Skyrim-Komponist streitet Vergewaltigungs-Vorwürfe ab

Nachdem eine Game Designerin Jeremy Soule beschuldigte, sie vergewaltigt zu haben, warfen weitere Frauen anderen Entwicklern sexuelle Belästigung vor.

von Maurice Weber,
29.08.2019 15:41 Uhr

Die Skyrim-Komponist Jeremy Soule soll eine Kollegin vergewaltigt und ausgenutzt haben.Die Skyrim-Komponist Jeremy Soule soll eine Kollegin vergewaltigt und ausgenutzt haben.

Update vom 29. 10. 2019: Gegenüber der amerikanischen Website Kotaku hat Jeremy Soule die Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen ihn abgestritten: »Diese 11 Jahre alten Anschuldigungen sind falsch. Ich bin entsetzt und traurig über diese ungeheuerlichen Behauptungen.«

Der Publisher Materia Collective, der Soules Album The Northerner veröffentlichen sollte, hat als Reaktion auf die Anschuldigungen angekündigt, nicht weiter mit ihm zusammenarbeiten zu wollen.

Soule hatte The Northener 2013 erfolgreich auf Kickstarter finanziert, aber das Album ist bislang noch nicht abgeschlossen.

Ursprüngliche Meldung vom 28. 10. 2019: Im Jahr 2008 soll der Skyrim-Komponist Jeremy Soule die junge Entwicklerin Nathalie Lawhead vergewaltigt haben. Das schreibt Lawhead in ihrem Blogeintrag »Calling out my rapist«. Nachdem sie diesen auf Twitter teilte, folgten mehrere weitere Entwicklerinnen ihrem Beispiel und veröffentlichten ihre eigenen Geschichten über sexuelle Übergriffe in der Spiele-Industrie.

Lawhead hat unter anderem das Indie-Spiel Tetrageddon entwickelt. Ihrer Aussage zufolge arbeitete sie zusammen mit Soule an einem nicht näher genannten Projekt für ein Entwickler-Studio in Vancouver, als er sie vergewaltigte. Soule ist einer der bekanntesten Videospiel-Komponisten und schrieb unter anderem die Soundtracks für die Elder-Scrolls-Reihe, Guild Wars und Knights of the Old Republic. Lawhead habe ihn zunächst als Mentor und Freund gesehen, aber er habe ihre Unerfahrenheit zunehmend ausgenutzt und ihr gedroht, dass sie ohne ihn ihren Job verlieren würde.

"Er sprach über die mystische Macht, die Frauen durch Sex über Männer haben. Wie hilflos Männer sind und dass sie Sex brauchen. Wie er Sex und eine Beziehung braucht, damit er seine Musik schreiben kann. Er sprach darüber, dass Komponieren sexuell ist und dass er über Sex als Inspiration in seiner Musik schreibt. Er sprach darüber, dass Musizieren sehr sexuell ist. Er schrieb Lieder über Frauen, mit denen er solche Beziehungen hatte. Was er mit Frauen tut, inspiriert seine Musik.

Die Werke, die er für Videospiele komponiert hat, basieren darauf. Er braucht Frauen, um ihn zu inspirieren ... er redete so viel darüber, so unangenehm und unangemessen (selbst unter Freunden) und es wurde immer düsterer.

Er machte mir Avancen und ich erklärte ihm, dass ich das nicht wollte, sondern eine Freundschaft. Er wurde sehr bedrohlich und hörte mir nicht zu. Er machte mir klar, dass ich die Wahl zwischen ihm oder Kündigung hatte. Er vergewaltigte mich."

Soules Facebook- und Twitter-Seiten sind inzwischen offline. Als Reaktion auf Lawheads Tweet erzählten mehrere weitere Frauen von ähnlichen Übergriffe durch andere Entwickler.

Weitere Vorwürfe gegen andere Entwickler

Zoe Quinn war die nächste, die sich auf Twitter äußerte. Die Indie-Entwicklerin war 2014 das erste Opfer der Gamergate-Attacken, nachdem ihr Exfreund sie öffentlich des Fremdgehens mit einem Spielejournalisten beschuldigte. Zu ihren Werken zählt unter anderem Depression Quest, ein Spiel über das alltägliche Leben mit schwerer Depression.

»Ich habe Nathalie Lawheads Post darüber gelesen, dass ihr Vergewaltiger eine Industrie-Legende war, und er hat mich zutiefst erschüttert«, so Quinn. »Ich habe hierüber fast meine ganze Karriere geschwiegen, aber ich kann so nicht weitermachen.« Auf Twitter beschuldigte sie nach Lawheads Tweets den Co-Entwickler von Night in the Woods, Alec Holowka, sie im Lauf ihrer Beziehung physisch und psychologisch gequält zu haben, nachdem sie zuvor von einem anderen Mann vergewaltigt wurde.

Nachdem sie sich von Holowka losgesagt habe, soll er systematisch versucht haben, ihre Karriere zu zerstören und bei wichtigen Industrie-Veranstaltungen auf die schwarze Liste zu setzen. »Zu einem gewissen Grad hat es funktioniert.« Sowohl Quinn als auch Lawhead betonen, wie viel Angst sie aufgrund der Machtposition und Berühmtheit der angeblichen Täter hatten, überhaupt mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen. Oft seien es Drohungen, die die Opfer davon abhalten zu sprechen, so die Journalistin und Spiele-Autorin Leigh Alexander.

Holowkas Kollege Scott Benson, der Night in the Woods mit ihm gemeinsam entwickelte, schrieb auf Twitter: »Wir glauben Zoes Beschreibung von Alecs Taten und sind sehr traurig und zornig.«

Nach Lawhead und Quinn wandten sich noch viele weitere Frauen an die Öffentlichkeit. Adelaide Gardner beschuldigte etwa Luc Shelton, einen Programmierer bei den Enemy-Territory-Entwicklern Splash Damage, sie und mindestens eine weitere Frau sexuell genötigt zu haben. Shelton stritt diese Vorwürfe gegenüber Rockpapershotgun ab.

Insomniac-Autorin Mary Kenney erzählte, dass sie auf einer Messe in aller Öffentlichkeit gegen ihren Willen von einem Wildfremden gepackt und geküsst wurde. Und gleich zwei Frauen erhoben Vorwürfe gegen Oculus: Laut Autumn Rose Taylor griff ihr Firmen-Mitbegründer Michael Antonov während einer VR-Demonstration unter den Rock. Taylor arbeitet inzwischen als Marketing-Chefin für den VR-Entwickler Owlchemy Labs (Rick & Morty VR). Auch Katie Chironis, ihres Zeichens Senior Game Designer bei Riot Games, wurde nach eigener Aussage bei einer Oculus-Party belästigt - und der Täter arbeite noch heute bei der Firma, obwohl Chironis den Vorfall mitsamt mehrerer Zeugen gemeldet habe.

Während immer mehr solcher Vorwürfe ans Tageslicht kommen, haben die meisten Beschuldigten bislang nicht reagiert. Viele andere Entwickler tun allerdings ihre Anteilnahme oder ihre Trauer kund, so etwa Josh Sawyer, Creative Director von Pillars of Eternity:

Es ist nicht das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass Vorwürfe über schwerwiegenden Sexismus in der Gaming-Branche Wellen schlagen. Bereits 2018 wurde der LoL-Entwickler Riot Games von Berichten erschüttert, dass Frauen dort über Jahre systematisch benachteiligt und belästigt wurden, und Quantic Dream sah sich mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert.

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