissen, wie die Nadel aussieht, wird die Suche unmöglich.

1961 jedenfalls nimmt die Green Bank-Konferenz an, dass drei bis fünf Planeten Leben beinhalten könnten. Das war … sehr optimistisch. Heute gehen Forscherinnen und Forscher eher von 0,4 Planeten pro Sonnensystem aus. Kommen wir vom »könnten« zum »machen«. fl ist die Zahl, die benennt, wie viele dieser Planeten im Laufe ihrer Entwicklung auch Leben entwickeln werden.

Auch hier nehmen Drake und Co. einen vollen Schluck aus der Pulle und sagen: 100 Prozent. »Und wenn wir schon dabei sind, dann entwickeln auch 100 Prozent von denen intelligentes Leben«, könnte man die Konferenz-Teilnehmer rufen hören. Denn intelligentes Leben ist die nächste Zahl fi.

Jetzt bleiben nur noch zwei Faktoren übrig. fc ist die Zahl der intelligenten Zivilisationen, die Technologie entwickeln, die beobachtbare Signale in den Weltraum senden. Genauer gesagt: Radiowellen. Denn hier scheiden sich die Geister – was bedeutet kommunizieren genau? Auch in dieser Frage gehen wir nur von uns selbst aus. Nehmen wir alle Signale rein, die wir unwillkürlich ins Weltall blasen? Oder wollen wir nur mit Zivilisationen rechnen, die auch wirklich eine Botschaft senden wollen?

Unsere Raumschiffe können wir selbst anpassen. Unsere Raumschiffe können wir selbst anpassen.

Und dann das Letzte: L. L ist die Zahl in Jahren, die eine Zivilisation senden würde. Wenn wir in unsere eigene Geschichte schauen, dann sehen wir, dass große Zivilisationen auch untergehen können. Die Haltbarkeit von vielen geht nur in die Jahrhunderte, nicht in die Jahrtausende.

Die Green Bank-Konferenz ist auch hier optimistisch und rechnet mit 1000 bis 100 000 Jahren, die eine fremde Zivilisation tatsächlich senden könnte. Eine von Frank Drake organisierte Konferenz kommt auf weit abweichende Werte. »20 Zivilisationen gibt es in unserer Milchstraße«, ist zum Beispiel eine Antwort, »mindestens!« Das passiert, wenn man nur die angenommenen Minimalwerte nimmt.

Aber schon kleine Änderungen an manchen Faktoren lassen die Skala nach oben explodieren. Nämlich auf bis zu 50 Millionen. Jetzt muss man kein Mathematiker sein, um zu verstehen, dass 20 Zivilisationen etwas komplett anderes sind als 50 Millionen.

Wenn ich 20 Euro hab, kann ich mir eine Pizza kaufen. Für 50 Millionen Euro kauf ich mir einen Pizzahersteller. Die Wissenschaftler einigen sich deshalb auf einen Kompromiss: Vergiss die Gleichung, alles, was zählt, ist L.

Natürlich dürfen auch Laser-Waffen und andere Argumentverstärker in Starfield nicht fehlen. Natürlich dürfen auch Laser-Waffen und andere Argumentverstärker in Starfield nicht fehlen.

Die Drake-Gleichung ist bis heute ein großer Zankapfel. Aber sie bringt ganz einfach auf den Punkt, wie riesig das Problem ist, vor dem wir stehen. Zu viele Variablen verwässern das Ergebnis. Und immer wieder landen wir mathematisch beim Fermi-Paradoxon. Wenn es 50 Millionen Zivilisationen gibt: »Wo sind denn nur alle?«

Man muss Starfield eins zugestehen: Wenn auf 10 % der Planeten leben existiert, dann ist das schon eher auf der optimistischen Seite. Klar ein Geschenk an uns Spieler, denn nur auf staubigen Wüstenplaneten abzuhängen oder durch Eisplaneten zu watscheln, wäre eher langweilig.

Die Botschaft hinter der Mathematik ist das Wichtige: Wir müssen unser L, unsere Zivilisation verlängern, wenn wir wirklich in Kontakt mit außerirdischen Lebensformen kommen wollen. “Großer Filter” heißt dieser Gedanke. Denn vielleicht haben wir noch nichts von Aliens gehört, weil die fremden Zivilisationen untergegangen sind. 

Zum Beispiel könnte es zwar Leben auf fremden Planeten geben, aber das Leben ist nicht so intelligent, dass es auf die Idee kommt, einen Haufen Kerosin anzuzünden und gen Himmel zu schicken. Oder: Es existiert eine intelligente Zivilisation, doch diese zerstört sich selbst, bevor sie es schafft, eine multiplanetare Spezies zu werden. Eine Annahme, die angesichts von Klimawandel, ständigen Kriegen und Atomwaffen, die ausreichen würden, die Erde mehrmals zu zerstören, nicht von der Hand zu weisen ist.

Lasst uns also zusehen, dass wir unseren Großen Filter überstehen. Und das bedeutet für einen kurzen Moment, den Blick vom Himmel auf die Erde zu richten. Den Klimawandel zu bekämpfen, das Massensterben aufzuhalten. Denn wenn wir wirklich allein im Universum sind, dann wäre es doch wirklich schade, wenn das hier das Ende ist.

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