Radeon Anti-Lag - möglicherweise ein alter Hut laut Nvidia

Neben den Grafikkarten Radeon RX 5700 (XT) hat AMD auch neue Software-Features auf der E3 vorgestellt. Dazu äußert sich nun Konkurrent Nvidia und will so etwas wie Anti-Lag Spielern schon länger bieten.

von Christoph Liedtke,
18.06.2019 06:32 Uhr

AMD hat letzte Woche auch kommende Software-Features wie Radeon Anti-Lag. Nvidia äußerte sich in einem Interview und meint, etwas vergleichbares schon länger zu beherrschen.AMD hat letzte Woche auch kommende Software-Features wie Radeon Anti-Lag. Nvidia äußerte sich in einem Interview und meint, etwas vergleichbares schon länger zu beherrschen.

Letzte Woche hat AMD auf der E3-Spielemesse nicht nur die am 7. Juli erscheinenden Ryzen-3000-CPUs und Navi-Grafikkarten Radeon RX 5700 XT und RX 5700 vorgestellt, sondern auch über die Software-Features Radeon Image Sharpening (RIS), FidelityFX und Radeon Anti-Lag gesprochen.

Während die ersten beiden Techniken die Spielgrafik per Post-Process-Effekten verschönern, etwa durch nachträgliches Schärfen oder ergänzende Details in kontrastarmen Bereichen bei weniger Artefaktbildung, will Radeon Anti-Lag die Verzögerung zwischen Mausklick oder Tastendruck und der Umsetzung dieser Aktion auf dem Bildschirm verringern.

Nvidia äußert sich

Die Kollegen von Wccftech haben im Rahmen einer Nvidia-Keynote, deren Inhalte noch unter Embargo stehen, mit Justin Walker, seines Zeichens Director of Product Management bei Nvidia, bezüglich AMDs neuen Software-Möglichkeiten gesprochen.

Seiner Meinung nach biete Nvidia bereits seit einiger Zeit sowohl nachträgliche Schärfeeffekte als auch die Option auf ein direkteres Gameplay mit weniger Verzögerung.

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Radeon Anti-Lag nur ein alter Hut?

Laut Nvidia entspreche die Treiber-Option "Maximale Anzahl der vorgerenderten Einzelbilder" AMDs Radeon Anti-Lag.Laut Nvidia entspreche die Treiber-Option "Maximale Anzahl der vorgerenderten Einzelbilder" AMDs Radeon Anti-Lag.

Seit Anfang 2018 gebe es mit Nvidia Freestyle eine Möglichkeit, Spiele nachträglich per Filter zu schärfen. Wer mit solchen Dingen herumspielen will, müsse nicht auf AMD und Radeon Image Sharpening warten, sondern könne direkt mit Nvidias Software herum experimentieren.

Auch bezüglich Radeon Anti-Lag hat sich Walker zu einer Aussage gegenüber Wccftech hinreißen lassen:

"Ich denke, [Radeon Anti-Lag] ist so etwas ähnliches, was wir maximale Anzahl der vorgerenderten Einzelbilder nennen. Das ist übrigens etwas, das wir seit einiger Zeit in unserer Systemsteuerung haben."

Mit dem Nvidia-Feature lässt sich die Anzahl vorgerendeter Einzelbilder innerhalb der Grafik-Pipeline bestimmen. Wer dabei auf einen solchen Puffer mit mehreren Bildern setzt, erhalte maximale Performance (im Sinne von fps), da so garantiert sei, dass die Grafikkarte niemals auf den Prozessor warten müsse.

Radeon Anti-Lag soll die Verzögerung in Spielen deutlich senken und auch mit älteren Grafikkarten mit GCN-Architektur kompatibel sein.Radeon Anti-Lag soll die Verzögerung in Spielen deutlich senken und auch mit älteren Grafikkarten mit GCN-Architektur kompatibel sein.

Allerdings entstehe hierbei eine Verzögerung, da sich beispielsweise zwischenzeitliche Mausbewegungen nicht auf die bereits im Puffer liegenden Frames auswirken. Eingaben werden erst im darauffolgenden Frame umgesetzt und das erzeuge je nach Bildrate etwas Verzögerung.

Der Nvidia-Mitarbeiter denkt, dass das genau das sei, was Konkurrent AMD mit Anti-Lag versucht umzusetzen: Die Anzahl der maximal vorgerenderten Bilder optional auf einen Frame zu beschränken.

Wccftech führt außerdem an, dass sich der Nvidia-Mitarbeiter nicht ganz sicher war, ob AMDs Anti-Lag-Feature tatsächlich auf diesem Konzept basiere.

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Wie funktioniert Radeon Anti-Lag?

Radeon Anti-Lag passt die in der Grafik-Pipeline übergebenen Einzelbilder von Prozessor und Grafikkarte aneinander ab - und bremst dafür auch mal den Prozessor aus.Radeon Anti-Lag passt die in der Grafik-Pipeline übergebenen Einzelbilder von Prozessor und Grafikkarte aneinander ab - und bremst dafür auch mal den Prozessor aus.

Wie genau Radeon Anti-Lag funktioniert, wissen wir noch nicht. Laut AMD fokussiere sich das Tool auf die Datenverarbeitung von Prozessor und Grafikkarte und sorge dafür, dass die Arbeitsschritte gleich getaktet sind und der Prozessor keinen all zu großen Vorsprung vor der Grafikkarte bekommt.

Das klingt nach dem Ansatz Nvidias, die vorgerenderten Frames zu beschränken. Ob AMD die Technik einfach nur clever(er) vermarktet oder ob sie sich doch von Nvidias Vermutung unterscheidet, müssen erste Tests zeigen.

Vermutlich erst nach Veröffentlichung der neuen Radeon-RX-5700-Serie mitsamt kompatiblen Treiber am 7. Juli 2019 dürfte dieses Geheimnis gelüftet werden.

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