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Subnautica-Schlammschlacht: CEO gibt ChatGPT-Nutzung zu, Krafton kontert mit Rassismus-Vorwürfen und »nuklearer« Klage

Der Rechtsstreitum Subnautica 2 eskaliert. Der Krafton-CEO gibt ChatGPT-Nutzung zu, während neue Akten dem Gründer Rassismus, Sabotage und »nukleare« Pläne vorwerfen.

Charlie Clevelands Anwälte teilten gehörig gegen Krafton aus. Jetzt schießt der Publisher mit voller Wucht zurück. (Bild: Wikipedia) Charlie Clevelands Anwälte teilten gehörig gegen Krafton aus. Jetzt schießt der Publisher mit voller Wucht zurück. (Bild: Wikipedia)

Der Rechtsstreit um Subnautica 2 zwischen dem Publisher Krafton und den Gründern des Entwicklerstudios Unknown Worlds hat eine neue Eskalationsstufe erreicht, die man sonst nur aus TV-Dramen kennt.

Innerhalb von nur 24 Stunden hat sich die Lage dramatisch zugespitzt: Zuerst bestätigten Gerichtsprotokolle, dass Krafton-CEO Changhan Kim tatsächlich ChatGPT nutzte, um Möglichkeiten zur Streichung von Mitarbeiter-Boni zu prüfen.

Fast zeitgleich startete Krafton eine massive Gegenoffensive und veröffentlichte private Notizen des Subnautica-Erfinders Charlie Cleveland, die Vorwürfe von Rassismus, Arbeitsverweigerung und geplanter Erpressung untermauern sollen.

Das ChatGPT-Geständnis: »Wie bei einer Google-Suche«

Zunächst wies Krafton Berichte zurück, der CEO habe eine KI konsultiert (wir berichteten), um Zahlungen an das Studio zu vermeiden. Doch im Kreuzverhör musste Changhan Kim nun die Karten auf den Tisch legen.

Laut den Gerichtsprotokollen, die GameStar durch Krafton zur Verfügung gestellt wurden, gab der CEO zu, ChatGPT genutzt zu haben, um »schnellere Antworten« zu erhalten, welche Rechte das Unternehmen habe. Kim verteidigte dies mit den Worten:

»Ich denke, genau wie jeder andere auch, nutze ich ChatGPT, um schnellere Antworten oder Reaktionen zu bekommen, genau wie bei einer Google-Suche.«

Doch was er suchte, war alles andere als harmlos.

Die Anwälte der Gegenseite konfrontierten den CEO mit einer internen Nachricht vom 2. Juni an Maria Park, die Leiterin der Unternehmensentwicklung bei Krafton. Darin bezog sich Kim direkt auf die Ratschläge des Chatbots bezüglich der sogenannten »Earn-out«-Zahlungen – jener Boni, die den Gründern bei Erfolg zustehen sollten.

Kim schrieb: »ChatGPT fängt jetzt an zu antworten, dass es schwierig ist, den Earn-out zu stornieren. Wenn dem so ist, ist das ein Vertrag, bei dem wir nur herumgeschubst werden können.«

Krafton-Ceo Chang-han Kim. Krafton-Ceo Chang-han Kim.

Dies bestätigt den Verdacht der Kläger: Die KI wurde nicht für allgemeine Recherchen genutzt, sondern spezifisch mit der Frage gefüttert, ob und wie man die vertraglich zugesicherten Boni streichen kann. Die Motivation dahinter war laut früheren Berichten die Angst davor, als verhandlungsstarker Manager sein Gesicht zu verlieren.  

Auf die Frage, wo diese Chatverläufe seien, gab Kim an, er habe sie gelöscht. Seine Begründung: Er habe von OpenAI gelernt, dass Informationen zum Training genutzt werden könnten. Er habe daher jene Anfragen gelöscht, die »wichtige Informationen über sein Unternehmen« enthielten. Für die Gegenseite wirkt dies wie gezielte Beweisvernichtung, da andere, harmlosere Chats aus demselben Zeitraum noch existieren.

Video starten 22:55 Subnautica 2 - Vorschau-Video: Über dem Traumspiel schwebt eine düstere Wolke

Kraftons »nuklearer« Gegenschlag: Die Cleveland-Akten

Krafton ließ dieses PR-Desaster nicht unbeantwortet. In einer Gegenoffensive veröffentlichte der Publisher Dokumente und Zeugenaussagen, die ein verheerendes Bild von Charlie Cleveland, dem Gründer und ehemaligen Chef von Unknown Worlds, zeichnen. Die Vorwürfe reichen von rassistischen Entgleisungen bis hin zur gezielten Vorbereitung einer »nuklearen« Rechtsstreitigkeit.

Das wohl brisanteste Beweisstück ist ein Dokument mit dem Titel »Litigation Help« (Prozesshilfe), das Cleveland bereits vor seiner Entlassung verfasst haben soll und das GameStar ebenfalls vorliegt. Darin finden sich Notizen, die Krafton als Beweis für eine tiefe Voreingenommenheit gegenüber dem Mutterkonzern anführt.

1. »Suizidgefährdete« Mitarbeiter abwerben

Einer der bizarrsten Punkte in den veröffentlichten Notizen betrifft den Umgang mit dem eigenen Team. Cleveland notierte einen radikalen Plan für den Fall der Kündigung:

»Sobald wir gefeuert sind, können wir uns um die Mitarbeiter kümmern, die suizidgefährdet sind. Eine neue Firma gründen und sie einstellen.«

Im Gerichtssaal wurde Cleveland darauf angesprochen, ob er plante, direkt nach dem Rauswurf eine Konkurrenzfirma zu gründen und Mitarbeiter abzuwerben. Cleveland verteidigte sich damit, dass dies nicht seine eigene Idee gewesen sei.

Er habe lediglich Ratschläge von Owen Mahoney (dem ehemaligen CEO von Nexon) protokolliert, den er als strategischen Berater konsultiert hatte. Mit »suizidal« war hierbei wohl metaphorisch gemeint, dass die Mitarbeiter unter der Führung von Krafton extrem unglücklich seien würden.

Dennoch wertet Krafton dies als Beleg dafür, dass Cleveland aktiv plante, das Studio zu destabilisieren, statt am Erfolg von Subnautica 2 zu arbeiten.

2. »Korea ist der Joe Pesci der Länder.«

In Clevelands Notizen finden sich zudem drastische Aussagen über den südkoreanischen Mutterkonzern. Dort heißt es:

  • »Korea – sie sind der Joe Pesci unter den Ländern. Charmant, bis sie unglaublich fies werden.«.
  • Weiterhin finden sich wirre Theorien darüber, dass koreanische Männer »Problemlöser« seien und »weniger Emotionen« zeigten, wofür es »biologische Gründe« gebe.  
  • Er äußerte die Hoffnung, ein Gericht in Delaware würde Krafton als »einen Haufen sadistischer koreanischer Arschlöcher« betrachten.  

Auch hier argumentierte Cleveland, er habe lediglich Ratschläge Dritter notiert, um die Geschäftskultur besser zu verstehen.

3. Die 1-Milliarde-Dollar-Strategie

Während es offiziell um vertraglich vereinbarte Boni (Earn-outs) ging, scheinen die Ambitionen der Entwickler laut den Notizen weitaus größer gewesen zu sein.

In einer Passage heißt es explizit: »Geh nicht nur auf den Earn-out – geh auf 1 Milliarde Dollar für emotionalen Stress und Schaden. Das ist die Einstellung, die wir brauchen. Nuklear.«.  

Krafton argumentiert nun: Der Gründer wollte gar keine gütliche Einigung oder das Spiel fertigstellen. Er habe vielmehr einen massiven Rechtsstreit geplant, um eine Summe zu erstreiten, die weit über den vereinbarten 250 Millionen Dollar lag.

4. »Semi-Retired«: Arbeitete der Chef überhaupt noch?

Für Fans, die auf Subnautica 2 warten, sind die Details über den Arbeitsalltag des ehemaligen Studio-Chefs besonders ernüchternd. Im Kreuzverhör und durch private Nachrichten wurde enthüllt, dass Cleveland sich intern bereits als »semi-retired« (im Teil-Ruhestand) bezeichnete.  

In einer E-Mail an seine Familie schrieb er im Juli 2024: »Ich habe meine Arbeit formell von Vollzeit auf 1/4-Zeit reduziert. Ich mache keine Videospiele mehr. […] Es ist nicht viel Arbeit, aber ich genieße es wirklich«. Statt am Spiel zu arbeiten, soll er sich auf Drehbücher für einen KI-Zombiefilm und ein KI-Weihnachtsprojekt konzentriert haben.  

Gleichzeitig soll er jedoch gegenüber Krafton den Anschein gewahrt haben, weiterhin als CEO und Game Director die volle Verantwortung zu tragen. Krafton sieht darin einen klaren Vertragsbruch: Man habe ein Studio samt visionärem Anführer gekauft, dieser habe aber das Schiff längst verlassen und sich auf private Filmprojekte konzentriert, während er weiter sein Gehalt bezog.  

5. 100.000 Dateien und gelöschte Prototypen

Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf betrifft den Umgang mit Firmendaten. Kurz vor seiner Entlassung soll Cleveland rund 99.000 Dateien von den Firmenservern auf private Geräte heruntergeladen haben. Darunter befand sich laut Gerichtsprotokollen nicht nur E-Mail-Verkehr, sondern auch der Quellcode vergangener Spiele.  

Noch pikanter: Cleveland gab zu, nach seiner Kündigung noch Zugriff auf Systeme gehabt und dort Daten gelöscht zu haben – darunter einen Design-Prototypen für Subnautica 2. Während Krafton dies als Sabotage wertet, erklärte Cleveland, er habe lediglich »persönliche« Daten sichern wollen, um sich gegen die erwartete Schlammschlacht zu verteidigen.  

Das irre Finale: »Ich will meinen Job zurück!«

Trotz all dieser Vorwürfe – Rassismus, Arbeitsverweigerung, Datendiebstahl und der Planung einer Konkurrenzfirma – fordert Charlie Cleveland vor Gericht eines: Er will wieder als Chef von Unknown Worlds eingesetzt werden.  

Im Prozess erklärte er diesen Sinneswandel damit, dass ihm durch den Rauswurf klar geworden sei, wie sehr er das Spiel noch liebe:

»Ich glaube, ich hatte damals nicht realisiert, wie sehr ich Subnautica immer noch liebe. Und jetzt, wo es uns entrissen wurde, kann ich es kaum erwarten, wieder daran zu arbeiten. Ich bin Feuer und Flamme, es zu reparieren.«

Die Situation ist also komplett verfahren: Krafton fragt sich, wie man jemanden wieder einstellen soll, der angeblich »suizidale« Mitarbeiter abwerben wollte und koreanische Kollegen beleidigte. Und Cleveland argumentiert, dass nur er und sein Team das Spiel und die Moral der Truppe retten können.

Das Spiel ist nun Geisel eines der hässlichsten Rechtsstreits der jüngeren Gaming-Geschichte. Krafton betont zwar, dass die Entwicklung unter neuer Führung »unglaubliche Fortschritte« mache, doch der bittere Nachgeschmack bleibt.

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