Jeder kennt das: Man steht vollgepackt mit Einkaufstüten vor der Haustür und kramt umständlich nach dem Schlüssel. Genau für solche Momente habe ich schon seit längerer Zeit ein Smart Lock von Nuki in Kombination mit dem Keypad 2 an meiner Tür installiert.
Nun hat der Hersteller mit dem Keypad 2.0 NFC eine neue Version auf den Markt gebracht hat, die es erlaubt, das Schloss durch ein bloßes Antippen mit dem Smartphone oder der Smartwatch zu öffnen.
In meinem kurzen Praxis-Check erfahrt ihr, wie gut das klappt, welche Einschränkungen es gibt und ob sich der Aufpreis von 20 Euro – bei einem Gesamtpreis von 179 Euro für die NFC-Variante – im Vergleich zum Standardmodell wirklich lohnt.
Kaum zu unterscheiden vom Vorgänger
Rein optisch müsst ihr schon sehr genau hinschauen, um einen Unterschied zum Vorgängermodell zu erkennen. Gleicher Formfaktor, gleiche Tastatur, gleicher Fingerabdruckscanner. Einziger Hinweis auf die neue Technik ist ein kleines NFC-Symbol zwischen Scanner und Tasten – dort, wo man das Smartphone hinhalten soll.
Die Montage geht schnell: Platte ankleben, vier AAA-Batterien sind schon drin, dem Einführungsprozess in der App folgen, fertig. Bei mir hat das keine fünf Minuten gedauert. Kleiner Hinweis am Rande: Ein Nuki-Schloss könnt ihr lediglich mit einem Keypad koppeln.
Beim Preis gibt es einen kleinen Aufschlag: 179 Euro für die NFC-Variante, 159 Euro für das Standardmodell. 20 Euro mehr für eine optionale Zusatzfunktion – das ist vertretbar, auch wenn der Preis per se schon hoch angesetzt ist. Laut Hersteller sind alle Matter-fähigen Nuki-Schlösser ab der 4. Generation kompatibel.
Zwei verschiedenen Welten der Einrichtung
Das Keypad bietet zwei grundlegend verschiedene Wege, NFC zu nutzen:
- einen App-Modus, der ohne jede Smarthome-Infrastruktur auskommt
- einen Smart-Home-Modus, der die native Wallet des Betriebssystems nutzt und das Schloss in ein bestehendes Matter-Ökosystem einbindet
Welcher Modus der richtige ist, hängt davon ab, was zu Hause bereits vorhanden ist – und der Unterschied im Alltag ist größer als man zunächst erwartet.
Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt ein kurzer Blick unter die Haube. Das Keypad setzt auf den sogenannten Aliro-Standard – ein herstellerübergreifendes Protokoll für digitale Schlüssel, das ähnlich wie Matter von Hunderten Unternehmen unter dem Dach der Connectivity Standards Alliance entwickelt wurde. Apple, Google und Samsung sind alle dabei.
Die Grundidee: Zugangsberechtigungen werden wie eine Kreditkarte sicher in der Wallet-App des Smartphones gespeichert – und das Gerät weist sich damit am Schloss aus.
Damit das funktioniert, müssen die großen Plattformen Aliro in ihre Smarthome-Ökosysteme integrieren – und genau hier liegt aktuell noch ein Knackpunkt.
Apple und Samsung sind bereits dabei, Google hat Aliro zwar angekündigt und erste Unterstützung in Google Wallet integriert, zum Zeitpunkt dieses Tests war die Funktion für reguläre Android-Nutzer aber noch nicht vollständig verfügbar. Samsung war hier schneller.
Nuki hat darauf reagiert und bietet neben dem plattformgebundenen Smart-Home-Modus auch einen eigenen App-Modus an, der ganz ohne Matter und Ökosystem-Anbindung auskommt.
Apropos Ökosystem: Wir haben mit Andreas vom YouTube-Kanal Spiel & Zeug
über ein echtes Smart Home gesprochen:
49:58
Talk über Smarthome 2025: Zwischen Komfort, Chaos und KI - Experten geben Einblicke
Der App-Modus im Alltagstest
Starten wir mit der Variante ohne Matter, dem reinen App-Modus von Nuki. Dieser ist besonders für Haushalte gedacht, die keine eigene Smart-Home-Zentrale besitzen oder Smartphones abseits von Apple und Samsung nutzen. Die Zugangsdaten werden hierbei direkt in der Nuki App auf eurem Telefon hinterlegt.
Im täglichen Einsatz hat mich dieser Modus allerdings nicht komplett überzeugt. Wenn ihr die Tür öffnen wollt, müsst ihr das Smartphone erst entsperren, nah an das Keypad halten und anschließend auf eine Push-Benachrichtigung drücken, die auf dem Bildschirm erscheint. Erst danach reagiert das Schloss.
Das sind mir persönlich im Alltag einfach ein paar Schritte zu viel, wenn es eigentlich schnell gehen soll. Zudem reagierte das Keypad in meinem Test nicht immer absolut zuverlässig, wenn ich mein iPhone zückte.
Wer also auf einen völlig flüssigen und schnellen Ablauf hofft, könnte in diesem Modus etwas enttäuscht werden. Als Backup-Lösung ist es völlig in Ordnung, aber für den Dauereinsatz gibt es komfortablere Wege.
Smart-Home-Modus mit Matter
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn ihr das Keypad im Smart-Home-Modus über ein Matter-Ökosystem wie Apple Home nutzt. Voraussetzung ist ein passender Matter-Hub zu Hause – bei Apple wäre das ein HomePod mini oder ein Apple TV 4K der neuesten Generation, bei Samsung etwa ein kompatibler SmartThings-Hub.
Ist das eingerichtet, erkennt Apple Home die NFC-Funktion des Keypads nach der Installation automatisch und bietet an, einen digitalen Schlüssel in der Wallet einzurichten. Nach einem kurzen Dialog ist er da – und ab diesem Moment wird die Sache wirklich komfortabel.
iPhone oder Apple Watch kurz ans Keypad tippen, Tür auf. Im Express-Modus muss das Gerät dafür nicht mal entsperrt sein.
Besonders praktisch: Selbst wenn der iPhone-Akku leer gemeldet ist, hält Apple noch einige Stunden Energiereserve bereit, damit der NFC-Schlüssel weiterhin funktioniert. Man steht also nicht plötzlich ausgesperrt da, weil man vergessen hat, das Handy zu laden.
Mangels Android-Gerät konnte ich den Samsung-Weg nicht selbst testen – laut Hersteller funktioniert das Prinzip dort aber identisch. Aktuell muss man sich beim NFC-Schlüssel meist für ein Ökosystem entscheiden. Laut Nuki funktioniert ein Parallelbetrieb momentan nur, wenn man zuerst Apple Home und danach SmartThings von Samsung koppelt – Google bleibt zum Start noch außen vor.
Akkulaufzeit
Da das Keypad durch die neue Funktion permanent nach NFC-Signalen in der Umgebung scannen muss, dürfte die Akkulaufzeit im Vergleich zum reinen Bluetooth-Modell etwas niedriger ausfallen.
Weil Nuki in der App keine exakten Prozentwerte für den Akku anzeigt, kann ich noch kein finales Urteil fällen. Nuki gibt 12 Monate Akkulaufzeit an. Nach vier Wochen im Einsatz zeigt es mir in der App immer noch ausreichend geladen
(den höchsten Wert) an.
Mein Fazit zur NFC-Ergänzung
Für mich persönlich ist das Keypad 2.0 NFC eine nette technische Ergänzung, aber ehrlicherweise kein absolutes Must-have für jeden Smarthome-Besitzer.
Ich nutze im Alltag zu 99 Prozent weiterhin das klassische Auto Unlock
via Bluetooth, das bei Nuki einfach perfekt funktioniert, sobald ich mich der Tür nähere.
Sollte Bluetooth mal streiken, ist der integrierte Fingerabdruck-Scanner auf dem Keypad so unfassbar schnell und zuverlässig, dass ich den NFC-Umweg über das Smartphone eigentlich gar nicht benötige.
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Die NFC-Version kann sich trotzdem für euch lohnen. Etwa, wenn ihr Auto Unlock aus diversen Gründen nicht mögt – zum Beispiel, weil es auch dann die Tür öffnet, obwohl ihr vorm Absatz noch kehrtgemacht habt. Oder weil ihr die klassische Code-Eingabe bevorzugt.
Mit Tap to Unlock via NFC öffnet ihr die Tür im Smart-Home-Modus trotzdem flott und noch sicherer als via Auto Unlock.
Wie sieht das eigentlich bei euch aus? Nutzt ihr an eurer Haustür bereits ein smartes Schloss oder seid ihr bei dem Thema generell noch eher skeptisch unterwegs? Schreibt mir eure Meinung und eure Erfahrungen dazu unbedingt unten in die Kommentare!

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