The First Descendant: Beim meisterwarteten Steam-Shooter verbirgt die tolle Grafik größere Probleme

Der neue Free2Play-Shooter bedient sich bei Warframe und Destiny und sieht dank Unreal Engine 5 hübsch aus - aber das Test-Fazit fällt trotzdem negativ aus.

The First Descendant hat tolle Steam-Spielerzahlen. Was steckt hinter dem Erfolg des Free2Play-Shooters? Redakteur Christian Fritz Schneider hat für euch den Test gemacht. The First Descendant hat tolle Steam-Spielerzahlen. Was steckt hinter dem Erfolg des Free2Play-Shooters? Redakteur Christian Fritz Schneider hat für euch den Test gemacht.

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Mir hat The First Descendant am Anfang überraschend gut gefallen. Der neue Loot-Shooter von Nexon sieht hübsch aus, ist unerwartet story-lastig und spielt sich richtig flott.

Und großes Interesse an dem Spiel gab und gibt es ja auch. Auf Steam stand The First Descendant auf Platz 5 der meistgewünschten Spiele. Zum Release am 2. Juli gingen die Spielerzahlen auf Steam gleich über 200.000 gleichzeitige Nutzer. Allerdings sind auch über die Hälfte der mittlerweile rund 31.000 User-Reviews negativ. 

Und tatsächlich gibt es einige Probleme. Unter anderem geht dem Free2Play-Spiel nämlich schon nach ein paar Stunden die Puste aus. Das liegt nicht so sehr daran, dass sich The First Descendant großzügig bei Genre-Vorbildern wie Destiny und Warframe bedient, sondern eher daran, dass sich das Spiel zu sehr auf die immer gleichen Elemente verlässt.

The First Descendant - So spielen sich die Abfangeinsätze gegen Bosse im schnellen Boost-Modus Video starten 7:22 The First Descendant - So spielen sich die Abfangeinsätze gegen Bosse im schnellen Boost-Modus

Story? Egal, Hauptsache Action!

Die Missionsaufgaben wiederholen sich ständig, die Oberwelt-Gebiete und auch die Dungeons sind immer gleich aufgebaut und selbst die ganz großen Bosskämpfe fanden bislang immer in derselben Arena zwischen den Dimensionen statt.

Bei The First Descendant geht’s nämlich um den Kampf zwischen der Menschheit und den fiesen Vulgus. Die Vulgus greifen die Menschheit jetzt schon seit 100 Jahren aus einer anderen Dimension an. Normalen Bodentruppen, mittelgroßen Bosse und auch das eine oder andere Raumschiff schaffen es tatsächlich bis zu uns.

Die ganz großen Monster bleiben aber bislang zum Glück zwischen den Dimensionen stecken. Und dort bekämpfen wir sie dann, entweder allein oder mit bis zu drei weiteren Mitspielern, The First Descendant ist nämlich auch ein Koop-Shooter.

Weibliche Charaktere im Spiel kleiden sich recht freizügig. Weibliche Charaktere im Spiel kleiden sich recht freizügig.

Diese großen Bosskämpfe schalten wir im Verlauf der Story nach und nach frei und können sie so oft wiederholen, wie wir wollen oder müssen. Denn auch Grind gehört bei einem Loot-Shooter dazu, besonders bei einem Free2Play-Spiel. Wer sich also neue Helden freispielen will, braucht Ressourcen und die bekommen wir nur mit bestimmten, ziemlich überschaubaren Drop-Raten, entweder in Missionen, Nebenaktivitäten oder Bosskämpfen.

Von diesen Helden gibt’s jetzt zum Start übrigens 15 Stück und dann nochmal 5 in besonderer Ausführung. Und die Herren und Damen sind das Salz in der Suppe von The First Descendant, denn sie bestimmen euren Spielstil über die Wahl der drei tragbaren Waffen hinaus. Jeder Held, also jeder Descendant oder Nachfahre, wie die Figuren in den deutschen Untertiteln heißen, nutzt nämlich vier aktive Fähigkeiten, friert also beispielsweise Gegner ein, wirft Granaten, erzeugt Superlaser oder zündet den Turbo.

Am Anfang habt ihr die Wahl zwischen drei Helden, später bekommt ihr noch sehr schnell die nötigen Herstellungs-Ressourcen für die Heldin Bunny, ohne Grind und vor allem komplett ohne Echtgeld-Kosten. Für die anderen Helden müsst ihr allerdings viel Zeit einplanen. Oder ihr zückt die Kreditkarte. Warum ich das nicht empfehlen kann, erkläre ich euch später. Bleiben wir erstmal bei den Grundlagen von The First Descendant.

Bunny ist die vierte freischaltbare Heldin von The First Descendant. Bunny ist die vierte freischaltbare Heldin von The First Descendant.

Destiny’s Child

Wie schon gesagt, bedient sich das Spiel deutlich bei Destiny und Warframe. Von Destiny kommt die letzte Stadt der Menschheit als Spieler-Hub, wo ihr andere Descendants seht, neue Missionen bekommt, mit besonderen Figuren sprecht und eure Ausrüstung anpasst. Hier könnt ihr Waffen- und Helden-Mods aufwerten, euren Meisterschafts-Rang steigern oder all die anderen Sachen machen, die man in einem Loot-Shooter im Stil von Destiny halt so macht - am Ende läuft das ja alles auf viel Zahlenschubserei hinaus.

Doch nicht nur die Heimatbasis erinnert sofort an Destiny, auch die Oberwelten sind ähnlich aufgebaut. Aktuell ist die Karte von The First Descendant abseits der Heimatbasis in acht Regionen aufgeteilt. 

Die Gebiete zeigen jeweils ein anderes Grafikset, vom verregneten Sumpf bis zur trockenen Felswüste. Jede Region ist handgebaut und nochmal in jeweils vier bis fünf kleinere Gebiete untergliedert. Hier erledigen wir dann eine Story-Mission nach der nächsten und schalten auch noch ein paar Nebenaktivitäten für später frei, beispielsweise einen Hordenmodus mit zunehmend stärkeren Gegner-Wellen. 

Das Design der Story-Missionen bedient sich aus einem überschaubaren Pool von ewig wiederholbaren Aufgaben. Wir sollen bestimmte Punkte verteidigen, Proben einsammeln, Generatoren hochjagen oder einfach nur eine zeitlang alles wegballern, was uns der Feind vor die Nase beamt.

The First Descendant - Wir zeigen euch eine komplette Mission im Kampagnen-Modus des Loot-Shooters Video starten 10:49 The First Descendant - Wir zeigen euch eine komplette Mission im Kampagnen-Modus des Loot-Shooters

Diese Aufgaben könnten eigentlich auch zufällig generiert sein und überall stattfinden, sie sind also komplett generisch. Das ist streng genommen kein richtiges Missions-Design, stattdessen zeichnen die Entwickler eher grobe Spielsysteme vor und schütten sie dann in die Level. Mich hat das oft an die Missionen von Suicide Squad: Kill the Justice League erinnert.

Spaß machen die Aufträge trotz der schnell durchschauten und oft sehr ähnlichen Systeme aber trotzdem. Das liegt jedoch eher am rasanten Gameplay, als daran, dass die Aufgaben spannend wären. Es macht halt Laune, Gegner um Gegner mit Schrotflinte, Sturmgewehr, Sniper Rifle oder Vereisungswelle wegzubretzeln.

Das gilt übrigens auch für die kleineren Bosse, die wir am Ende jedes Dungeons treffen. Die Dungeon-Einsätze führen uns in instanzierte Schlauchlevel und am Ende oder auch mal zwischendurch gibt’s dann besondere Gegner, die oft mehrere Phasen oder wenigsten Spezialangriffe auffahren. 

Da muss man dann beispielsweise erstmal ihre Schilde deaktivieren oder vernetzte Lakaien ausschalten, bevor man den Boss direkt angreifen kann. Das erfindet zwar auch alles das Loot-Shooter-Rad nicht neu, macht aber Laune und ist bei jedem Sieg befriedigend. Vorausgesetzt man hat die passende Ausrüstung dabei, denn sonst verwandeln sich diese Gegner mitunter in krasse Bulletsponges und es dauert ewig, ihnen den Lebensbalken wegzuballern.

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