Mafia 4: Nach so einer Definitive Edition darf nicht Schluss sein!

Meinung: Die Neuauflage des Klassikers Mafia war ein Erfolg. Doch darauf darf man sich nicht auszuruhen. Damit die Reihe bestehen bleibt, muss ein ebenso guter Nachfolger her.

von Fabiano Uslenghi,
30.09.2020 15:15 Uhr

Mafia ist mit der Definitive Edition wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Gleichzeitig konnten die Entwickler von Hangar 13 dieses legendäre Actionspiel an vielen Stellen noch besser machen. Etwa in dem sie den Figuren mehr Emotionen zustanden als noch im Original. Auch das Gameplay wurde dank Deckungsmechanik sowie Schleichpassagen an unser heutiges Jahrzehnt angepasst.

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Doch wie geht es mit der Serie jetzt weiter? Die Fans sind heiß auf mehr. Mafia hat erneut gezeigt, was die Reihe so besonders macht. Laut Hangar 13 wäre eine Fortsetzung denkbar, sofern sich die Definitive Edition finanziell auszahlt. Bleibt zu hoffen, dass sie aus ihrer Arbeit an dem Remake gelernt haben und der Reihe einen würdigen Nachfolger bescheren, der womöglich die Schwächen eines Mafia 3 vergessen lässt. Was muss ein Mafia 4 also genau leisten, um die Fans wieder komplett hinter sich zu bringen und nicht nur ein altes Lied erneut zu spielen?

Der Autor:
Obwohl Fabiano mit dem ersten Mafia groß wurde und den zweiten Teil ebenfalls verschlungen hat, hinterließ ihn der dritte Teil schon nach einigen Stunden recht enttäuscht. So wirklich wollte er danach auch gar keinen Nachfolger mehr. Jetzt hat die Definitive Edition des ersten Teils seine Liebe zu der Serie aber wieder entflammt und nun ist er der Meinung: Es muss weitergehen! Aber wie genau?

Was ich von der Story erwarte

Wirklich schlecht waren die Geschichten der Mafia-Spiele nie. Selbst Mafia 3 bot besonders mit seinen stark inszenierten Zwischensequenzen, dem packenden Rache-Plot und seiner dichten Atmosphäre genau das, was wir auch in Zukunft von einem Mafia sehen wollen. Mit dem Remake hat Hangar 13 dieses Talent für packende Geschichten bestätigt. Sie haben aus einer ohnehin schon spannenden Geschichte noch einmal ein ganzes Stück mehr rausgeholt und mit geschultem Auge die Schwächen des Originals ausgebrannt.

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Für Mafia 4 wird darüber hinaus die Frage zu einem neuen Protagonisten spannend. Nach Vito und Lincoln ist es mal wieder Zeit für einen Charakter, der nicht im Krieg gedient hat. Zwar passt der italienische Mob rein von seiner Ausstrahlung am besten zur Mafia-Serie, ein weiterer italoamerikanischer Gangster könnte nach Tommy, Vito und nochmal Tommy aber ebenfalls an Reiz verlieren. Vielleicht hat Hangar 13 ja sogar eine Idee, wie eine weibliche Figur sich innerhalb einer Familie hervortun könnte.

Die Geschichte eines Mafia 4 sollte außerdem weiter auf dem aufbauen, was wir bis jetzt bekommen haben. Wiederkehrende Figuren wie Tommy in Mafia 2 und Vito oder Leo Galante in Mafia 3 leisteten bereits einen Beitrag, um die ansonsten recht losgelösten Teile miteinander zu verbinden. Das wurde im Mafia-Remake rückwirkend weitergeführt und sollte in Mafia 4 nicht zu kurz kommen.

Mafia-2-Antiheld Vito ist der einzige Charakter, der in allen Mafia-Spielen einen Auftritt hat. Nur im Original von 2002 erkennt man ihn in der Endsequenz nicht - weil der Charakter noch anders aussah. Mafia-2-Antiheld Vito ist der einzige Charakter, der in allen Mafia-Spielen einen Auftritt hat. Nur im Original von 2002 erkennt man ihn in der Endsequenz nicht - weil der Charakter noch anders aussah.

Was ich vom Setting erwarte

Die Diskussionen um ein neues Mafia bestehen schon seit einiger Zeit und insbesondere über das Setting wird dabei immer wieder spekuliert. Erste Gerüchte besagten, dass Mafia 4 in einem fiktiven Las Vegas in den 70er Jahren spielt. Ein Easter Egg aus der Definitive Edition auf einer Zigarettenkarte brachte nun den Namen Los Ondas ins Spiel. Ein durchaus ergiebiges Szenario. Denn in den bisherigen Mafia-Spielen war Glücksspiel eher eine Randerscheinung. Eine von dem Filmklassiker »Casino« inspirierte Geschichte in der Stadt der Sünden wäre ich auf jeden Fall nicht abgeneigt.

Doch wenn Mafia 4 wirklich mehr leisten will als seine Vorgänger, wäre eine Reise durch die Zeit denkbar. Nein, nicht mit einem DeLorean. Aber die Geschichten von Teil eins und zwei überspannten mehrere Jahre, währenddessen sich auch Mode und Autos veränderten. Eine noch größere Zeitspanne könnte den kompletten Aufstieg und Fall einer Familie mehr als ausführlich behandeln.

Vielleicht erleben wir ja die Geschichte eines Mitglieds, das schon in den 40er oder 50er Jahren Teil des Systems wird und bis früh in die 80er Jahre wirklich alles gesehen hat. Der komplette Mafia-Rundumschlag quasi, der von dem romantisierten Bild des organisierten Verbrechens nach und nach wegkommt und es schließlich gegen Ende vollständig auseinandernimmt.

Mafia 3 spielt in den späten 60er Jahren. Ein Nachfolger im Las Vegas der 70er könnte also auch direkt an den Vorgänger anknüpfen und Lincoln einen Auftritt einräumen. Mafia 3 spielt in den späten 60er Jahren. Ein Nachfolger im Las Vegas der 70er könnte also auch direkt an den Vorgänger anknüpfen und Lincoln einen Auftritt einräumen.

Was ich von der Open World erwarte

Hier werden sich die Geister scheiden. Mafia muss mit Mafia 4 endgültig klären, welchen Weg sie mit ihrer Open World einschlagen wollen. Anders als GTA sind die offenen Städte nämlich keine Sandkästen, in denen ich die Sandburgen meiner Konkurrenten mit einer Tommy Gun zerlege. Zumal die Hauptstory schon immer wichtiger war als etwaige Nebenaktivitäten.

Gleichzeitig konnte selbst das Remake des Originals nicht das Gefühl abschütteln, hier Potenzial verschenkt zu haben. Grundsätzlich gilt zwar meistens, dass die Open World in einem Mafia ruhig eine atmosphärische Kulisse sein darf, solang die Geschichte darin gut erzählt wird. Aber letztlich sollte ein Mafia 4 hier auch die Ambition haben, etwas mehr zu leisten.

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Open Worlds und das Story-Dilemma

Das Wichtigste wird sein, die richtige Balance zu finden. In Mafia 2 gab es in der Open World zwar Kleinigkeiten zu tun, aber dann doch wieder zu wenig. Dadurch verlor die Welt ihren Status als Kulisse, bot aber keinen spannend Grund dafür. In Mafia 3 wiederum gab es Gangster-Quartiere auszuräuchern und Bezirke zu vergeben. Die Missionen spielten sich aber alle sehr, sehr gleichförmig. Hangar 13 hat letztlich nur zwei Möglichkeiten:

  1. Sie gehen All-In: Wenn schon Open World, dann richtig. Das muss sicherlich kein Spiel von der Größe eines GTA werden. Doch Nebenlinien, die vom Hauptplot abzweigen und uns andere Bereiche der Stadt zeigen, sind durchaus denkbar. Nur sollten sich die Aufträge dann nicht nach Beschäftigungstherapie anfühlen, sondern Mafia-typisch abwechslungsreiche Missionen bieten. Das kann für Mafia funktionieren, wenn man es richtig macht.
  2. Alles wie früher: Alternativ bleibt Mafia 4 bei dem Konzept, das der erste Teil einst vorgegeben hat. Stringente Story-Missionen mit einer offenen Welt als Verbindungsstück - das kann auch heute noch Spaß machen. Sehen wir am Remake. Die Kritik wird Mafia damit nicht los, aber man besinnt sich zumindest auf die Stärken, für die die Reihe ursprünglich berühmt wurde.

Eine halbherzige Zwischenlösung wie bei Mafia 2 und Mafia 3 sollte in einem potenziellen Nachfolger aber vermieden werden. Man muss nicht immer mit Innovationen glänzen, um ein gutes Spiel abzuliefern, solang das Gesamtpaket noch keinen Rost ansetzt.

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