Battlefield 6 präsentiert im ersten Trailer ganz genau das, was ich als Fan seit Jahren endlich wieder sehen will: Ein düsteres, greifbares und glaubhaftes Modern-Military-Setting.
Schluss mit Specialist-Hero-Schnickschnack und futuristischem Gedöns. Schluss mit WW2-Soldaten, die mit Katana und Robo-Arm durch die Normandie springen. Endlich ist Battlefield wieder, wie es sein soll: Bodenständig.
Oder wie es bei CoD immer so schön heißt: »Boots on the ground«.
Doch dieser Eindruck könnte sich (wie auch schon bei CoD) nach Release als gewaltige Täuschung entpuppen. Und davor habe ich mehr Angst als vor einem verhunzten Launch.
Extremer Erfolgsdruck
Soldaten, die wieder wie Soldaten aussehen, authentische Waffen, Zerstörung ohne Ende und grimmige Schlachtfeldstimmung: Das scheint die Marketing-Strategie von Battlefield 6 zu sein.
Klar, realistisch war Battlefield noch nie – wir reden hier schließlich nicht von einer Simulation wie Arma oder Squad. Aber glaubwürdig soll es endlich wieder werden. Das ist Musik in den Fan-Ohren.
Aber EA hat für Battlefield 6 hohe Ziele gesteckt – so hoch, dass sogar viele der Entwickler nicht dran glauben. Leaks haben uns außerdem bereits verraten, dass Battlefield mit einem Free2Play-Battle-Royale auch noch zum Großangriff auf Warzone bläst. Und der kommerzielle Flop von BF2042 muss wieder reingefahren werden.
Der Erfolgsdruck ist also immens. Battlefield 6 muss Kohle machen. Möglichst viel in kurzer Zeit.
Und wie macht man in der Shooter-Szene inzwischen schnell Kohle? Na mit Skins natürlich! Bunt und schrill müssen sie sein. Ninja Turtles, Squid Game, The Boys, Darth Vader, Nicki Minaj – Fortnite & Co. machen es erfolgreich vor und scheffeln Milliarden mit Crossover-Kram.
Furzende Einhörner
Auch die Modern-Warfare- und Black-Ops-Serien von CoD hatten mal ein bodenständiges Militär-Szenario. Zumindest, bis man Season um Season immer neue und immer quatschigere Skins reingepackt hat, bis das Setting nicht mal mehr mit der Lupe zu identifizieren ist.
Inzwischen erkennen CoD-Fans ihren Shooter nicht mehr wieder:
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»Das ist das Dümmste, was ich je gesehen habe« - Fans erkennen Call of Duty im neuesten Trailer nicht mehr wieder
Battlefield-Creator Westie kommentiert zum CoD-Trailer nicht ohne Zynismus: »Battlefield, ihr habt ein freies Tor. Ihr müsst den Ball nur noch rein rollen. Schießt nicht vorbei.«
Über zerbombte Stützpunkte im Irak 1991 rennen jetzt Beavis & Butthead, das Alien aus American Dad, Seth Rogen und der Weihnachtsmann.
Sie tragen Laserwaffen und killen Gegner mit den regenbogenfarbenen Fürzen von Einhörnern. Und nein, ich denke mir das nicht gerade aus:
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Durch den Skin-Wahn verdienen Shooter nicht nur Unsummen an Geld, sondern verlieren auch ihre ganze visuelle Identität, werden zum Schmelztiegel der popkulturellen X-Beliebigkeit. Wann und wo das Spiel angesiedelt ist - inzwischen völlig egal und belanglos.
»Bitte tut das nicht«
Und wen wundert es da noch, wenn bei Battlefield-Fans sämtliche Alarmglocken auf höchster Lautstärke schrillen?
Unter dem BF6-Trailer auf YouTube, bei Reddit, Twitter und sogar in der GameStar-Kommentarsektion flehen Fans geradezu danach, allzu übertriebenen Kram doch bitte stecken zu lassen, damit das Szenario auch nach Release so greifbar bleibt, wie es der Trailer verspricht.
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Ich hoffe, dass EA hier diese Gebete als große Chance begreift. Eine Chance es anders zu machen. Den Shooter zu liefern, der seine Identität nicht für schnelle Skin-Moneten über Bord wirft. Ein Shooter, der versteht, wie immens wichtig die Immersion und die Atmosphäre für uns Fans in Battlefield ist.
Es wäre die Gelegenheit, den Weg für nachhaltigeren Erfolg zu gehen – zum Beispiel mit Skins, die an reale Uniformen angelehnt sind. Selbst Crossover wären mit Respekt für das Setting möglich – zum Beispiel mit Outfits aus Sicario, Extraction, The Terminal List, Civil War oder Guy Ritchie's The Covenant.
Wird das klappen? Wir werden erst nach Release feststellen, wenn die ersten Seasons anrollen.
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