Rainbow Six: Siege - Depression und Burnout bei einem der größten YouTuber

Serenity17 ist eine Koryphäe in Rainbow Six: Siege. Er spielt nicht nur verflucht gut, sondern begeistert auch unzählige Zuschauer. Und zwar täglich. Das hat offenbar seinen Preis.

von Dimitry Halley,
30.06.2017 11:50 Uhr

Bei meinem Freundeskreis und mir ist Rainbow Six: Siege seit vielen Monaten im Privatleben ein ziemliches Ding geworden. Viele von uns begannen als frustrierte N00bs, haben sich jedoch mutigen Herzens und unzählige Abende lang aufgerafft, die Ranked-Leiter zu erklimmen. Zwar reiten wir nicht immer die Diamond-Welle, aber hey: Es läuft. Und dass wir auf unserem Weg zum erfolgreichen Siege-Team nie vom Kurs abkamen, lag größtenteils an Serenity17.

Der 21-jährige kanadische YouTuber veröffentlicht seit knapp einem Jahr meist täglich einen neuen Gameplay-Zusammenschnitt von Rainbow Six: Siege und ist mit seinen 600.000 Abos das Gesicht der Community. In seinen Videos spielt er nicht nur verflucht gut, er zeigt uns auch, wie's geht und bleibt dabei humorvoll und unterhaltsam. Zur Einordnung: Serenity17 zeigt nicht einfach irgendwelches Gameplay, sondern absolut verblüffende Plays, für die unsereins wirklich ranklotzen muss. Das motivierte mein Team und mich ungemein - und bescherte Serenity einen Burnout.

Hilfe bei Burnout: Wenn Sie unter Depressionen, Burnout oder emotionaler Erschöpfung leiden, dann gibt es zahlreiche Institutionen, die professionelle und nachhaltige Hilfe anbieten. Direkte Beratung erhalten Sie beispielsweise bei der Deutschen Depressionshilfe (0800 3344 533) oder dem Beratungsangebot der Robert-Enke-Stiftung (0241 8036 777).

Zu viel Arbeit in YouTube gesteckt?

Seit knapp einem Monat bleiben die täglichen Video-Releases aus. Jetzt veröffentlicht Serenity einen erklärenden Clip, in dem er ausführlich über seinen Burnout und seine Gefühle spricht (ironischerweise sind seine Worte wie gewohnt mit hervorragendem Gameplay unterlegt).

Rainbow Six: Siege - Screenshots ansehen

Ich schreibe das hier, weil es sich wirklich lohnt, das Video zu schauen und sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Serenity betont, wie perfekt sein Leben eigentlich sei: Ein Traumjob (nämlich YouTube), bei dem er sich mit seinem Lieblingsspiel beschäftigen kann, darüber hinaus der immense Erfolg von über 600.000 Subscribern (was ihn zum zweitgrößten Siege-YouTuber überhaupt macht), begeisterte Fans, der vielversprechende Start einer E-Sport-Karriere - und trotzdem will ihm das Leben einfach keinen Spaß mehr machen:

"Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Ich raffte mich hoch, browste ein wenig durch Reddit, aß einen Happen und ging wieder zurück ins Bett. Und das Tage lang. Es ging einfach nicht mehr. Meine Freunde dachten zuerst, da sei nichts dran. Kleine Auszeit halt. Aber irgendwas war einfach verkehrt. Nach einer Weile wurde ich immer negativer, deprimierter, und das ging nicht weg. Mein Tag bestand nur noch aus einem Blick auf Reddit und meinem Bett. Depression ist ein Thema, mit dem ich mich schon mein ganzes Leben auseinandersetzen muss. Mal mehr, mal weniger. Aber dieses eine Mal kam ich einfach nicht mehr damit klar. Und der Grund, warum es mir so schwer fällt, darüber zu sprechen: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was mit mir passiert und warum es gerade jetzt geschieht."

Im selben Atemzug erklärt Serenity, dass er über Monate hinweg in seinem Bürostuhl geschlafen und sich vom immer gleichen Salat ernährt habe. Trotzdem findet er auf die Frage, warum er plötzlich in so ein Loch gefallen ist, keine simplen Antworten - nur die Erkenntnis, dass er als 21-jähriger künftig viel penibler auf die eigene Gesundheit achten muss. Gleichzeitig werfen ihm viele Zuschauer vor, er stelle sich einfach nur an. Schließlich gibt es so viel schlimmere Jobs. Er sei ja ein YouTube-Star. Auch darauf geht er im Video ein:

"Immer wenn YouTuber über Depression sprechen, müssen sie sich denselben Kommentar anhören: "Oh, buhu, du spielst Videospiele, um deinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wie hart kann das sein?" Ich verstehe diese Perspektive. Es gibt genügend Leute, die wirklich gnadenlose Jobs haben - und ich würde wahrscheinlich genauso denken, wenn ich jetzt nicht betroffen wäre. Depression funktioniert nicht so simpel. In der Realität hat sie oft gar nichts damit zu tun, ob der eigene Job leicht ist oder mir Spaß macht. In solchen Fällen verschwinden negative Gefühle nicht von Geisterhand. Sonst würden Streamer und YouTuber nicht darunter leiden - und Hollywood-Stars auch nicht. Das tun sie aber. Diese ganze Sache ist einfach kompliziert. Ich behaupte ja gar nicht, dass mein Leben gnadenlos hart ist."

16 Stunden am Tag in ein YouTube-Projekt zu stecken, hat sich für Serenity17 als großer Fehler entpuppt. Für die Zukunft will er behutsamer an die Sache herangehen und deutlich bewusster auf Ernährung, Schlafrhythmen und Pausen achten.

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Rainbow Six: Siege wird nach wie vor rege gespielt. Auch im E-Sport-Bereich.Rainbow Six: Siege wird nach wie vor rege gespielt. Auch im E-Sport-Bereich.


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