Sniper Elite: Resistance hat Probleme, keine Frage. Der Shooter steht aktuell auf Steam bei mageren 67 Prozent positiven Reviews, und selbst hartgesottene Fans räumen ein: Eigentlich reden wir hier bloß von einem aufgebauschten Standalone-Addon zu Sniper Elite 5 – aber zum stolzen Preis von 50 Euro.
Die ganze Geschichte lest ihr in unserem GameStar-Test zu Sniper Elite: Resistance, deshalb hier nur die Kurzfassung: In puncto Gameplay spielt sich Resistance identisch zum Vorgänger, erneut pirsche ich als Scharfschütze im Zweiten Weltkrieg herum, erneut geht es nach Frankreich, erneut erwarten mich riesige Sandbox-Missionen, in denen ich wahlweise laut oder leise vorgehe. Skilltree, Waffenvielfalt, alles identisch zu Sniper Elite 5.
Als waschechte Fortsetzung fällt Resistance also durch, aber zwei Umstände haben mich dem britischen Scharfschützen Harry Hawker dann doch in die Arme getrieben:
- Sniper Elite: Resistance steckt im Game Pass, als Abonnent kann ich die große Kaufhürde von 50 Euro für ein Quasi-Addon also umgehen.
- Es spielt sich immer noch kein anderes Spiel wie Sniper Elite.
Kein anderes Spiel bietet so einen Mix aus Stealth und Sniper Gameplay. Gut, Sniper Ghost Warrior Contracts holt in den letzten Jahren vielleicht ein wenig auf, doch (noch) bleibt Sniper Elite der König. Hier liege ich minutenlang auf der Pirsch, beobachte Wachpatrouillen, nutze den Glockenklang einer nahen Kathedrale, um meinen eigenen Schuss zu tarnen – und peng, fliegt dem Nazi-Fiesling die fiese Nazi-Brille von der fiesen Nazi-Nase.
Aber: Um die reguläre Singleplayer-Erfahrung geht's mir heute gar nicht, denn ich verliere mich seit zahllosen Feierabenden in einem weiteren einzigartigen Modus – den sogenannten Invasions. Und ich will euch hier mal eine kleine Empfehlung aussprechen, denn diese Invasions werdet ihr wahrscheinlich nicht mehr lange genießen können.
Was ist die Invasion der Achsenmächte?
In den Invasionen der Achsenmächte dringe ich als feindlicher Scharfschütze in die Kampagnenspiele anderer Leute ein, um mir ein Duell mit dem jeweiligen Host zu liefern. Wer zuerst stirbt, verliert. Keine Sorge, die Option lässt sich easy deaktivieren – und das ist gut so, denn so weiß ich: Wer sich invaden
lässt, der ist auch bereit für ein ganz besonderes Katz-und-Maus-Spiel.
13:50
In Sniper Elite: Resistance fällt ein Gegner nach dem anderen unserem Gewehr zum Opfer
Invasions gibt's mittlerweile in einigen Spielen, allen voran in Dark Souls und Co., aber auch beispielsweise in Arkanes Deathloop. In Sniper Elite bekommt diese ganz spezielle Form des Multiplayers aber eine besonders atmosphärische Note: Ein Duell zweier Scharfschützen, die keine Ahnung haben, wo der andere sich versteckt, ein spielbares Duell – Enemy at the Gates
(falls jemand den Film noch kennt), das gibt's sonst nirgendwo.
Als Angreifer starte ich irgendwo in der Kampagnenmission des anderen Spielers beziehungsweise der anderen Spielerin. Die Maps in Sniper Elite fallen riesig aus, umspannen ganze Dörfer voller Gebäude, Dächer, Keller, Stockwerke. Die meisten Leute spielen das Spiel leise – es kann also gut sein, dass ich ins Match lade und erstmal herumstehe wie der Ochs vorm Berg, weil vermeintlich nirgendwo was passiert.
Also beginne ich wie ein waschechter Jäger mit der Fährtensuche: Wo wurde die heimische Nazi-Bevölkerung bereits dezimiert? Sehe ich irgendwo Leichen? Manipulierte Stromkästen? Kaputte Fahrzeuge? Je besser ich die Missionen aus Spielersicht kenne, desto genauer kann ich eingrenzen, wo der Gegner gestartet und langgelaufen sein müsste.
Das Katz- und Mausspiel
Keine Sorge, alternativ könnt ihr euch nach fünf Minuten die Position des Gegners auch über ein spezielles Telefon kurzzeitig markieren lassen. Außerdem veranstalten viele Leute in ihren Missionen auch ein ziemliches Rambazamba, das die Ortung ziemlich erleichtert. Trotzdem: Dieses Lauerspiel am Anfang, das Umkreisen des Gegners, übt eine ganz eigene Faszination auf mich aus. Es fühlt sich großartig an, einen Kontrahenten durch pure Deduktion aufzuspüren und dann zu planen, wie ich die Sache angehe.
Gleichwohl weiß die Gegenseite ja von meiner Existenz und hockt meist nicht tatenlos rum. Oft genug stellt sie mir Fallen oder lenkt mich mit Krach auf falsche Fährten. Da laufe ich schon mal einen Kirchturm hoch, weil ich weiß, dass der Kollege oben hockt, nur um in eine Schützenmine zu tapsen. Oder der Kollege ist längst per Zipline nach unten gerutscht und lauert nur, dass ich meinen Kopf aus der Kirchturmspitze herausstrecke.
Generell: Sobald mein Gegner und ich aufeinandertreffen, geht's rund. Wer streckt zuerst das Köpfchen raus? Wer umläuft wen schlauer? Weil der Spaß in Sniper Elite mit einem guten Treffer vorbei ist, gehe ich viel umsichtiger vor als in anderen Multiplayer-Spielen – es ist eben ein Sniper-Duell. Vielleicht lasse ich den Gegner auch überhaupt nicht wissen, dass ich ihn gesehen habe und beobachte per Fernglas seine Bewegungen, um den einen perfekten Augenblick abzupassen.
Noch wilder wird's, wenn das gegnerische Team im Zweier-Koop anrückt. Klingt erstmal wie ein Nachteil, in der Realität geht Stealth zu zweit aber mit astronomisch hoher Wahrscheinlichkeit schief. Ich folge also lediglich dem Krach und knipse einen der beiden Koop-Partner aus. Dann hat der übrige Spieler nur noch knapp über zwei Minuten Zeit, mich zu erledigen, sonst zählt der Showdown als verloren. Plötzlich kann ich mich zurücklehnen und abwarten.
Jetzt ist die beste Zeit
Aktuell dauert es dank Crossplay und Co. knapp eine Sekunde, um ein neues Invasion-Spiel zu finden. Diese irrsinnig kurzen Wartezeiten dürften sich aber in den nächsten Wochen deutlich verlängern – Sniper Elite: Resistance hat schon zum Release vor ein paar Wochen für wenig Aufsehen gesorgt, die Spielerzahlen auf Steam liegen im Höchststand bei 3.000 gleichzeitig aktiven Leuten am Tag.
Klar, kombiniert mit PlayStation und Xbox potenziert sich das, aber eben auch nur so lange, bis die meisten Leute mit der Story durch sind. Um den Invasion-Modus also wirklich ausgiebig zu erleben, solltet ihr deshalb nicht lange warten. Mit einem Monatsabo des Game Passes geht das ziemlich kostengünstig (18 Euro für einen Monat). In der Regel reichen 10 bis 20 Stunden auch, um die Story durchzuspielen und mit den Invasions herumzuexperimentieren, danach könnt ihr ja wieder kündigen.
Natürlich: 18 Euro sind immer noch viel Geld und ich habe ja eingangs erwähnt, dass Resistance alles andere als perfekt ist. Aber falls euch so eine ungewöhnliche Multiplayer-Erfahrung mal reizt, dann lohnt sich in meinen Augen zumindest ein Reinschnuppern.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.