In Staffel 5 von The Boys gibt es eine neuen Supe, der auf den wenig schmeichelhaften Namen Wurm hört und für Vought miserable Filme schreibt. Dabei jammert er mehr als einmal darüber, wie schwer es doch sei, seine ach so komplexen Geschichten zu einem befriedigenden Ende zu führen.
Nachdem ich sechs der insgesamt acht letzten Folgen von The Boys gesehen habe, wirkt das wie ein Zugeständnis.
Denn bisher fühlt sich die fünfte Season nicht wie ein Finale, sondern nach mehr vom Alten an. Und das lässt mich als großen Fan der Amazon-Serie mit arg gemischten Gefühlen zurück.
Was ihr zu Staffel 5 von The Boys wissen solltet
Bevor es ans Eingemachte geht, hier erstmal die wichtigsten Fakten:
- The Boys: Staffel 5 startet am 8. April 2026 bei Prime Video.
- Los geht’s mit zwei Folgen auf einmal, der Rest der insgesamt acht Episoden folgt dann im Wochentakt.
- Ja, dabei handelt es sich wirklich um die allerletzte Staffel für The Boys – danach ist Schluss.
- Amazon werkelt nach Diabolical und Gen V fleißig an weiteren Spin-offs. Das Prequel Vought Rising könnte bereits 2027 nachziehen.
Alles klar soweit? Dann bringe ich euch mal bezüglich der Story auf den aktuellen Stand: Zwischen dem Finale von Staffel 4, in dem Homelander (Antony Starr) die Kontrolle über das Weiße Haus an sich gerissen hat, und dem Auftakt der fünften Season liegt circa ein Jahr.
Während Starlight (Erin Moriarty) einen verzweifelten Widerstand gegen das Vought-Regime aus dem Untergrund anführt, plant Butcher (Karl Urban) die im Konzentrationslager inhaftierten Boys rauszuhauen. Denn dank dem in Gen V etablierten Supe-Virus sieht er die beste Chance, Homelander in die Knie zu zwingen. Das schafft Butcher jedoch nicht alleine …
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The Boys: Kurz vor dem Release von Staffel 5 gibt's einen blutigen Rückblick was bisher geschah
Es hat nur bis zur letzten Staffel gedauert ...
Kommen wir erstmal zum Positiven: In Staffel 5 von The Boys liefert mir die Amazon-Serie endlich etwas, auf das ich seit mehr als sieben Jahren warte! Viel zu oft habe ich vermisst, dass sich die Boys gemeinsam gegen den Rest der Welt stellen und etwa gezielt Supes überwachen, einen Plan aushecken und letztendlich über sie herfallen. Das haben die (meist zu recht viel kritisierten) Comics von Garth Ennis tatsächlich besser hinbekommen.
Klar, gelegentlich ist es schon mal vorgekommen, dass Butcher, Hughie (Jack Quaid), MM (Laz Alonso), Frenchie (Tomer Capone) und Kimiko (Karen Fukuhara) an einem Strang ziehen. Jetzt geben sie als eingespielte Truppe den Takt an – und das kommt in der letzten Staffel endlich so richtig zur Geltung.
Natürlich kommt es erneut zu diversen internen Konflikten. Aber bei einem derart dysfunktionalen Team kommt das genauso überraschend wie ein herzliches »Cunt« über Butchers Lippen. Doch die Streitigkeiten werden entweder schnell aufgelöst oder zugunsten des Konflikts mit Homelander hinten angestellt. Es gibt also wieder Drama, aber eben nicht zu viel Drama.
Gleichzeitig nimmt sich The Boys weiterhin nicht zurück, was die dringend notwendige Gesellschafts- und Kapitalismus-Kritik angeht. (Und ich bin mir der Ironie freilich mehr als bewusst, dass ich das bei einer Streaming-Serie lobend hervorhebe, die bei Amazon Prime Video läuft).
Von Subtilität kann hier, wie gewohnt, nicht die Rede sein, wenn ein egomanisches Riesenbaby über die USA herrscht und jeden Andersdenken in Camps schmeißen lässt. Oder wenn The Deep (Chace Crawford) als stolzer Besitzer eines Cybertrucks in seinem Dudebro-Podcast mit Black Noir (Nathan Mitchell) derart dämliche Takes raushaut, dass ihn Netflix zum Hauptdarsteller von Inside the Manosphere hätte machen können.
The Boys ist dabei so bissig und kompromisslos, wie wir es von der ultrabrutalen Anti-Superhelden-Serie gewohnt sind. Dabei kommen wir aber gleich zum großen Knackpunkt: Denn die letzte Staffel wirkt zumindest in den ersten sechs von insgesamt acht Episoden nicht wie das große Finale, sondern fast schon wie eine Filler-Season.
Noch(!) kein richtiges Finale-Feeling
So frustriert mich am meisten, dass wir uns zwar jetzt in Homelanders Amerika wiederfinden (sollen), es im direkten Vergleich zu den vorangegangenen Seasons aber eigentlich keinen spürbaren Unterschied gibt. Homelander macht weiter konsequenzlos das, was er nun mal so tut, während die Boys weiter das tun, was sie nun mal so tun.
Okay, vor allem die erste Folge spielt sich in einem Vought-Konzentrationslager ab, wo die Grenze des guten Geschmacks bis zum Bersten gebogen wird. Und gelegentlich werden Protestanten am Straßenrand eingebuchtet und weggeschafft. Doch damit scheinen die Serien-Verantwortlichen »ihre Pflicht erfüllt« zu haben.
Denn das Vought-Regime bleibt darüber hinaus vor allem abstrakt und wir müssen uns im direkten Kontrast zum bewährten »Show-don’t-tell«-Prinzip darauf verlassen, dass schon stimmt, was Starlight darüber behauptet.
Dabei machen doch andere TV-Serien wie Andor oder brandaktuell Daredevil: Born Again beispielhaft vor, wie sich ein derartiges Szenario perfekt für den Zuschauer übersetzen lässt. Verdammt, selbst The Boys hat in Staffel 2 eine bedrückendere Auf-der-Flucht-und-im-Untergrund
-Atmosphäre hinbekommen, als sich Butcher, Hughie und Co. wegen des vermeintlichen Mordes an Madelyn Stillwell (Elisabeth Shue) nur vor dem Gesetz und den Seven verstecken mussten!
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The Boys: Im neuen Trailer zum Serienfinale steht Homelander kurz vor seinem finsteren Triumph
Insgesamt wirkt der übergeordnete Plot von Staffel 5 recht unbeholfen: Zuerst muss der McGuffin aus Staffel 4 zeigen, ob er überhaupt das kann, was er verspricht. Dann wird auf einmal ein neuer McGuffin relevant, dem nun beide Seiten hinterherjagen. Doch um an den heranzukommen, muss erstmal ein ganz bestimmter Kerl ausfindig gemacht werden, der damit quasi ebenfalls zum McGuffin wird. Puh.
Und das wird ungelogen auf sechs satte Episoden ausgewälzt! Dabei hätte man in Homelanders Amerika beim letzten verzweifelten Kampf gegen Vought so viel spannendere Sachen erzählen und vor allem zeigen können …
Zum Beispiel Butcher, der dank seiner permanenten Krebs-Kräfte mit Supes den Boden aufwischt. Einen echten Widerstand, der nicht nur offscreen stattfindet und mehr Präsenz als Textnachrichten oder Annies resignierte Seufzer einnimmt. Oder, was eigentlich der Rest der Welt davon hält, dass nun alles und jeder nach Homelanders Pfeife tanzen soll.
Doch einen großen Knall, wie ihn die offiziellen (und unverschämt stimmungsvollen) Poster zur fünften Staffel versprechen, gibt es zumindest in den ersten sechs Episoden nicht. Denn dafür fehlt es einer der erfolgreichsten Amazon-Serien überhaupt laut dem Showrunner offenbar an Budget. Uff.
Stattdessen folgt eine komplette Folge(!) einem Anthology-Format, die ein paar mehr, aber vor allem weniger wichtige Nebencharaktere ins Rampenlicht rückt.
Okay, fairerweise wird hier der (sehr dünne) Hauptplot ebenfalls vorangetrieben. Doch so ein Exkurs ist in der allerletzten Staffel vor den allerletzten Episoden absolut deplatziert und der beste Beweis, dass die Serienverantwortlichen offensichtlich nichts mehr zu erzählen haben.
Aber natürlich fehlen mir für ein endgültiges Staffel-Fazit die beiden letzten Folgen von Staffel 5 und damit der ganzen Serie. Ob eine meiner absoluten Lieblingsserien, da das Ruder noch herumgerissen bekommt, hoffe ich natürlich von ganzem Herzen! Aber Junge, gerade überwiegen vor allem meine Ernüchterung und - ich sage es, wie es ist - meine Enttäuschung.
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