Port Royale 4: Ist das auch was für Anno-Fans? Wir haben es gespielt

Port Royale 4 hat auf den ersten Blick viel mit Anno 1800 gemeinsam. Selbst der Städtebau soll dieses Mal umfangreicher werden. Reicht das aber, um Anno-Fans zu gewinnen?

von Fabiano Uslenghi,
17.06.2020 14:55 Uhr

Genre: Wirtschaftssimulation | Entwickler: Gaming Minds | Plattform: PC, PS4, Xbox One, Switch | Release: 25. September 2020

Von Inseln zu Insel segeln. Ressourcen beschaffen. Handel betreiben. Städte vergrößern und Piraten vertreiben. Port Royale 4 klingt auf dem Papier als könnte es Anno 1800 dieses Jahr Konkurrenz machen. Allerdings soll Port Royale 4 im Herzen eine Wirtschaftssimulation bleiben. Das wirft die Frage auf, an welchen Stellen der Titel für Anno-Fans interessant wird und was ihn genau von vollwertigen Aufbauspielen abhebt.

Ausprobieren können die das teilweise schon. Denn Port Royale 4 ist aktuell bereits in einer Closed Beta spielbar, die seit dem 29. April exklusiv für Vorbesteller aus dem Kalypso Store offen steht (ab morgen, den 18. Juni gilt das Angebot zusätzlich für Steam-Käufer).

Auch wir haben uns schon in die Karibik gewagt und verraten, ob hier nur knüppelharte Ökonomen oder erstmals auch Aufbau-Enthusiasten auf ihre Kosten kommen. Einen ersten Eindruck davon, was Port Royale 4 überhaupt ist, bekommt ihr im Trailer:

Neuer Trailer zu Port Royale 4 enthüllt das Release-Datum 1:24 Neuer Trailer zu Port Royale 4 enthüllt das Release-Datum

Was macht Port Royale 4 besonders?

Port Royale 4 setzt eine traditionsreiche Serie fort, die seit 2002 besteht. Aber der vierte Teil will gleichzeitig sehr viele Dinge sehr anders machen. Die Hoffnung der Entwickler besteht darin, selbst ein unzugängliches Genre wie die Wirtschaftssimulationen einem breiteren Publikum schmackhaft zu machen. Und zu diesem breiterem Publikum zählen eben auch Aufbaufans, denn das Genre boomt.

Was bleibt in Port Royale 4 gleich?

Das Herzstück von Port Royale 4 bleibt der geregelte Austausch von Waren in der Karibik des 16. Jahrhunderts. Alle Preise werden dynamisch berechnet. Angebot und Nachfrage, aber auch Stürme oder Piraten bestimmen, ob der Wert einer Ressource fällt oder steigt. Wer alle diese Elemente kennt und beherrscht, verdient sich eine goldene Nase. Selbst mit dem Verkauf von Bananen.

Was macht Port Royale 4 anders?

Bei der Entwicklung floss viel Fleiß in die Darstellung einer wundervollen Karibik, deren weiße Strände, Palmenwälder und tiefblaue See wirklich beeindrucken. Zudem können wir erstmals stufenlose aus der höchsten Vogelperspektive Quasi bis aufs Deck unserer Handelsschiffe zoomen. So macht es tatsächlich Spaß, einfach mal eine Zeit lang einem Schiffchen beim Treiben zuzusehen.

So schick sieht die Karibik in Port Royale 4 aus:

Port Royale 4 - Screenshots ansehen

Am umfangreichsten wurden aber ausgerechnet die Seeschlachten überarbeitet. Und das obwohl die in einer Handelssim normalerweise nicht einmal die zweite Geige spielen. In Port Royale 4 sind sie aber erstmals rundenbasiert. Das erhöht die strategische Komponente und verleiht den Schiffen zahlreiche Spezialfähigkeiten wie brennende Wasserflächen, Feuerpfeile, Granaten und sogar einen Kraken.

Für wen ist Port Royale 4 interessant?

Eine der interessantesten Neuerungen für Anno-Fans besteht aber in der umfangreicheren Verwaltung unserer Städte in Port Royale 4. Wir können hier nämlich jede der etwa 60 Städte in der Karibik individuell aufrüsten. Dafür zoomen wir ganz einfach in die Stadt hinein und sehen sogar die Bürger auf den Straßen umherwandern. Das klingt für Aufbau-Liebhaber sicherlich attraktiv, aber erwartet trotzdem kein Aufbauwunderland.

Das Ganze hat nämlich einen Haken: Die Städte sind in Hexfelder unterteilt und wenn wir ein neues Gebäude benötigen, dann wählen wir dieses Feld einfach aus. Große kreative Freiheiten gibt es nicht. Für den Bau werden Ressourcen benötigt, die wir entweder selbst herankarren oder warten, bis ein NPC-Schiff hier seine Ladung löscht. Baut eure Gebäude aber bloß nicht einfach irgendwo.

Es gibt nämlich Wechselwirkungen und im schlimmsten Fall sorgt ein Produktionsbetrieb zu nah an Wohnhäusern dafür, dass die Zufriedenheit sinkt. Der Städtebau bietet damit einen gewissen Anspruch, richtet sich aber an Optimierer und nur bedingt an Schönbauer. Zumal ihr auch jedes Mal erst eure Baurechte einkaufen müsst.

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Was gefällt uns bisher? Was gefällt uns nicht?

Die Spieleindrücke die wir von Port Royale 4 sammeln können, stammen alle aus der Closed Beta. Darin sind viele Mechaniken schon enthalten, es wird aber natürlich am laufenden Band optimiert. Einige Inhalte fehlen auch noch, wir konnten beispielsweise sowohl in der Kampagne als auch im Freien Spiel nur mit Spanien spielen. England folgt mit dem nächsten Update am 18. Juni 2020.

Stärken von Port Royale 4

  • Ein wundervolle in Szene gesetzte Karibik mit stufenlosen Zoom.
  • Ausgeklügeltes Wirtschaftssystem bei dem nicht gemogelt wird.
  • Unzählige Optimierungsmöglichkeiten dank zahlreicher Waren und Bauoptionen in den Städten.
  • Unterschiedliche Spielweisen aufgrund verschiedener Charakterklassen.

Schwächen von Port Royale 4

  • Wenig optische Abwechslung zwischen den einzelnen Städten.
  • Äußerst langatmiges Tutorial ohne die Möglichkeit Dialog-Fenster zu überspringen.
  • Die Effekte in den rundenbasierten Kämpfe fallen in der Beta noch unspektakulär aus & die KI agiert teils konfus.

Port Royale 4 bietet für Aufbau-Fans ein paar neue Anreize. Ihr solltet aber keinen Anno-Konkurrenten erwarten. Während in Anno Ressourcen beschafft werden, um Städte zu vergrößern, vergrößert ihr in Port Royale 4 eure Städte, um mehr Ressourcen verkaufen zu können. Wer den Schritt von Aufbau zu Wirtschaftssims wagen will, für den könnte Port Royale 4 aber ein guter Einstiegspunkt sein.

Die Beta von Port Royale 4 hat noch viele Ecken und Kanten, aber die Entwickler nehmen sich jedes Feedback zu Herzen. Etwa können auf Fan-Wunsch inzwischen die Windströmungen permanent eingeblendet werden und später soll es noch einen Hardcore-Modus geben, der ein paar Vereinfachungen beim Handel deaktiviert um das Gefühl früherer Teile zu erzeugen.

Potenzial | Gut

Fabiano Uslenghi
@StillAdrony

Wer per se keine Wirtschaftssimulationen sehen kann und wem bei Begriffen wie Angebot und Nachfrage ein kalter Schauer über den Rücken läuft, der wird auch niemals mit Port Royale 4 glücklich. Das Spiel bietet allerdings durchaus ein paar neue Ansatzpunkte, mit denen eben auch Aufbaufans etwas anfangen können. Aber nur dann, wenn ihnen schon bei Anno das Planen von Handelsrouten am meisten Spaß gemacht hat. Dann bietet Port Royale 4 sogar einen riesigen Mehrwert, denn eine so detaillierte Wirtschaft findet man heutzutage in anderen Strategiespielen nur selten. Das Spiel hadert in der Beta noch ein wenig mit dem Anspruch, sowohl Fans als auch Neueinsteiger glücklich zu machen. Bis zum Release im September könnte Gaming Minds diese Balance aber noch finden.

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