Warum Steam, Epic & Co. den Game Pass nicht länger ignorieren dürfen

Meinung: Im Wettstreit zwischen Abos und Stores muss es nicht zwangsläufig Sieger und Verlierer geben. Für Elena liegt eine Lösung auf der Hand, von der Anbieter und Spieler profitieren.

von Elena Schulz,
15.03.2021 17:58 Uhr

Stores vs. Abos: Bei Steam und Game Pass treffen zwei völlig unterschiedliche Konzepte aufeinander. Stores vs. Abos: Bei Steam und Game Pass treffen zwei völlig unterschiedliche Konzepte aufeinander.

Hand auf's Herz: Wie oft kauft ihr noch einzelne Songs? Oder DVD-Boxen zu euren Lieblingsserien? Ich rolle nur noch genervt mit den Augen, wenn eine Serie nicht auf Netflix und Co. verfügbar ist. Wie, ich muss das kaufen und nach ein paar Folgen die DVD wechseln? Bei Spielen ist das noch anders, auch wenn CDs immer mehr in meinem Regal verstauben.

Aber schon jetzt schiele ich immer wieder in die Game-Pass-Bibliothek, bevor ich Geld ausgebe. Inzwischen ist auch Bethesda mit großen Open-World-Spielen wie Fallout 4 mit an Bord, das ich eh nachholen wollte, EA Play soll auf dem PC bald dazustoßen und die Zeit bis dahin kann ich mir mit 100 anderen Spielen vertreiben, alles für 10 Euro im Monat.

Das klingt nach einem tollen Deal für mich als Spieler, hat aber nicht nur Vorteile. Entwickler gehen unter, weil ihre Spiele nicht im Abo landen und ein Stardew Valley, Loop Hero oder Valheim hat keine Chance mehr, mein Herz aus dem Nichts zu erobern. Wenn ein Hersteller das Angebot bestimmt, schränkt das immer Vielfalt und Kreativität ein.

Auch Steam, Epic, GOG und Co. müssen zittern. Microsofts Game Pass ist mit 18 Millionen Abonnenten vielleicht noch nicht auf dem Niveau von Netflix mit über 200 Millionen, aber Musik- und Filmbranche haben gezeigt, wie schnell der Einzelverkauf seine Relevanz verlieren kann. Steam darf jetzt nicht schlafen, sondern muss das Abo mitdenken. Denn ich bin da durchaus optimistisch: Store und Abo können miteinander existieren und damit uns Spielern das bestmögliche Erlebnis bieten. Wie das gehen soll, erkläre ich hier.

Die Autorin

Elena (@Ellie_Libelle) nutzt den Game Pass selbst und probiert begeistert ganz andere Spiele wie Crusader Kings 3 oder den Flight Simulator aus, an die sie sich sonst wohl nicht rangetraut hätte. Genauso locken sie viele Geheimtipps, die sie sonst verpasst hätte und eben jetzt so manches Bethesda-Spiel zum Nachholen. Aber schon beim Bethesda-Kauf läuteten bei ihr die Alarmglocken: Microsoft verfolgt eine klare Strategie mit dem Game Pass, die Gaming langfristig verändern könnte und das nicht nur zum Guten. Deshalb hofft sie, dass Steam und Co. rechtzeitig reagieren, damit die Spieler am Ende wirklich die Gewinner sind und kein Abo-Monopol.

Gemeinsam sind wir stärker

Der wichtigste Punkt zuerst: Ich glaube nicht, dass Microsoft Valve und Steam wirklich verdrängen will. Dafür ist die große Spielerbasis auf Steam viel zu attraktiv. Die bisherige Strategie passt auch nicht dazu: Microsoft veröffentlicht immer mehr Spiele von Forza Horizon 4 über Halo Infinite bis hin zu Age of Empires auf Steam. Um sie kurz darauf wieder runterzuwerfen? Wohl kaum.

Viel wahrscheinlicher ist für mich, dass der Game Pass ähnlich wie jetzt schon EA Play integriert wird. Bei Star Wars Jedi: Fallen Order ist bei Steam neben Bundle, Deluxe Edition und dem normalen Spiel auch das Abo als Button angegeben, die Wahl liegt beim Spieler. In Zukunft kann man sich dann vielleicht in jedem Store aussuchen, ob man lieber zum Spiel oder der gleich Abo-Variante greift.

Ein Abo-Snack für zwischendurch

Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass Valve Microsoft im eigenen Store so einfach das Feld überlässt. Dafür ist das Abo-Geschäft zu lukrativ. Um mit dem Game Pass zu konkurrieren, ist das Unternehmen aber etwas spät dran und müsste jetzt aus dem Nichts enorme Summen investieren.

Heiko Klinge hat in seinen Chefredakteursprognosen eine andere spannende Theorie aufgestellt, die ich auch für glaubwürdiger halte: Valve wird mit den hauseigenen Spielen einen kleineren Abo-Service anbieten, der sich mit dem Game Pass kombinieren lässt:

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Ein Amazon Prime macht das aktuell zum Beispiel schon über Kanäle wie den Discovery Channel, die sich für fünf Euro im Monat dazubuchen lassen. Valve könnte den Spielern einfach optimale Abo-Ergänzungen anbieten wie das eigene Line-Up von Portal bis Half-Life, nur auf Steam verfügbare Highlights wie Rust und PUBG oder zum Beispiel eine Auswahl mit spannenden Early-Access-Spielen zum Reinschnuppern.

Damit sichern sie sich ein Stück vom Kuchen, ohne gleich mit Microsoft in Konkurrenz treten zu müssen. Vielleicht machen sie das Angebot den Spielern ja sogar über eine überraschende Neuankündigung schmackhaft?

Und was ist mit Epic? Hier verfügt Chefredakteur Heiko auch über die eine oder andere Theorie:

»Epic könnte damit einen eigenen Abo-Service vorbereiten« PLUS 19:49 »Epic könnte damit einen eigenen Abo-Service vorbereiten«

Innere Werte sind nicht alles

Man muss nicht wie ich fünf Jahre etwas mit Design studiert haben, um das Interface von Microsoft Store und Xbox App zu hinterfragen. In ersterem begrüßen mich auf der Startseite die neuen Bethesda-Spiele, aber auch Candy Crush, irgendwelche Mobile Games mit Glücksspiel-Charme, scheinbar zufällige Titel wie No Man's Sky, Apps wie Spotify und mehr.

Die Xbox-App wirkt schon übersichtlicher, will ich aber nach Genre ordnen, erscheint bei Rollenspiel prominent auf Platz 1 das Action-Adventure A Plague Tale: Innocence - häh? Dem Steam Store merkt man an, dass er über Jahre hinweg optimiert wurde. Auch wenn er bis zum Bersten voll mit Spielen steckt: Wenn ich weiß, was ich will, finde ich es sehr schnell, während Store-Empfehlungen, Kuratoren, Angebote und so weiter mir das Entdecken von Geheimtipps erleichtern.

Wenn es den Game Pass woanders gäbe, wäre ich die Erste, die ihn dort nutzt. Genau davon kann Microsoft aber profitieren, wenn sie ihr Abo prominenter in anderen Shops platzieren, statt die Spieler in ihren Store zu zwingen.

Ist der Game Pass auf Steam, GOG, Epic und Co. nur einen Klick entfernt, senkt das wieder eine Hemmschwelle und die Spieler sind glücklich, weil sie nicht noch einen unübersichtlichen Client herunterladen müssen. GOG Galaxy macht bereits vor, wie gut und bequem so ein kombinierter Launcher funktionieren kann.

Steam und Co. punkten aktuell noch mit ihrer schieren Masse an Nutzern. Auf dieser Stärke sollten sie sich aber nicht ausruhen, sondern schon jetzt überlegen, wie ihre Antwort auf den Abo-Trend im Gaming ausfällt. Wir als Spieler würden vor allem von einem Miteinander profitieren, nicht vor einem Wettbewerb, bei dem am Ende der Sieger den Unterlegenen auffrisst. Microsoft betont immer wieder, dass sie die Spieler überall abholen wollen. Jetzt müssen den Worten auch Taten folgen.

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