Wenn es nach dem saudischen König geht, zieht sich noch irgendwann in diesem Jahrhundert eine gigantische Stadt aus Glas schnurgerade durch die Wüste: The Line
. 2017 erstmals vorgestellt, laufen seit einigen Jahren die Bauarbeiten für eine Stadt die sich als gerade Linie über 170 km Wüste erstreckt.
Jetzt wendet sich mit Denis Hickey der Entwicklungschef des übergreifenden Siedlungsprojekts NEOM
an die Öffentlichkeit. Er enthüllte, welcher Abschnitt als erstes Heimat für Menschen und auch Schiffe werden soll.
Denn ein zentraler Bestandteil einer der größten bebauten Flächen der Welt ist ein riesiges klaffendes Loch – für Ozeanriesen und Luxusjachten. Kommt mit uns auf einen Ausflug in eine Vision, die eines Sci-Fi-Films würdig wäre.
Die Problemlage rund um fundamentale Rechte in Saudi-Arabien: Amnesty International zufolge missachtet der Golfstaat in etlichen Bereichen Menschenrechte und international anerkannte Standards für Gesellschaften. Meinungs-, Presse- oder Vereinigungsfreiheit sind nicht gegeben.
Ferner bleibt die gesellschaftliche Stellung von Frauen und Minderheiten weiterhin problematisch. Sie werden durch Gesetze und im täglichen Leben durch Tradition und Religion diskriminiert.
In der Strafverfolgung herrscht teils Willkür, Regimekritiker werden ohne klare Anklage, mitunter für sehr lange Zeit, in Gewahrsam genommen oder verschwinden spurlos. Vor Gericht erwarten sie regelmäßig ausgedehnte Haftstrafen und in Gefängnissen sind sie Folter ausgesetzt. Auch die Todesstrafe bleibt ein Mittel für die Gerichte, die diese auch für Straftaten wie Drogenschmuggel verhängen.
Darüber hinaus leiden Arbeitsmigranten weiterhin unter dem Kafala-System. Obschon dieses traditionelle Vertragsinstrument inzwischen nach Kritik verändert wurde, sind ausländische Beschäftigte noch immer der Kontrolle ihrer Arbeitgeber überlassen. Pässe werden mitunter einbehalten, um ein Druckmittel zu haben. Im Sommer müssen sie ferner weiter ungeschützt in brütender Hitze arbeiten.
Saudi-Arabien führt illegal einen Krieg im Jemen. Dem Land werden deshalb Kriegsverbrechen und zahlreiche schwere Verstöße gegen das Völkerrecht vorgeworfen.
Hinzu kommen im Umfeld der Bauarbeiten The Line
Vorwürfe, bereits heute tausende Menschen zwangsumgesiedelt zu haben sowie die Um- und Tierwelt, insbesondere Vögel, in Zukunft zu gefährden. Die verspiegelten Außenflächen des Bauwerks seien eine nur schwer zu überwindende Wolkenkratzer-hohe Todesfalle.
Megastadt zwischen Wüste und Ozean
Wie unter anderem die Saudigazette berichtet, soll mit der »Hidden Marina« der Grundstein von The Line
am Ozean in Betrieb gehen. So heißt der geplante 500 Meter hohe, 200 Meter breite und 2,5 Kilometer lange erste Abschnitt von The Line. Er alleine soll bereits eine voll funktionsfähige Stadt für rund 200.000 Personen beherbergen. Das sind immerhin fast 1,5 Prozent der geplanten 170 km langen Projekts.
In den Ausbau der Infrastruktur wurden über 140 Milliarden US-Dollar investiert, um sicherzustellen, dass wesentliche Dienste wie Energie, Wasser, Transport, Daten und Kommunikation zur Unterstützung der aufstrebenden Metropole vorhanden sind.
Denis Hickey, Entwicklungschef des Siedlungsprojekts NEOM
Durch den aus drei je 800 Meter langen Modulen bestehenden Abschnitt sollen Schiffe in ein künstlich angelegtes Hafenbecken fahren. Dessen Größe soll für mehrere Kreuzfahrtschiffe sowie Luxusjachten gleichzeitig genügen. Als Ein- wie Ausgang soll ein Kanal zwischen zwei Toren im Gebäude dienen. Der Verkehr soll, den Konzeptgrafiken nach zu urteilen, allzeit von öffentlichen Plätzen aus beobachtbar sein.
0:23
Wolkenkratzer als 1.000 Meter hoher Energiespeicher
In direkter Nachbarschaft planen die Bauherren innerhalb der ansonsten von zwei komplett verglasten Außenwänden abgeschlossenen Struktur 80.000 Wohnungen unterschiedlicher Größe. Hinzu kommen 9.000 Hotelzimmer, Einkaufszentren, Parkanlagen, Kultureinrichtungen sowie alles, was sonst noch von einer modernen Stadt zu erwarten sei. Ferner soll die Stadt autark werden, sich also komplett selbst versorgen können, wie Denis Hickey während eines Forums der Investmentgesellschaft hinter NEOM und The Line schildert.
Mit etwa 21 Quadratkilometern Fläche wäre schon die Hidden Marina
eine der größten bebauten Flächen der Welt. Sie entspräche fast 3.000 Fußballfeldern, 2/3 der Insel Borkum oder in etwa dem Frankfurter Flughafen.
Fußballstadion als Teil des Daches
Der NEOM-Manager Giles Pendleton postete derweil erst Mitte Januar 2025 Fotos von der Baustelle (via Futurezone). Allerdings sind hier bisher nur ausgedehnte Erdarbeiten im Sand zu sehen. Mit dem Hochbau ist noch nicht begonnen worden.
Dennoch soll die »Hidden Marina« bis 2030 ihre Tore öffnen – und kurz darauf auch ihr Dach. Denn zuoberst soll für die Fußball-WM 2034 ein Stadion für etwa 46.000 Menschen entstehen. Dessen Bauende wird für 2032 angegeben. Einen Eindruck von dem geplanten Stadion könnt ihr euch auf YouTube verschaffen:
Link zum YouTube-Inhalt
Hochtrabende Pläne, aber Zweifel bleiben
Abseits dieser nun erneut bekräftigten Pläne umgeben das Projekt aber auch seit Jahren Zweifel von Experten. Ferner kamen einzelne finanzielle Rückschläge ans Licht. Hier sind einige Beispiele:
- Fest eingeplante ausländische Investoren blieben aus, sodass das Projekt verkleinert werden musste. Ursprünglich sollten 1,5 Millionen Menschen bis 2030 dort wohnen. Die anvisierte Zahl schrumpfte auf etwa 300.000, jetzt 200.000 Menschen. Und überhaupt soll bis dahin nur ein kleiner Teil der Stadt fertiggestellt sein.
- Pläne für eine Meerwasser-Entsalzungsanlage wurden eingestampft.
- Auch das finale Budget in Höhe von wohl mehreren hundert Milliarden soll noch nicht freigegeben worden sein.
Alle Details zu den offengelegten Schwierigkeiten der vergangenen Jahre haben wir euch in einem separaten Artikel zusammengefasst. Der Mittlere Osten bleibt aber auch abseits von The Line
eine Fundgrube für Fans von exzentrischen oder schlichtweg gigantischen Bauprojekten:
- Abu Dhabi will den weltweit größten Solarpark aufstellen – und der soll sogar nachts Strom liefern
- Saudi-Arabien hat eine Hotelanlage eröffnet, für die sie zuvor Berge ausgehöhlt haben
Es bleibt abzuwarten, ob die nach wie vor ambitionierten Pläne, auch nur den ersten Abschnitt von The Line
bis 2030 fertigzustellen, Realität werden.
Nehmen wir aber einfach mal an, die Saudis setzen das Vorhaben um: Hättet ihr Interesse, in so einer Stadt zu leben oder es im Zuge der Fußball-WM 2034 zumindest zu besuchen? Schreibt es uns gern in die Kommentare!
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.