Steam schmeißt plötzlich Spiele aus dem Store, Epic freut‘s

Valve greift hart gegen Spiele mit Bitcoin- oder NFT-Inhalten durch und bannt diese von der Plattform. Wir erklären, was hinter diesem harten Vorgehen steckt.

von Sören Diedrich,
28.10.2021 10:05 Uhr

Update, 28. Oktober 2021: Es scheint, dass das Thema rund um Blockchain-Spiele noch nicht erledigt ist. Denn die betroffenen Entwickler wollen den Rausschmiss von der Steam-Plattform nicht so einfach hinnehmen und haben eine Petition verfasst, die man nun an Valve heranträgt. Dazu hat man sich mit der Plattform Fight for the Future zusammengetan.

Appell an Valves Pioniergeist

Insgesamt 29 Entwickler haben sich an der Aktion beteiligt, unter anderem auch das Studio hinter Age of Rust, das bereits in unserer Originalmeldung eine Rolle gespielt hat. In ihrem offenen Brief appellieren sie vor allem an den Pioniergeist, für den Valve einst so bekannt gewesen sei, und dass man nun auch dieser sich rasant entwickelnden Technologie offener gegenüberstehen soll.

Man legt in diesem Zuge auch noch mal den Finger in die Wunde, dass der Steam-Betreiber selbst einst Vorreiter beim Verkauf digitaler Wertgegenstände gewesen sei, etwa bei den beliebten Trading Cards oder Skins für CS:GO. Daher stößt das Verhalten des Konzerns nun auf Verwunderung.

Die versammelten Studios vertreten weiterhin eine klare Meinung: Die Zukunft des Gamings liege im dezentralen Besitz digitaler Assets, die Spieler erwerben können, wodurch sie für ihre ins Spiel investierte Zeit und Mühen belohnt werden würden.

Originalmeldung: Das Thema Kryptowährung ist seit einigen Jahren ein großes Gesprächsthema. Viele versprechen sich von Bitcoin und Co. den großen Reichtum, doch immer wieder stehen solche digitalen Währungen auch im Fokus unlauterer Machenschaften. Entsprechend unpopulär sind sie bei großen Firmen, die sich vor rechtlichen Konsequenzen schützen wollen.

Solche Gedanken könnten auch bei Valves Entscheidung eine Rolle gespielt haben, auf Steam zahreiche Spiele aus dem Angebot zu nehmen. Die betroffenen Entwickler reagieren jedoch nur bedingt mit Verständnis auf diese Entscheidung, und der große Konkurrent Epic nutzt das Vorgehen direkt für die eigene PR.

Ganz anders als Steam sieht die Sache übrigens bei dem alternativen Anbieter Robot Cache aus. Der Underdog setzt voll und ganz auf den Verkauf gebrauchter Spiele mit Kryptowährungen:

Robot Cache - Die Gebrauchtspiel-Mine   34     11

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Steam greift hart durch

Stein des Anstoßes ist eine Änderung der Steam-Geschäftsbedingungen. Denn der Passus Was Sie nicht bei Steam veröffentlichen sollten wurde um einen neuen Eintrag ergänzt:

Anwendungen, die auf Blockchain-Techologie aufbauen und die Erzeugung oder den Austausch von Kryptowährungen und NFTs ermöglichen.

Dieser Eintrag hat Folgen: Das man sich rund um die schwer zu durchschauenden Kryptowährungen rechtlich absichern möchte, ist hierbei nicht das Thema. Vielmehr sind die ebenfalls erwähnten NFTs das eigentliche Problem in dieser Angelegenheit.

Was sind NFTs?

Hinter der Bezeichnung NFT verbirgt sich ein Non-Fungible Token, also ein nicht austauschbares virtuelles Objekt. Das kann im Grunde genommen alles sein, etwa Kleidungsstücke für einen Charakter oder digitale Sammelkarten.

Die zwei wichtigsten Eigenschaften eines NFT: Es hat einen eindeutig identifizierbaren Besitzer und einen variierenden Wert. Wenn ihr also zum Beispiel zwei exakt gleiche Sammelkarten besitzt, können sie auf dem virtuellen Markt dennoch unterschiedlich viel Wert sein.

Steam möchte nicht, dass Spieler mit derartigen Methoden in Spielen in Kontakt geraten. Einer der betroffenen Titel ist das SciFi-Puzzle-Abenteuer Age of Rust. Dort haben Spieler die Möglichkeit, an einer Art virtueller Schatzsuche teilzunehmen, indem sie Rätsel lösen und bestimmte Easter Eggs entdecken.

Laut den Entwicklern kann man so einen Hauptpreis in Höhe von 20 Bitcoints gewinnen, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Spiels über 650.000 US-Dollar wert gewesen sein sollen. Als weitere Preise werden geringere Bitcoin-Mengen sowie die erwähnten NFTs genannt.

NFTs können ein Geldgrab werden

In der Vergangenheit wurden NFTs bereits für zahlreiche Betrugsfälle genutzt. Der Entwickler des Prügelspiels Evolved Apes verkaufte zum Beispiel bereits vorab zehntausend NFTs in Form von später spielbaren Charakteren. Das Spiel erschien jedoch nie und der Entwickler verschwand mit einem geschätzten Gewinn von 2,7 Millionen US-Dollar.

Ein anderes Spiel namens Epic Heroe Battles verkaufte ebenfalls spielbare Charaktere - und nutzte dafür sogar dreist geklaute Artworks und andere Zeichnungen von unwissenden Künstlern.

Um nicht jedes Spiel mit NFTs einzeln überprüfen zu müssen, schob Steam daher gleich sämtlichen Spielen mit derlei Inhalten den Riegel vor. Der Entwicler von Age of Rust zeigte sich enttäuscht und betont, dass man selbst immer an die Vision des Spiels geglaubt habe und auch daran festhalten werde:

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Epic nutzt die Gelegenheit aus

Gegen diese Entscheidung von Steam melden sich jedoch auch weitere kritische Stimmen, die dem Unternehmen widersprüchliches Verhalten vorwerfen. So sei der Verkauf von Skins in Counter-Strike: Global Offensive auch nichts anderes als ein NFT, ebenso wie die schon seit Jahren populäre Sammelkarten-Funktion auf Steam.

Egal, wie man zu dem Thema steht: Die Konkurrenz reibt sich die Hände. Denn Epic-CEO Tim Sweeney nutzte die Gelegenheit direkt aus und betonte via Twitter, dass der Epic Store Spiele, die auf Blockchain-Technologie setzen, willkommen heißen werde, solange sie sich an das geltende Recht halten und eine Altersschranke nutzen. Man begrüße Innovationen in den Bereichen Technologie und Finanzen.

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Es bleibt abzuwarten, wie viele Spiele neben Age of Rust von der neuen Richtlinie auf Steam betroffen sind. Auch das Blockchain-Spiel Light Nite verschwand bereits am 30. September 2021 von Valves Plattform. Wer nun noch mehr über das Thema Kryptowährung erfahren möchte, kann sich unseren Report über dieses Thema durchlesen.

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