Die Welt geht vor die Hunde, warum sich noch die Mühe machen? Warum sich die Mühe machen, in Mörk Borg als heruntergekommener »Held« Skelette zu zerlegen, Goblins die Schädel einzuschlagen und in blutigen Überresten nach schimmligen Äpfeln zu suchen, um zumindest irgendetwas zwischen die Zähne zu bekommen?
Wahrscheinlich am Ende des Tages einfach nur, um es noch einmal richtig krachen zu lassen! Mörk Borg ist das Spiel, das ihr herauskramt, wenn ihr Bock darauf habt, bei ohrenbetäubender Metal-Musik so lange durch Dungeons zu crawlen, bis euer vermutlich körperlich und geistig komplett ruinierter Charakter unweigerlich ins Gras beißt.
In Mörk Borg geht es nicht darum, die Apokalypse zu verhindern. Es geht auch nicht darum, nach der Apokalypse ein neues Leben zu beginnen. In Mörk Bork steckt ihr mitten im Weltuntergang und habt dann eben doch keine andere Wahl mehr, als daraus das Beste Schlimmste zu machen.
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Mörk Borg: Das Dark Souls unter den Pen&Paper-Rollenspielen kommt bald auch als Videospiel
Was als Pen&Paper seit einigen Jahren in der Community ziemlich gehypt wird, erscheint noch 2026 als PC-Spiel. Kann das nihilistischstee Dark-Fantasy-Rollenspiel neben Dark Souls hier überhaupt funktionieren? Ich habe die Demo ausprobiert.
Du bist Abschaum
In Mörk Borg spiele ich keinen Helden, ich spiel einen Narren. Einen absoluten Volltrottel, der glaubt, er könne in dieser aktiv verwesenden Welt noch irgendwas erreichen. Spoiler: Wird er nicht. Und ihr auch nicht. Wir sind alle Abschaum und sterben ohnehin erbärmlich. Das lässt uns Mörk Borg auch durchgehend wissen.
Um Mörk Borg trotzdem genießen zu können, muss man sich als allererstes auf den Stil einlassen. Und allein das fällt schon nicht ganz leicht. Die Kakofonie aus Gelb, Schwarz, Rot und Pink fühlt sich im ersten Moment an wie ein Streitkolben aus rostigen Nägeln, der euch über die Rübe gezogen wird.
Dieses Spiel hält sich an keine Konventionen und setzt beim Design seiner Menüs mehr auf seine einzigartige Stilrichtung als auf jegliche Form der Übersichtlichkeit.
Auch das trägt dazu bei, dass ich mich wie Abschaum fühle. Ich verstehe kaum das Hauptmenü. Aber verdammt cool sieht das alles trotzdem aus.
Wieder und wieder
Das PC-Spiel zu Mörk Borg geht nur so halb als Rollenspiel durch, eigentlich ist es ein klassisches Roguelike. Was eben auch daran liegt, dass es in Mörk Borg selbst im Pen&Paper ganz normal ist, schnell ins Gras zu beißen. Das macht in dem Fall nur eben nichts, weil Charaktere auch mit Würfeln am Spieltisch in wenigen Sekunden erstellt sind.
Es gibt nur vier Attribute – dazu noch eine Klasse, Lebenspunkte und Omen, mit denen ich Würfelwürfe wiederholen oder kurzzeitige Boni aktivieren kann. Das war's dann auch schon. Nebenbei spuckt Mörk Borg die absurdesten Charaktereigenschaften aus, die ihr euch vorstellen könnt. Und das ist der Punkt, der zumindest das Pen&Paper so beliebt macht.
Mörk Borg ist eine Storytelling-Maschine, die mit tiefschwarzem Humor und enorm lustigen Zufallstabellen dafür sorgt, dass ihr sofort einen Charakter an der Hand habt, der so absurd erscheint, so plemplem, dass allein durch all seine grotesken Eigenschaften Geschichten im Kopf entstehen und man ziemlich losgelöst von der eigenen Moral und Weltvorstellungen die unkonventionellsten Entscheidungen fällen kann.
Wieder und wieder. Und das gilt auch für das PC-Spiel. Meine erste Runde in der Demo sah so aus:
- Ich bin Femur und neben Hunden in einem Gasthaus aufgewachsen. Ich habe circa 30 Freunde: meine Zähne. Meine Alkoholikernase ist rot und geschwollen. Ich lache oft manisch.
- Eine seltsame Ziegenpriesterin will von mir, dass ich einen Trollfinger hole. Okay.
- Ich laufe hin und her und suche verzweifelt nach einem Ausgang aus dem ersten Raum.
- Ich entdecke mein Inventar.
- Ich esse aus Versehen eine Silbermünzen und verliere zwei meiner mickrigen vier Lebenspunkte.
- Ich finde nach fünf Minuten heraus, wie man den Raum verlässt.
- Ich besuche das Gasthaus und lese die Anschlagstafel. Jemand sucht einen vermissten Hund.
- Ich will eine blutige Wurzel auf dem Markt kaufen ... mir fehlt dazu die eine Silbermünze, die ich am Anfang gegessen habe.
- Ich gehe den Hund suchen und reise zu einem alten Friedhof.
- Eine Steintafel will mir erklären, wie Kämpfe funktionieren. Ich schaffe eine Stärkeprobe und zetrete sie einfach.
- Ich finde eine Totenkopfstatue, die Gift spuckt, und trete dagegen.
- Das Gift trifft mich und ich sterbe sofort.
- Das Spiel sagt mir, ich sei ein Versager.
- Uff.
Frust. Unendlicher Frust. Trotzdem fange ich nochmal von vorne an. Es braucht drei solcher Torturen, bevor ich eine Runde starte, in der ich mich ansatzweise erfolgreich fühle. Mörk Borg fasziniert auf seine Art, aber ihr braucht ein dickes Fell.
10:16
Mörk Borg: Erst beim vierten Versuch gelingt es uns, in diesem knüppelharten Roguelike länger als 10 Minuten zu überleben.
Für (knallharte) Fans
Ich kann mir vorstellen, dass die Faszination von Mörk Borg durch das Spiel nicht wirklich geweckt wird. Wer die Vorlage kennt, der weiß, worauf er sich einlässt, und kommt mit dem Stil gut klar. Der schätzt womöglich sogar, wie konsequent Mörk Borg sich am Pen&Paper-Vorbild bedient. Alle anderen rennen gegen eine blutige Wand, an der zuvor schon 100 andere Leute zerschellt sind.
Denn auch wenn etwa die Charaktererstellung dieselben Bausteine verwendet wie das Pen&Paper – was im Spiel mit Freunden und einer Spielleitung zu wundervoll absurd lustigen Situationen und Geschichten führt, ist im Roguelike eine amüsante Randnotiz. Ich lache einmal kurz darüber, wie lächerlich mein Charakter erscheint – danach ist es für das Spiel kaum noch von Bedeutung.
Im Pen&Paper wäre das nicht passiert. Im Pen&Paper gehe ich genauso schnell vor die Hunde, aber kann in der Zeit zumindest so durchgeknallt sein wie möglich. Im PC-Spiel bin ich viel zu limitiert und alles, was mir bleibt, ist ein etwas behäbiges Kampfsystem, viele Fragezeichen und haufenweise Frustration.
Das ist durchaus Absicht und wer Mörk Borg mag, der wird sich da sicher durchbeißen. Alle anderen? Die sollten es sich gut überlegen, ob sie sich die Mühe tatsächlich machen wollen. Die Welt geht ohnehin vor die Hunde.
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