Steam - Valve erlaubt in Zukunft jedes Spiel, das nicht illegal oder Trolling ist

Ob ein Spiel bloß Assets recycelt oder anstößige Inhalte bietet, ist Valve in Zukunft wurscht. Was zählt, sind die Spieler und ihre Entscheidungen.

von Dimitry Halley,
07.06.2018 10:28 Uhr

Steam bezieht Stellung zu den Kontroversen über ungewollte Steam-Spiele.Steam bezieht Stellung zu den Kontroversen über ungewollte Steam-Spiele.

Auf Steam erscheinen so viele Spiele, wie nie zuvor. Und innerhalb dieser Flut entstehen Kontroversen. Wie man beispielsweise mit billigen »Asset-Flips« umgeht, also Spielen, die einfach nur Standardgrafiken einer Engine zusammenklatschen, um schnelles Geld zu machen. Wie man mit anstößigen Inhalten wie dem Amoklauf-Spiel Active Shooter verfährt, das Valve jüngst von der Plattform geworfen hat. Oder sexistischen, rassistischen oder sonst wie feindseligen Titeln.

Zu all diesen Fragen bezieht Valve jetzt Stellung. Wobei »Stellung« fast schon das falsche Wort ist, denn der Vertriebsgigant entscheidet sich ganz bewusst, die Schleusen zu öffnen. In Zukunft sollen ausschließlich die Spieler entscheiden, welche Produkte sie via Steam erwerben oder ignorieren wollen. Valve äußert sich dazu wie folgt:

"Die Herausforderung ist, dass dieses Problem sich nicht bloß um die Frage dreht, ob der Steam Store Spiele mit gewalttätigem oder erwachsenem Inhalt anbietet. Nein, es geht um Spiele in einem großen Spektrum kontroverser Themen - Politik, Sexualität, Rassismus, Geschlechteridentität, Gewalt und so weiter. Zusätzlich entstehen Kontroversen, die es ganz spezifisch nur bei Spielen gibt - zum Beispiel, ab wann ein Spiel überhaupt als Spiel zählt. Welches Qualitätsniveau es erreichen muss, bevor es veröffentlicht werden darf."

Und weiter:

"Also besinnen wir uns auf ein Grundprinzip, das uns schon bei der Gründung von Steam und Steam Direct begleitet hat: Valve sollte hier nicht die Entscheidungen treffen. Wir sollten nicht beschließen, was ihr als Spieler kaufen könnt und was nicht. Und wir wollen auch nicht darüber abstimmen, was ihr als Entwickler erschaffen könnt und was nicht. Diese Entscheidungen sollten bei euch liegen. Unsere Aufgabe ist die Bereitstellung einer Plattform und von Werkzeugen, um euch bei euren Unternehmungen zu unterstützen. Mit diesem Hintergrund haben wir beschlossen, alles auf Steam zu erlauben - sofern es nicht illegal oder pures Trolling ist."

Diese Entscheidung polarisiert. Leaf Corcoran, Gründer der beliebten Plattform itch.io kritisiert dieses Vorhaben via Twitter massiv. Man öffne damit Diskriminierung Tür und Tor:

Unterhalb der Ankündigung auf Steam finden sich indes viele Unterstützer dieses liberalen Ansatzes. Man dürfe schließlich nicht die Klausel vergessen, dass Valve sich nach wie vor gegen illegale Spiele ausspricht. Und Trolling wie bei Active Shooter aktiv unterbinden wird. Da sich Gesetze von Nation zu Nation unterscheiden, wird auch in Zukunft Fall für Fall entschieden, wo ein kontroverses Spiel in welcher Form verfügbar ist.

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Das Argument, Spieler sollen die Entscheidung treffen, hängt sich implizit an dem aktuellen Steam-Algorithmus auf: Die Empfehlungen auf der eigenen Steam-Übersicht ergeben sich aus den Suchparametern und Gewohnheiten des jeweiligen Spielers. Wer sich also von anstößigen Spielen fernhält, wird bei Steam auch nicht damit behelligt.

Kritiker halten indes ihre Prinzipien dagegen: Bloß in eine andere Richtung zu blicken, lässt potenziell diskriminierende Inhalte nicht verschwinden. Eine spannende Debatte also - wie steht ihr dazu?

Wer im Spiele-Dschungel von Steam nicht mehr durchblickt, kann übrigens einfach dem offiziellen GameStar-Kurator folgen und sich unsere Empfehlungen mit Testfazit & Video direkt auf der Shop-Seite anzeigen lassen.

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