Active Shooter - Amoklauf-Shooter fliegt von Steam, Valve nennt Entwickler einen Troll

Valve hat das Amoklauf-Spiel Active Shooter von Steam entfernt. Der Entwickler sei ein bekannter Troll.

von Elena Schulz,
30.05.2018 12:05 Uhr

Active Shooter wird nun doch nicht auf Steam erscheinen.Active Shooter wird nun doch nicht auf Steam erscheinen.

Der Titel Active Shooter sorgte bei Steam vor Kurzem für Aufsehen, weil man neben einem SWAT-Team auch einen Amokläufer in einer Schule spielen konnte. Valve reagierte auf die Kritik und entfernte den Shooter samt Entwickler Revived Games und Publisher ACID kurzerhand von Steam.

In einem Statement gegenüber Motherboard heißt es, dass der Entwickler ein bekannter Troll sei:

"Wir haben den Entwickler Revived Games und den Publisher ACID von Steam entfernt. Hinter Entwickler und Publisher verbirgt sich in Wirklichkeit eine Person namens Ata Berdiyev, der bereits im Herbst entfernt wurde, als er unter den Namen [bc]Interactive bzw. Elusive Team agierte. Ata ist ein Troll, der bereits eine Vergangenheit hinsichtlich Kundenmissbrauch, dem Veröffentlichen von geschütztem Material und Review-Manipulation hat. Seine spätere Rückkehr unter neuem Geschäftsnamen kam ans Licht, als wir die Kontroverse um seinen neuen Titel untersuchten. Wir machen keine Geschäfte mit Leuten, die sich so gegenüber den Kunden oder Valve verhalten. "

In Active Shooter sollte man neben einem SWAT-Team auch den Amokläufer steuern können.In Active Shooter sollte man neben einem SWAT-Team auch den Amokläufer steuern können.

Entwickler verteidigt sein Spiel

Active Shooter hätte ursprünglich am 6. Juni erscheinen sollen. Vorab hagelte es Kritik, wie wir bereits berichteten. Die britische Wohltätigkeitsorganisation Infer Trust bezeichnete das Spiel als »enorm geschmacklos« und verwies auf 22 Amokläufe, die dieses Jahr bereits in den USA stattfanden und viele Opfer forderten.

Der Entwickler wiederum betonte nur, dass das Spiel »nicht ernst gemeint sei« und »nur eine Simulation«. Einer Stellungname zufolge wolle er niemanden zur Gewalt oder einem Amoklauf ermutigen. Ursprünglich sei nicht einmal geplant gewesen, den Schützen spielbar zu machen. Für mehr Gameplay hätte man aber ihn als spielbare Figur und später noch die Schüler als Spielfiguren für einen Survival-Modus hinzugefügt. Angeregt durch die massive Kritik, hatte Berdiyev Valve angeboten, den spielbaren Amokläufer zum Release zu entfernen.

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GameStar-Plus-Report: Steam in Zahlen - Was die Steam-Statistiken über uns Spieler verraten

Das reichte Valve aufgrund von Berdiyevs Vorgeschichte aber nicht. Im Herbst 2017 hatte Berdiyev ein Spiel namens Piccled Ricc veröffentlicht, das auf einer Episode der beliebten Serie Rick & Morty basiert. In der Pickle-Rick-Folge verwandelt sich Wissenschaftler Rick in eine Essiggurke und muss gegen eine Horde Ratten kämpfen. Berdiyev nutzte einfach bereits vorhandene Assets der Unity-Engine und packte passende Pickle-Rick-Modelle hinein.

Anschließend bekam er nicht nur Copyright-Probleme mit Rechte-Inhaber Adult Swim, sondern musste sich auch »Asset-Flipping« vorwerfen lassen. So nennt man es, wenn Entwickler mit wenig Aufwand Spiele aus vorhandenen 3D-Modellen und Texturen, also sogenannten Assets, zusammenklicken. Bei früheren Titeln wie dem Fidget Spinner Simulator war Berdiyev schon ähnlich vorgegangen. Die ausführliche Geschichte seiner zweifelhaften Machwerke lässt sich sogar in einem Reddit-Thread nachverfolgen. Mittlerweile wurden Berdiyev und alle seine Spiele von Steam entfernt.

In Aktion könnt ihr euch das Pickle-Rick-Spiel ab etwa 1:30 bei Youtuber PewDiePie anschauen:

Änderungen bei Steam Direct?

Dieser Fall verweist erneut auf ein großes Problem mit Steams aktuellen Aufnahme-Kriterien. Mussten Spiele früher noch den Greenlight-Prozess durchlaufen, kann jetzt jeder für 100 Euro sein Spiel veröffentlichen. Das sorgt auch dafür, dass die Plattform immer mehr mit minderwertigen Produkten überschwemmt wird. Valve ist sich dessen offenbar bewusst und will sich dem Thema bald widmen, wie es am Ende des Statements heißt:

"Die allgemeine Diskussion über Steams Inhaltspolitik ist etwas, das wir bald angehen werden."

Laut Steamspy wurden allein 2017 insgesamt 7.696 Spiele auf Steam veröffentlicht. Bereits Anfang Mai hatte Valve schon einen Publisher wegen Fake Reviews von Steam entfernt. Im Herbst 2017 wurden sogar 200 Fake-Spiele eines einzigen Entwicklers von der Plattform geworfen.

Ein besonders skurriles Beispiel für Fake Games stellt Entwickler Digital Homicide dar, dessen Geschichte ihr im Video nachverfolgen könnt:

Steams schlimmster Entwickler - Digital Homicide gegen den Rest der Welt 8:38 Steams schlimmster Entwickler - Digital Homicide gegen den Rest der Welt

Wir sind gespannt, ob Valve die Kontroverse um Active Shooter nun zum Anlass nimmt, Steam Direct noch einmal zu überarbeiten und die eigenen Kriterien zu verschärfen.

GameStar-Podcast: Fake-Games auf Steam - Verliert Valve die Kontrolle?


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