Exklusiver Content & monatliche Vollversionen

Exklusiver Content & monatliche Vollversionen

Warum für mich die krasseste Netflix-Serie der letzten Jahre ausgerechnet eine Kochshow war

Neben Arcane und Cyberpunk Edgerunners sollte eigentlich alles erblassen. Doch ausgerechnet eine Kochsendung auf Netflix hat mich genauso mitgenommen.

Elena war schon von einigen koreanischen Dramen auf Netflix begeistert. Dass eine Kochshow aus Südkorea sie so fesselt, hätte sie aber trotzdem nicht gedacht. Elena war schon von einigen koreanischen Dramen auf Netflix begeistert. Dass eine Kochshow aus Südkorea sie so fesselt, hätte sie aber trotzdem nicht gedacht.

Ich weiß, was ihr jetzt sagen wollt. Elena, bitte, eine Kochshow! Was hat dich denn so bewegt? Dass die Zwiebeln angebrannt sind? Hätte mir jemand vor Culinary Class Wars so eine Headline andrehen wollen, hätte ich wahrscheinlich ähnlich reagiert.

Aber glaubt mir, wenn ich sage, dass der koreanische Kochwettbewerb mich wirklich umgehauen hat. Für mich zeigt die Sendung nämlich eindrucksvoll, wie sich auch bei TV-Shows ohne Skript richtig gute und bewegende Geschichten erzählen lassen, ohne dass man viel dazudichten muss. Dass das hier so gut funktioniert, hat gleich mehrere Gründe.

Elena Schulz
Elena Schulz

Abseits des beliebten Klischees wird Elena daheim in der Regel von ihrem Freund bekocht, während für sie selbst eine Kürbissuppe im Herbst schon das höchste der Küchengefühle ist. Trotzdem fasziniert Culinary Class Wars sie. Die Show zeigt nicht nur, was Meister ihrer Kunst im Rahmen eines Wettbewerbs unter Zeitdruck vollbringen können, sondern lebt auch von unglaublich fesselndem Storytelling, das man so sonst fast nirgends in Fernseh-Formaten dieser Art findet.

Keine Schwarz-Weiß-Malerei

Die Kochshow ist so aufgebaut, dass die schwarz gekleideten Underdogs gegen die weiß angezogenen Elite-Köche antreten. Bildquelle: Netflix Die Kochshow ist so aufgebaut, dass die schwarz gekleideten Underdogs gegen die weiß angezogenen Elite-Köche antreten. Bildquelle: Netflix

Bevor ich euch erkläre, was Culinary Class Wars für mich so faszinierend macht, breche ich euch aber kurz runter, worum es überhaupt geht. Hinter dem Format steckt eine Koch-Reality-Show aus Südkorea, die inzwischen zwei Staffeln umfasst. Auf Netflix könnt ihr sie euch (sogar auf Deutsch vertont) anschauen. Eine dritte Season ist bereits in Arbeit.

Der Wettbewerb funktioniert dabei nach dem Ausscheidungsprinzip. Von 100 Köchen und Köchinnen am Anfang, bleibt nach verschiedenen Kochdisziplinen, in denen sie sich messen, am Ende nur noch einer übrig. So weit, so wenig überraschend. Culinary Class Wars hebt sich aber schon beim Konzept auf gleich zwei Arten von vergleichbaren Sendungen ab:

  1. Es wird ein kulinarischer Klassenkampf inszeniert, bei dem weniger versierte Köche (schwarze Löffel) gegen besonders renommierte Veteranen (weiße Löffel) um ein Preisgeld antreten
  2. Selbst die unerfahrenen Köche haben ein extrem hohes Niveau, besitzen zum Teil eigene Restaurants oder waren in Sterneküchen tätig, was das Niveau und die Kreativität bei der gezeigten Kochkunst enorm steigert

Hinzu kommt, dass man neben (gehobener) westlicher Küche auch einen extrem guten Einblick in die Zubereitung asiatischer Gerichte erhält, weil viele der Teilnehmer Experten für Speisen aus Korea, China oder Japan sind. Aber auch für komplette Kochmuffel baut die Serie eine extrem spannende Geschichte auf, die beinahe an ein erzählerisches Drama erinnert. Obwohl ich selbst nur gelegentlich koche und mich nicht wirklich auskenne, fesselte mich das Prinzip von Anfang an.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum YouTube-Inhalt

Charakterentwicklung entlarvt Klischees

Schaut man sich hierzulande Kochshows oder gar Reality-TV an, wird schnell klar, dass jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin eine bestimmte Rolle angedichtet bekommen. Da treten vielleicht der eigentlich gutherzige Grummelbär oder die ewig keifende Zicke auf, Stereotype, an die man sich schnell gewöhnt. Interaktionen und Geschichte sind so leicht verständlich für den Zuschauer, aber eben auch beliebig, weil das Schema so oft gleich bleibt.

Culinary Class Wars funktioniert hier anders: Auch die Kochshow führt ihre Teilnehmer auf eine bestimmte Art ein und legt den Fokus auf Eigenschaften, die dazu passen. Im Laufe der Sendung dürfen sich die Köche und Köchinnen aber auch anders zeigen und sogar weiterentwickeln. Ein fantastisches Beispiel ist für mich: Die Köchin Jung Ji-sun (Ja, mit dem Namen habe ich mich anfangs trotz Erfahrung mit koreanischen Dramen auch schwergetan).

Der Wettbewerb ist über verschiedene Challenges spannend inszeniert. Mal müssen die Kandidaten mit vorgegebenen Zutaten kochen, mal ein fiktives Restaurant leiten. Bildquelle: Netflix Der Wettbewerb ist über verschiedene Challenges spannend inszeniert. Mal müssen die Kandidaten mit vorgegebenen Zutaten kochen, mal ein fiktives Restaurant leiten. Bildquelle: Netflix

Sie wird als weißer Löffel und Expertin für chinesische Küche eingeführt, eine regelrechte Eiskönigin, die immer wieder durch schnippische Aussagen auffallen zu scheint. Sie ist angefressen, weil sie sich mit einer anderen weiblichen Kandidatin messen soll, die ebenfalls chinesisch kocht - zu plump, meint sie. Im Verlauf der Sendung bröckelt diese Fassade aber immer mehr, fast so, als wollte Culinary Class Wars mein vorschnelles Urteil entlarven.

Echte Menschen mit echten Geschichten

Es wird klar, dass Jung Ji-sun sich ihr Leben lang gegen die Männer ihrer Zunft beweisen musste und deshalb nicht nur die Chinesisch-Köchin sein will. Sie will wie die anderen Kandidaten ganz selbstverständlich oben mitspielen und als ernsthafte Konkurrenz wahrgenommen werden - unabhängig vom Geschlecht. Fast jeder Teilnehmer lässt mich am Ende tiefer blicken und Werdegang und Motivation verstehen.

Eine andere Kandidatin erzählte etwa vom Nudelrestaurant ihrer Eltern, das diese notgedrungen hochzogen, nachdem die Familie verarmt war. Aus ihrer Wut über den verlorenen Reichtum wurde mit der Zeit eine unglaubliche Wertschätzung für die kleinen Dinge im Leben, wie die Schüssel Nudeln, die einem nach der Schule den Bauch wärmt.

Jung Ji-sun kommt mir zunächst fast schon unsympathisch vor. Später mausert sie sich aber zu einer echten Favoritin für mich. Bildquelle: Netflix Jung Ji-sun kommt mir zunächst fast schon unsympathisch vor. Später mausert sie sich aber zu einer echten Favoritin für mich. Bildquelle: Netflix

Am Ende sehe ich keine Fernsehfiguren mehr vor mir, die an einer Kochshow teilnehmen, sondern echte Menschen mit so vielen Geschichten, Facetten und Passionen, dass ich mich so bewegt und berührt fühle, wie es sonst nur erzählerische Serien und Filme bei mir schaffen.

Eine Ode an Kunst und Handwerk

Dazu trägt auch stark bei, dass es eine unglaubliche Wertschätzung für das Kochen an sich zeigt. Es geht nicht darum, besonders coole, ausgefallene oder aufwendige Rezepte zu zaubern. Stattdessen soll jeder Teilnehmer ganz bewusst auf seine Stärken setzen und seinen eigenen Stil präsentieren. Die Juroren betonen immer wieder, dass es nicht nur schmecken muss, sondern auch eine Intention vermittelt werden sollte. Dabei wird auch mir als Laie anschaulich erklärt, warum etwas funktioniert und warum nicht.

Das Kochen und die Leidenschaft dafür stehen klar im Fokus - keine inszenierten Geschichten, um künstlich Drama zu erzeugen. Bildquelle: Netflix Das Kochen und die Leidenschaft dafür stehen klar im Fokus - keine inszenierten Geschichten, um künstlich Drama zu erzeugen. Bildquelle: Netflix

Ich kann beim Zuschauen nicht jedes Gericht und jede Technik haarklein nachvollziehen - allein deshalb schon nicht, weil eben viel aus einem ganz anderen Kulturraum mit Zutaten kommt, die ich von daheim nicht kenne (oder habt ihr schon mal von Perillaöl gehört?). Aber das ist eben auch nicht wichtig.

Denn Culinary Class Wars ist keine reine Unterhaltungsshow oder ein Kochprogramm zum Nachkochen. Es fühlt sich ein wenig an, als würde ich Athleten bei Olympia zuschauen oder vielleicht einem Konzertpianisten lauschen. Ich bekomme durchweg das Gefühl, den Besten der Besten bei etwas beizuwohnen, das sie aufrichtig lieben - unabhängig von Ruhm oder einem Preisgeld.

Die Kandidaten und Kandidatinnen treten als Meister mit ihrem Stolz und Können an. Sie wollen gewinnen, ja, aber noch mehr wollen sie der Jury und mir vor dem Bildschirm etwas präsentieren, das für sie die Welt bedeutet. Und das ist so aufrichtig, schön und einnehmend, dass ich die Serie regelrecht verschlungen habe, ohne auch nur ein Gericht daraus kosten zu können.

Deshalb würde ich sie auf jeden Fall jedem empfehlen, der einen Sinn für gutes Storytelling und persönliche Leidenschaften hat - egal, ob es nun um Sport, Gaming, Kochen, Malen, Musik oder etwas ganz anderes geht.


Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.