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Pine im Test: Wenn Evolution verrückt spielt, kommt dieser Indie-Geheimtipp dabei raus

Wie sähe die Welt aus, wenn der Mensch sich nicht an der Spitze der Nahrungskette festgebissen hätte? Diese Frage will das bunte Action-Adventure beantworten, stolpert im Test aber zu häufig über seine eigenen Ambitionen.

von Florian Zandt,
10.10.2019 15:05 Uhr

Ein Welt, in der die Menschen nicht die Oberhand haben? Pine zeigt uns, wie das aussehen könnte. Ein Welt, in der die Menschen nicht die Oberhand haben? Pine zeigt uns, wie das aussehen könnte.

Aller Anfang ist im Action-Adventure Pine des holländischen Indie-Studios Twirlbound rosig. Der Stamm des Protagonisten Hue bereitet sich auf eine feierliche Zeremonie zur Einweihung eines neuen Hauses vor. Die Ältesten schicken seinen Bruder Amam und ihn auf sinnbefreite Botengänge, um sie von dummen Ideen abzuhalten. Und die Handwerker feilen an ihrer Holzbearbeitungstechnik - so weit, so normal.

Als Hue und Amam allerdings in einer Höhle Hinweise darauf finden, dass ihr Stamm nicht immer in Isolation gelebt und im sogenannten Out mit anderen Spezies Kontakt gehabt hat, bricht die Hölle los. Während der Zeremonie stürzt das neugebaute Haus ein und zahlreiche Dorfbewohner verlieren bei einem Erdbeben ihr Leben, darunter auch Amam. Zum Entsetzen der Ältesten entscheidet Hue sich deshalb, die Außenwelt zu erkunden um einen neuen, sicheren Siedlungsplatz für seinen Stamm zu finden. Dabei lernt er schnell, dass diplomatisches Vorgehen in der weitläufigen Welt von Albamare gar nicht so einfach ist.

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Denn dass die Insel - wie von den Ältesten behauptet - nur von Monstern und Feinden bevölkert ist, entspricht nicht ganz der Wahrheit, es gibt auch andere Menschen! Doch die fünf unterschiedlichen Fraktionen, die ihr im Spielverlauf trefft, sind euch gegenüber erst mal misstrauisch. Gewalt ist aber zum Glück nicht das einzige Kommunikationsmittel. Gegen die aggressiven Bleeker, die einzigen wirklich immer feindlichen Bewohner der Insel, verteidigt ihr euch in klassischer Action-Adventure-Manier mit Schwert, Schild und Bogen.

Die Welt von Pine ist enorm abwechslungsreich und weitläufig. Von Wüstengebieten über Wälder bis hin zu schneebedeckten Gipfeln gibt es viel zu entdecken. Die Welt von Pine ist enorm abwechslungsreich und weitläufig. Von Wüstengebieten über Wälder bis hin zu schneebedeckten Gipfeln gibt es viel zu entdecken.

Der Umgang mit den elchartigen Cariblin, den Echsenmenschen vom Stamm der Litter oder den flugunfähig Vögeln der Gobbledew ist allerdings weitaus nuancierter. Schade: Die Fraktionen haben zwar unterschiedliche Kulturen und Hintergrundgeschichten, die einzelnen Charaktere, die ihr kennenlernt, sind allerdings meist recht gesichtslos.

Ressourcen sammeln & spenden

Wie genau ihr mit den diversen Völkern interagieren könnt, bringen euch nach der Flucht aus der gewohnten Umgebung die neutralen Tambas bei, eine Spezies von Händlern, Forschern und Beobachtern. Die Tambas wollen wissen, was es mit dem The Blunder genannten Ereignis auf sich hat und benötigen dazu von den Anführern der jeweiligen Stämme Informationen, die ihr beschaffen müsst. Damit die unterschiedlichen Fraktionen mit euch reden, ist allerdings viel Vorarbeit nötig.

An allererster Stelle steht dabei das Sammeln von Ressourcen. Damit könnt ihr Gegenstände wie bessere Rüstungen oder Hochsprung- oder Sprinttränke herstellen - die richtigen Baupläne vorausgesetzt, die ihr unter anderem beim Erkunden der weitläufigen Welt findet. Alternativ könnt ihr Materialien und Nahrung an die überall verteilten Dörfer der unterschiedlichen Völker spenden und so euer Ansehen bei der jeweiligen Fraktion steigern.

Durch Spenden oder wie hier das Handeln beeinflusst ihr nicht nur die Vorräte des jeweiligen Dorfes, sondern auch euren Ruf bei allen Fraktionen – positiv wie negativ. Durch Spenden oder wie hier das Handeln beeinflusst ihr nicht nur die Vorräte des jeweiligen Dorfes, sondern auch euren Ruf bei allen Fraktionen – positiv wie negativ.

Steigt ihr bis zum Verbündeten einer Partei auf, dürft ihr bei ihren Händlern sogar exklusive Baupläne erwerben. Durch das Anbiedern an eine bestimmte Gruppierung verliert ihr allerdings auch wieder Rufpunkte bei ihren jeweiligen Feinden.

Lebendige Spielwelt

Wollt ihr einer bestimmten Fraktion nützen oder schaden, könnt ihr zusätzlich Schriftrollen herstellen, die bestimmte Aspekte des jeweiligen Dorfes beeinflussen. So könnt ihr entweder die Aufrüstung beschleunigen, für vollere Vorratskammern sorgen oder mehr Ressourcensammler in die Welt hinausschicken. Das Besondere daran: Habt ihr die auf den Schriftrollen festgehaltenen Konzepte einmal auf der Insel eingeführt, nutzen die Fraktionen diese auch für sich.

Das durchsimulierte Ökosystem aus Freund- und Feindschaft ist während des gesamten Spiels im Fluss und sorgt dafür, dass sich die Spielwelt enorm lebendig anfühlt. Siedlungen wachsen, schrumpfen und werden von anderen Fraktionen erobert, gegnerische Patrouillen hauen sich auf die Mütze und Sammeltrupps der Fraktionen schnappen euch auch schon mal Ressourcen vor der Nase weg.

Das Ökosystem von Albamare kann von euch beeinflusst werden, aber es kann auch ohne euer Zutun zu Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen kommen. Das Ökosystem von Albamare kann von euch beeinflusst werden, aber es kann auch ohne euer Zutun zu Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen kommen.

Letzteres ist auch mit einer der Gründe, warum die Ressourcensammelei im späteren Spielverlauf zu langwierigem und ermüdendem Grind verkommt. Natürlich ist die kunterbunte Spielwelt mit ihren Biomen zwischen Wüste, Wald und schneebedeckten Bergen wirklich wunderhübsch anzusehen und der wirklich hervorragende Soundtrack trägt einen großen Teil zur tollen Atmosphäre von Pine bei. Aber das komplette Durchqueren der Insel für das letzte Bröckchen Sandstein für die neue Waffe oder die stärkere Rüstung ist mehr als monoton.

Krampf statt Kampf

Wie nötig die Suche nach neuen Bauplänen und besserer Ausrüstung allerdings ist, zeigt sich im wirklich katastrophalen Kampfsystem. Gerade im letzten Spieldrittel müsst ihr ordentlich einstecken und braucht den bestmöglichen Schutz. Denn die Steuerung reagiert träge, der Autofokus auf den jeweils nächsten Gegner funktioniert mal so mal so, und die Angriffskombinationen sind so langsam, dass eure Widersacher immer wieder eure ohnehin schon mäßigen Schlaganimationen unterbrechen.

Bringt ihr gleich mehrere stärkere Gegner gegen euch auf, hilft oft nur die Flucht - auch, weil es keine Differenzierung im Schwierigkeitsgrad gibt. Das passt zwar zur internen Logik, da die Menschen in der Welt von Pine eben nicht die dominante Spezies sind, macht den Spielfluss allerdings auch ein Stück weit kaputt.

So dynamisch das Kampfsystem hier auch aussehen mag: In der Praxis ist es träge und oft enorm fummelig. So dynamisch das Kampfsystem hier auch aussehen mag: In der Praxis ist es träge und oft enorm fummelig.

Kniffelige Knobelei

Besser gelingt Pine da schon das Rätseldesign. Ob ihr mit eurer Zwille Aufzüge aktiviert, Schalterrätsel löst oder die im Verlauf der wendungsreichen Geschichte freigeschalteten Gadgets wie einen Teleskopballon einsetzen müsst: Die Knobelpassagen sind kreativ und fordernd, aber nie unfair. Besonders in den drei Vaults, die die genannten Gadgets beherbergen, wird es oft richtig knifflig, aber auch enorm kurzweilig.

Anders sieht es bei den regelmäßig eingestreuten Platforming-Einlagen aus, die ähnlich wie die Kämpfe unter der fummeligen Steuerung leiden. So kann ein und derselbe Hüpfer von Vorsprung zu Vorsprung manchmal daran scheitern, dass ihr den Rand um einen Pixelmillimeter verfehlt. An anderer Stelle müsstet ihr nach allen Gesetzen der Physik eigentlich im Abgrund landen, schafft den Sprung dann aber doch irgendwie.

Auch das passt auf eine Art und Weise zur wirklich interessanten Prämisse des Spiels: Was, wenn die Menschen mal nicht die Helden sind, sondern vielleicht auch mal unfähige Tollpatsche, die das natürliche Gleichgewicht mit ihren Aktionen nur unnötig durcheinanderbringen? Etwas mehr Ordnung und Fokus hätte Pine dennoch nicht geschadet. Denn das durchaus komplexe Beziehungssystem zu beeinflussen macht nur halb so viel Spaß, wenn man sich durch öde Kämpfe und fummeliges Gehüpfe quälen muss.

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