Stellenabbau bei Massive: Nach Star Wars Outlaws zieht Ubisoft die falschen Schlüsse und wird dafür teuer bezahlen

Der Publisher streicht Stellen, um die Finanzen aufzubessern. Ich befürchte, dass das Unternehmen dadurch aber in ein noch viel größeres Schlamassel gerät.

Es ist ein absoluter Traum, hier zu arbeiten!, frohlockt er übers ganze Gesicht strahlend. Er, das ist ein junger Mann aus Deutschland, der voller Begeisterung als Quest Designer bei Ubisoft Massive im schwedischen Malmö arbeitet.

Im Juni 2024 war das, als ich für zwei Tage beim Studio zu Gast war, um mir Star Wars Outlaws anzuschauen. Das erste Open-World-Spiel im Universum von Star Wars, bombastische Grafik, eine cineastisch inszenierte Story … überall im Studio spüre ich die Begeisterung des Teams und dessen Vertrauen darauf, dass Outlaws der nächste große Ubisoft-Hit wird.

Im Oktober 2025 ist klar: Outlaws konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen – vor allem nicht die finanziellen. Das hat nun Folgen: Ubisoft besiegelt das Ende von Massive, wie wir es kennen.

Wer geht freiwillig über die Planke?

Das Management von Ubisoft hat sich an die Belegschaft von Massive gewandt, um die zukünftige Ausrichtung des 1997 gegründeten Studios zu skizzieren:

  • Der spielerische Fokus soll auf The Division liegen.
  • Die hauseigene Snowdrop Engine wird weiterentwickelt.
  • Unterstützung bei der Technik des Ubisoft Connect Clients.

Das klingt nicht nach einem Studio, das in Zukunft noch große, innovative Spiele kreieren wird. Und weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie viele kreative und passionierte Menschen in Malmö arbeiten, kann ich nur sagen: Das wäre ein herber Verlust für die Spielebranche.

Apropos Menschen: Die sollen bitte gehen. Statt aber Kündigungen auszusprechen, bietet man den Beschäftigten bei Massive an, man könne ja freiwillig den Hut nehmen. Ubisoft nennt das im PR-Sprech Freiwilliges Programm zum beruflichen Wechsel. Auf Nachfrage wollte uns Ubisoft keine genaueren Infos zu Art und Umfang des Programms nennen.

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Die Zukunft von Massive sieht nun ganz offiziell wie folgt aus:

  • The Division 2
  • The Division 2: Survivors
  • The Division Resurgence
  • The Division 3

Neben Assassin's Creed und Far Cry setzt Ubisoft seine wirtschaftlichen Hoffnungen also auf ein weiteres Franchise, das Titel für Titel am Fließband produzieren soll. Ich bin mir sicher: Ubisoft verliert durch diesen Schritt auf lange Sicht mehr, als es auf kurze Sicht gewinnt. Das Problem: Kluge, kreative Menschen verlassen das Unternehmen

Video starten 1:19:47 Absturz von Ubisoft: Wie geht's jetzt weiter?

Was bleibt, wenn die Menschen gehen?

Oft wird in dem Zusammenhang vom englischen Begriff Brain drain gesprochen. In diesem konkreten Fall wird damit die Abwanderung von fähigen Köpfen bei Ubisoft bezeichnet.

Wer Beschäftigte feuert, spart zwar Geld ein, verliert aber auch potenzielle Ideen und Talente, die anderswohin abwandern. Ein Verlust, der sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt und dadurch von Chefetagen und Aktionären oft übersehen wird. Ubisoft läuft Gefahr, in diese Falle zu tappen – wenn nicht bereits geschehen.

Wer bei Massive von Bord geht, wird anderswo seine Visionen umsetzen, vielleicht den nächsten großen Hit erschaffen und die Lorbeeren ernten. Das Team von Prince of Persia: The Lost Crown wurde aufgelöst, als klar wurde, dass der Kritikerliebling kein Kassenschlager wird. Statt die kreativen Köpfe hinter den gefloppten Titeln XDefiant und Skull and Bones zu behalten, trennte man sich von ihnen.

Bei Ubisoft setzt man alle Hoffnungen wohl immer noch auf das x-te Far Cry, Assassin's Creed und The Division, während die Kasse immer leerer wird. Mit Folgen: Der französische Publisher muss sich von Tencent unter die Arme greifen lassen, während der langjährige Erzrivale Electronic Arts kürzlich an die Saudis verkauft wurde:

Podcast

Übernahme von Electronic Arts: Das kann ja heiter werden

Der saudische Staatsfonds übernimmt Electronic Arts, ein Novum in der Spielegeschichte. Wir diskutieren Erwartungen, Hoffnungen und Sorgen. Vor allem um Bioware. Und eine kleine Korrektur: Das Zitat, Battlefield-Spieler fürs Nachladen bezahlen zu lassen, stammte vom vorherigen EA-Geschäftsführer John Riccitiello, nicht von Andrew Wilson.

Wenig Output, hohe Kosten

Nach wie vor schifft Ubisoft in unruhigen finanziellen Gewässern. Die französische Galeere droht, bei der nächsten großen Welle zu kentern.

Assassin's Creed ist das einzige noch halbwegs verlässliche Zugpferd. Far Cry 7 kommt nicht in die Gänge, das von Fans heiß ersehnte Splinter Cell Remake soll kürzlich bereits zum zweiten Mal den Game Director verloren haben. Vom 2017 (!) angekündigten Beyond Good & Evil 2 fange ich gar nicht erst an. Ubisoft hat hohe laufende Kosten, aber wenig Output.

Angesichts dieser Probleme wirken Stellenstreichungen zunächst wie eine sinnvolle Maßnahme. Doch meines Erachtens gibt es nachhaltigere Wege, die Ubisoft beschreiten sollte.

Gesundschrumpfen - aber richtig

Mit dem Finger auf Ubisoft zeigen und meckern ist leicht, Alternativen aufzeigen hingegen schwieriger. Umso wichtiger ist es mir, auch diese Seite der Medaille zu beleuchten.

  • Beim Management anfangen: Teure Spieleprojekte, die in der Entwicklungshölle feststecken und haufenweise Geld verbrennen, gehen nicht auf die Kappe von unfähigen Mitarbeitern. Statt viel zu spät das Handtuch zu schmeißen und Personal zu entlassen, sollte Ubisoft der Projektführung stärker auf die Finger schauen.
  • Auf Fans statt Analysten hören: Die Spielewelt braucht nicht noch einen überstilisierten, kunterbunten Multiplayer-Shooter oder einen Piratenschiff-Simulator, der hunderte Millionen Dollar in der Entwicklung kostet. Wo bleibt das nächste Rayman? Was ist mit dem Splinter Cell Remake, das 2021 angekündigt wurde? Wie wäre es mal wieder mit einem (guten!) Die Siedler? Die Nachfrage ist da, aber Ubisoft sieht sie offenbar nicht.
  • Kleiner, aber mehr: Ein Assassin's Creed verkauft sich millionenfach, ist aber auch ein gewaltiges Risiko. Floppt so ein Großprojekt, könnte es das Ende für Ubisoft bedeuten. Der Publisher sollte seine zweifellos vorhandenen Talente sinnvoll im Unternehmen aufteilen und nach und nach wieder verstärkt auf mittelgroße Titel setzen, um nicht mehr so sehr von einer Marke abhängig zu sein.

Ich wünsche den hunderten talentierten Menschen bei Ubisoft, dass in der Chefetage irgendwann doch noch ein Umdenken stattfindet. Damit es auch weiterhin ein Traum bleibt, dort zu arbeiten.


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