Für einen kurzen Moment sah es so aus, als wäre einer der bekanntesten Dauer-Banns auf Twitch Geschichte: Der Politik-Streamer Destiny, bürgerlich Steven Bonnell II, war nach rund vier Jahren am Donnerstagabend wieder auf der Plattform entsperrt. Sein Kanal war zeitweise erreichbar, Fans reagierten sofort euphorisch – und dann war alles auch schon wieder vorbei.
Denn kurz darauf wurde der Account wieder gesperrt: Twitch-Chef Dan Clancy erklärte anschließend, der Unban sei ein Fehler gewesen: Ein Mensch habe beim Entsperren einen Fehler gemacht, der schnell entdeckt und korrigiert worden sei.
Damit wäre die offizielle Version ziemlich simpel: Destiny hätte gar nicht zurückkehren sollen, sein Account wurde versehentlich freigegeben und anschließend wieder dichtgemacht.
Wirklich ruhig wurde es danach aber natürlich nicht.
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- Wer ist Destiny und warum wurde er überhaupt gebannt?
- Warum ist der Bann so kontrovers?
- Zuschauer wittern eine Verschwörung
- Twitch hat ein altes Vertrauensproblem
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Wer ist Destiny und warum wurde er überhaupt gebannt?
Destiny ist einer der ältesten und bekanntesten Politik-Streamer im englischsprachigen Raum. Ursprünglich kam er aus der Gaming-Ecke, wurde aber später vor allem für politische Debatten bekannt.
Inhaltlich wird er meist dem liberalen bis sozialdemokratischen Spektrum zugerechnet, und er streitet sich regelmäßig mit Rechten, Linken, Sozialisten, MAGA-Anhängern und Tech-Milliardären gleichermaßen.
Destiny wurde im März 2022 dauerhaft von Twitch gesperrt: Als offizieller Grund wurde damals hasserfülltes Verhalten genannt. Twitch selbst erklärte aber nie, welche konkrete Szene oder Aussage den Ausschlag gab.
Destiny selbst vermutet, dass eine Aussage über die transsexuelle Schwimmerin Lia Thomas der Grund sein könnte. Ihr Sieg in einem Wettbewerb im Jahr 2022, bei dem sie sogar Emma Weyant (Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2020) hinter sich ließ, spaltete damals die USA. Destiny vertrat die Meinung, dass trans Frauen und cis Frauen nicht in denselben Wettbewerben antreten sollten.
Eine weitere Theorie: Destiny hatte kurz vor dem Bann mehrere umstrittene und teils bereits gesperrte Persönlichkeiten in seinem Stream, darunter den rechtsextremen Nick Fuentes.
Wichtig dabei: Destiny war nicht mit Fuentes auf Sendung, weil er dessen Weltbild teilen würde. Sein Format lebt seit Jahren davon, politische Gegner direkt zu konfrontieren – gerade auch aus extrem rechten oder verschwörungsideologischen Milieus.
Destiny argumentiert seit Langem, dass solche Debatten nicht in erster Linie den Gegner überzeugen sollen, sondern das Publikum, das zuschaut. Genau für diesen konfrontativen Debattenstil wurde er in der Vergangenheit auch immer wieder als frühe Gegenstimme zur rechten YouTube- und Gaming-Szene beschrieben.
Warum ist der Bann so kontrovers?
Der Bann ist vor allem deshalb kontrovers, weil viele Zuschauer Twitch seit Jahren Doppelstandards vorwerfen. Destiny blieb über vier Jahre gesperrt, obwohl Twitch den konkreten Auslöser nie öffentlich erklärte – während andere große Streamer nach heftigen Kontroversen oft nur kurz oder gar nicht verschwanden.
Als Beispiel nennen Fans aktuell Asmongold: Erst vor wenigen Tagen verbreitete sich ein Clip, in dem ihm vorgeworfen wurde, Schwarze als »genetisch minderwertig« bezeichnet beziehungsweise einer entsprechenden Aussage zugestimmt zu haben. Asmongold widersprach später der Darstellung, viele Zuschauer forderten trotzdem Konsequenzen von Twitch.
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Auch Hasan Piker wird in solchen Debatten regelmäßig genannt: Kritiker werfen ihm seit längerem antisemitische Aussagen, Terror-Verharmlosung und den Umgang mit terroristischer Propaganda vor. 2025 wurde er, nachdem auch Mainstream-Medien darüber berichteten, zeitweise von Twitch gesperrt.
Mehr dazu erfahrt ihr hier:
Genau solche Fälle befeuern bei Fans die Frage: Warum bleibt Destiny dauerhaft draußen, während andere große Namen nach Skandalen wieder auf Sendung gehen dürfen?
Zuschauer wittern eine Verschwörung
Dass aus dem Mini-Unban sofort eine größere Twitch-Verschwörung wurde, liegt auch an der langen Feindschaft zwischen Destiny und Hasan Piker. Beide waren früher im selben politischen Streaming-Umfeld unterwegs, haben sich aber über die Jahre komplett zerstritten.
Heute stehen sie für zwei sehr unterschiedliche Lager: Destiny gilt eher als liberaler, extrem debattenfreudiger Streamer, Hasan als deutlich linker, sozialistischer Kommentator mit riesiger Twitch-Reichweite.
Dementsprechend gilt Hasan als auffällig gut vernetzt bei Twitch: Besonders oft wird dabei Twitch-CEO Dan Clancy genannt, dem Kritiker seit Längerem eine Nähe zu Hasan vorwerfen. Das reicht von öffentlichen Sympathiebekundungen bis zu der Behauptung, Clancy sei geradezu ein Fan des Streamers.
Als Beispiel führen sie neben Interviews vor allem einen Clip an, in dem Clancy und mehrere Twitch-Mitarbeiter Hasan ein Geburtstagsständchen singen – für viele Kritiker ein Symbol dafür, dass Hasan bei Twitch eine Sonderrolle genießt.
Genau in diese Stimmung platzte ein Clip, der kurz nach Destinys kurzzeitigem Unban die Runde machte: Hasan erfährt darin offenbar, dass Destiny wieder auf Twitch entsperrt wurde, und reagiert erst einmal mit sichtbarer Irritation.
Er ärgert sich nicht nur über die Entsperrung, sondern attackiert auch Twitch – sinngemäß nach dem Motto: »Wen interessiert’s? Die Plattform ist ohnehin schlecht.«
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Kurz darauf verbreitete sich ein weiterer Clip: Hasan schaut auf sein Handy, schreibt offenbar Nachrichten und lächelt wenig später. Für viele Destiny-Fans war das genug, um eine brisante Theorie loszutreten: Hat Hasan jemanden bei Twitch kontaktiert, damit Destiny direkt wieder verschwindet?
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Belegt ist das nicht. Der Clip zeigt erst einmal nur einen Streamer am Handy – kein Beweis für Einflussnahme.
Trotzdem passte die Szene für viele Fans zu gut in das alte Erzfeind-Narrativ: Destiny taucht nach vier Jahren wieder auf, Hasan regt sich öffentlich darüber auf, greift später zum Handy – und kurz darauf ist der Account wieder gesperrt.
Twitch hat ein altes Vertrauensproblem
Dass die Reaktionen so heftig ausfallen, kommt nicht aus dem Nichts. Twitch-Banns sind seit Jahren ein Daueraufreger, weil viele Nutzer der Plattform Inkonsequenz vorwerfen. Manche Streamer verschwinden dauerhaft, andere kehren nach kurzer Zeit zurück, und oft bleibt unklar, wo genau Twitch die Grenze zieht.
Dan Clancy selbst erklärte bereits 2025, Moderationsentscheidungen könnten in manchen Fällen stark subjektiv sein und Twitch mache dabei auch Fehler. Doch gerade bei großen Namen wie Destiny, Asmongold und Hasan vergleichen die Fans Fälle, suchen nach Doppelstandards und interpretieren jede Kleinigkeit als Hinweis auf persönliche Beziehungen oder politische Schlagseiten.
Wichtig ist: Es gibt bislang keinen belastbaren Beweis dafür, dass Hasan Piker den erneuten Bann ausgelöst hat. Die naheliegendere Erklärung bleibt die von Twitch selbst: Der Unban war ein Fehler.
Aber auch wenn das stimmt, ist der Vorgang für Twitch unangenehm. Denn ein versehentlich entsperrter Langzeit-Bann wirkt bei einem derart prominenten und umstrittenen Streamer nicht gerade souverän. Und dass viele Zuschauer sofort an Einflussnahme glauben, sagt viel über das Vertrauen in Twitch aus.
