Verschobener Fokus
Eine ohnehin schon zum Bersten gefüllte Finalstaffel (man erinnere sich an die Menge an Charakteren, die bei Wills Coming-out-Szene dabei waren) fand derweil trotzdem noch Zeit, um neue Fokuscharaktere einzuführen.
So nimmt Mikes kleine Schwester Holly in Staffel 5 von Stranger Things eine Schlüsselrolle ein; ihre Screentime und die des Fan-Favoriten Derek gehen zulasten des restlichen Casts.
Die Intention dahinter ist klar: Die Macher wollten das Gefühl der ersten Staffel rekonstruieren, als die Kinder tatsächlich noch Kinder waren. Doch dieser Versuch knappst dem bekannten Main Cast kostbare Zeit ab. Da bleibt kein Platz für subtile Dialoge, stattdessen wird der Holzhammer herausgeholt. Und wenn dazwischen mehr Logiklücken als sonst klaffen, dann ist das eben so.
Ich finde: Wer nach fast zehn Jahren noch einer Serie folgt, will in dessen Finale doch möglichst lange mit den persönlichen Lieblingen verbringen, deren Werdegang man über die fünf Staffeln hinweg genauestens verfolgt hat.
Das Problem dabei: Es gibt einfach zu viele von ihnen.
Der Spannungskiller
Stranger Things kennt kaum Konsequenzen. Das ist zum einen verständlich: Die Netflix-Serie will kein gnadenloses Game of Thrones sein, sondern eine nostalgische Feel-Good-Verbeugung vor Spielberg-Filmen und dem Sprit der 80er-Jahre. Zum anderen trägt es aber auch zum Gefühl der Überfüllung bei.
So bedrohlich das Upside Down und die dort ansässigen Monster anfangs noch scheinen, so zahnlos erweisen sie sich, wenn der Main Cast in Gefahr gerät. Sheriff Hopper überlebt eine Explosion und ein russisches Straflager, Max wird durch die Kraft der Freundschaft ins Leben zurückgeholt. Eleven, Steve, Will ... ich kann die vielen Fake-Todesszenen der Serie kaum mehr auseinanderhalten.
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Selbst wenn ihr 300 Euro für Legos Stranger-Things-Haus ausgeben wollt, könnt ihr es aktuell nicht kaufen
Wenn die visuelle Gewalt der Spezialeffekte zunimmt, die Demorgogonen in Sekunden Dutzende bewaffnete Soldaten auseinanderreißen, aber die persönliche Gefahr für die Helden im Promillebereich liegt, entsteht bei mir eine emotionale Distanz wie in den späteren Staffeln von The Walking Dead. Ist doch eh alles egal.
Es ist offensichtlich, dass die Auroren ihre Figuren nach all den Jahren ebenso liebgewonnen haben wie die Zuschauer, und sich daher schwertaten, auch nur eine aufzugeben. Sie hatten daher am Ende das Luxusproblem der zu großen Auswahl - und das hat für mich dazu beigetragen, dass Staffel 5 die für mich schwächste Season ist.
Durch den Tod mancher Hauptfigur hätte Stranger Things das Problem seines zu großen Casts vermeiden können. Aber dann wäre daraus wohl auch eine ganz andere Serie geworden.
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