Microsoft kauft Mojang - Milliarden für Minecraft

Microsoft übernimmt den Minecraft-Macher Mojang für 2,5 Milliarden US-Dollar. Das ist toll für den Klötzchenkönig Markus »Notch« Persson – aber was hat Microsoft davon? Und was wir Spieler?

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Wenn es um unvorstellbar hohe Zahlen geht, muss immer ein Vergleich her, um sie greifbarer zu machen. Für 2,5 Milliarden US-Dollar, heißt es dann, bekommt man sechs fabrikneue Airbus A380, die Summe entspricht ungefähr dem Bruttoinlandsprodukt von Burundi und würde reichen, um alle Schulden der Stadt Bonn auf einen Schlag zu tilgen. Vor allem aber kann man damit ein schwedisches Entwicklerteam kaufen: 2,5 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 1,93 Milliarden Euro, hat Microsoft für das Minecraft-Studio Mojang bezahlt.

»Sind die noch ganz dicht?«, hallt es da durchs Netz. 2,5 Milliarden für eine Ein-Spiel-Firma? Denn außer Minecraft hat Mojang wenig vorzuweisen, das Kartenabenteuer Scrolls fristet ein Schattendasein, das Weltraum-Programmierspiel 0x10c liegt auf Eis. Und obendrein verlassen mit dem Kauf die drei wichtigsten Mitarbeiter - die zwei Firmengründer Markus »Notch« Persson und Jakob Porser sowie der Geschäftsführer Carl Manneh - die Firma.

Vor allem für Persson scheint die Übernahme die perfekte Möglichkeit zu sein, sich dem Leistungsdruck und der Erwartung auf einen zweiten Hit-Titel zu entziehen. Viel lieber widmet er sich kleinen Spieleexperimenten, wie er in einem ausführlichen Blogpost zur Übernahme erklärt.

Milliarden-Poker

Kann sich so ein Kauf für Microsoft also überhaupt lohnen? Schließlich wird sich mit dem nun doch schon etwas älteren Minecraft das Geld in den nächsten Jahren kaum wieder reinholen lassen. Buchhalterisch ist die Transaktion trotzdem sinnvoll. Denn statt die 2,5 Milliarden Dollar in der Kriegskasse mit derzeit niedriger Rendite verrotten zu lassen, investiert Microsoft lieber. Mehr als die normalen »Zinsen« kommt durch Spiele- und Merchandise-Verkäufe von Minecraft allemal rum.

Nun ist die Mojang-Übernahme ja nur ein weiteres Milliardengeschäft in einem an Milliardengeschäften nicht eben armen Spielejahr: Zuletzt blätterte Amazon fast eine Milliarde Dollar für den vor allem bei Spielern beliebten Streaming-Dienst Twitch hin, zuvor hatte sich Facebook für irrsinnige zwei Milliarden Dollar den Virtual-Reality-Brillenbauer Oculus VR einverleibt. Und mit einem Jahresgewinn von rund 22 Milliarden Dollar bezahlt Microsoft den Zukauf mehr oder weniger aus der Portokasse. Für die Spieleindustrie ist eine derartige Summe aber astronomisch. Zum Vergleich: Selbst der Branchenprimus Activision Blizzard verzeichnete zuletzt »nur« einen Jahresgewinn von einer Milliarde Dollar.

Doch während Facebook in Zukunftstechnologie investiert (oder zumindest in das, was Facebook für Zukunftstechnologie hält) und Amazon den Werbemarkt der rasant wachsenden Streaming-Plattform abschöpfen möchte, übernimmt Microsoft nur ein Spiel.

Minecraft - Video: Phil Spencer über den Mojang-Kauf Video starten 3:49 Minecraft - Video: Phil Spencer über den Mojang-Kauf

Klar, nicht irgendein Spiel. Minecraft ist einer der wichtigsten Titel der letzten Jahre, ein Spielemärchen, ein Goldgrube gewordenes Garagenprojekt, das den Begriff »Indie« vom Stigma des feinen, aber kleinen Randgruppenmarktes befreite, maßgeblich zum Beliebtheitsschub der Let's Plays beitrug, Kreativität zur Designmaxime erhob, uns den Trend zum »Early Access« bescherte und sich nicht zuletzt millionenfach verkaufte. Und just dieser Erfolg ist der Knackpunkt, denn Microsoft investiert seine 2,5 Milliarden Euro ja eigentlich gar nicht unbedingt in das Spiel Minecraft- sondern in eine makellos geführte Marke mit einer treuen, konsumfreudigen Zielgruppe. Kurz: Microsoft will nicht unbedingt Minecraft selbst, es will seine Spieler.

Die gekaufte Community

Klar ist: Die große Wachstumsphase von Minecraft ist erst mal vorbei, wer sich für das Spiel interessiert, hat es mittlerweile auch. 16 Millionen Mal hat sich der Titel inzwischen auf dem PC verkauft, über 50 Millionen Mal insgesamt - alleine die Pocket Edition für Smartphones und Tablets wanderte über 21 Millionen Mal über die App-Store-Theken. Selbst wenn da Millionen von Doppelkäufen (etwa auf PC und Handy) dabei sein sollten, hat Minecraft eine gewaltige Community, die sich über fast alle aktuellen Plattformen erstreckt, also auch über die Xbox 360, die PlayStation 3 und neuerdings die Xbox One und die PlayStation 4. Neben Activisions Skylanders ist Minecraft eine der beliebtesten plattformübergreifenden Spielemarken. Von so etwas konnte Microsoft bislang nur träumen.

Noch dazu sind die Minecraft-Fans überaus treu - natürlich auch aus Dankbarkeit dafür, dass Mojang das Spiel seit Jahren kostenlos erweitert. Zugleich schaffen es die Entwickler, zusätzliche Erlöse aus der eingeschworenen Fangemeinde zu kitzeln. Etwa mit Lego-Baukästen und Mattel-Plüschfiguren. Oder mit dem jüngst gestarteten Server-Dienst Minecraft Realms, bei dem man sich für einen Monatsbeitrag von 10 Euro einen Multiplayer-Server für bis zu zehn Spieler mieten kann. Auch wenn das jetzt nach bösem Kommerz klingt: So muss man's machen! Mit einem günstigen Grundspiel und gutem Support hat Mojang ein festes Community-Fundament gelegt, das den Schweden im Jahr 2013 beachtliche 128 Millionen Dollar Reingewinn bescherte - Tendenz weiter steigend.

Minecraft - Test-Video zur Xbox-360-Fassung Video starten 7:18 Minecraft - Test-Video zur Xbox-360-Fassung

Dann wären da natürlich noch die Modder. Um das PC-Minecraft hat sich eine lebendige Bastlerszene entwickelt, die das Spiel beständig um- und ausbaut. Auch das hält Minecraft frisch, auch deswegen hält die Community Mojang die Treue. Zumal die Entwickler ihr Spiel in enger Abstimmung mit den Fans weiterentwickeln, etwa beim Multiplayer-Plugin Bukkit, auch wenn es da zuletzt einige Reibereien gab. Zu guter Letzt gibt es sogar Spieler, die mit Minecraft Geld verdienen, etwa indem sie kostenpflichtige Server aufsetzen oder auf ihren Servern Werbung schalten. Oder, indem sie Let's Plays aufnehmen, bekanntermaßen verdankt selbst Gronkh seine Popularität auch seinen Minecraft-Videos.

Und nicht zu vergessen: Minecraft hat die Chance, als erstes Spiel tatsächlich im Unterricht eingesetzt zu werden. Die so genannte Edu-Edition (http://minecraftedu.com/) ist für Microsoft unter Umständen eine Hintertür in die Klassenzimmer und damit zu künftigen Kunden.

Markus Persson (Mitte) hat Mojang nach der Übernahme durch Microsoft verlassen. Um »bei Verstand zu bleiben«, wie er selbst sagt. Markus Persson (Mitte) hat Mojang nach der Übernahme durch Microsoft verlassen. Um »bei Verstand zu bleiben«, wie er selbst sagt.

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