Irgendwie kriegt es Disney nicht gebacken. Nachdem der Mäusekonzern im Jahr 2012 George Lucas die Star-Wars-Lizenz für satte 4,05 Milliarden US-Dollar abgekauft hat, folgte eine ganze Palette an neuen Filmen und TV-Serien. Ein Szenario, von dem ich als kleiner Möchtegern-Jedi nur träumen konnte.
Aber so richtig viel hängen geblieben ist in Anbetracht der Masse an neuem Content eigentlich nicht. Klar, Andor gilt als der beste Sternenkrieg, der seit Episode 5 über unsere Bildschirme flimmerte. Und auch The Mandalorian wird bis zu seinem herzzerreißenden Staffel-2-Finale auf ewig einen Platz in meinem streng selektierten Blu-ray-Regal innehaben.
Doch gerade mit der Sequel-Trilogie hat sich Disney zumindest storytechnisch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der Abschluss der Skywalker-Saga konnte zwar ordentlich Geld in die Kassen spülen, aber hat die Star-Wars-Community zutiefst gespalten.
Und in Kombination mit dem beispiellosen Flop des Solo-Films für Han Solo zog Disney die Notbremse: Mit Kinofilmen war erstmal Schluss, stattdessen fand der Sternenkrieg die letzten paar Jahre exklusiv bei Disney Plus statt.
Jetzt wird die Star-Wars-Strategie schon wieder umgeworfen und statt im Streaming soll uns der ewige Konflikt zwischen Jedi und Sith wieder auf der großen Leinwand begeistern. Wahrscheinlich wegen den zu hohen Kosten für die hauseigenen Serien und der fast ausschließlich maximal durchwachsenen Resonanz.
Der erste Star-Wars-Kinofilm seit Episode 9 ist da
Am 20. Mai 2026 endet also die Kino-Pause von Star Wars und den Anfang macht The Mandalorian & Grogu: Eine Fortsetzung, deren letzte Staffel vor drei Jahren erschien und die zu dem Zeitpunkt aufgrund fragwürdiger Story-Entscheidungen vielen guten Willen verspielte.
Puh. Ihr merkt vielleicht, dass der erste Star-Wars-Film in sieben Jahren nicht unter den besten Bedingungen startet. Aber ob ihr mit The Mandalorian & Grogu euren Spaß habt, kommt letztendlich ganz darauf an, was ihr euch davon erwartet. Denn hier wird nicht das nächste große Kapitel der Sternen-Saga aufgeschlagen, es gibt nur
mehr Mando.
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Der offizielle Trailer zu The Mandalorian & Grogu
Um was geht es in The Mandalorian & Grogu?
Aber beginnen wir erstmal von vorn: In The Mandalorian & Grogu verdingen sich Din Djarin (Pedro Pascal) und sein Findelkind als Freelancer für die Neue Republik. Im Zeitraum zwischen Episode 6 und 7 macht das Duo in den Randgebieten der Galaxie Jagd auf imperiale Warlords, die immer noch für Stress sorgen.
Dabei kreuzt sich ihr Weg mit den kriminellen Hutts, die Mando und Grogu in die richtige Richtung schubsen, wenn sie Jabbas verlorenen Sohn aufspüren: Rotta (Jeremy Allen White), den ihr vielleicht sogar noch als Stinki
aus dem Clone-Wars-Animationsfilm von 2008 kennt. Falls nicht: Ihr habt nichts verpasst.
Muss ich für den Kinofilm die Mando-Serie kennen?
Nö. The Mandalorian & Grogu setzt keinerlei Vorkenntnisse bezüglich The Mandalorian voraus. Es reicht eigentlich völlig, wenn ihr noch grob im Kopf habt, wie die ursprüngliche Trilogie mit Episode 6 »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« geendet hat.
Natürlich hilft es, wenn ihr die Vorgeschichte von Din Djarin und seinem Findelkind kennt und ihr schon über eine emotionale Bindung zu den beiden Charakteren verfügt. Doch der Film liefert euch von Anfang an genügend Informationen und Kontext, um über eine Laufzeit von zwei Stunden und 12 Minuten zu unterhalten.
Für wen ist The Mandalorian & Grogu interessant?
Kommen wir zum großen Knackpunkt: Wenn ihr einfach nur ein neues Abenteuer von Mando und Grogu miterleben wollt, dann könnt ihr euch guten Gewissens ein Kinoticket gönnen. The Mandalorian & Grogu ist letztendlich eine halbe 4. Staffel, die zugunsten des Films zurückgestellt beziehungsweise abgesägt wurde.
Die Action fetzt, der grandiose Score von Ludwig Göransson sogar nochmal mehr und wir werden an ein paar bisher unbekannte Ecken der Star-Wars-Galaxie entführt. Und nein, Mando & Grogu ist wie erwartet nicht ganz so bildgewaltig, wie wir es von vorangegangenen Star-Wars-Filmen gewohnt sind.
Das verhältnismäßig schmale Budget von nur
166 Millionen US-Dollar macht sich immer wieder mal bemerkbar, aber seid versichert:The Mandalorian & Grogu sieht immer noch sehr gut aus … nur eben nicht ganz so gut wie etwa die 306 Millionen US-Dollar teure Episode 7.
Manchmal nimmt das offensichtliche CGI etwas Überhand (das Nacktschnecken-Gerangel werdet ihr allerdings aus anderen Gründen nicht so schnell aus dem Kopf bekommen), das gleichen die wirklich liebevoll detaillierten Sequenzen mit richtigen Puppen-Kreaturen oder gigantischen Stop-Motion-Droiden mit links wieder aus.
Ebenso schafft The Mandalorian & Grogu einen ziemlich beeindruckenden Spagat: Din Djarin darf bei seiner Kopfgeldjagd so hart zulangen, als hätte die Genfer Konvention nie existiert (was im Star-Wars-Universum wahrscheinlich der Fall ist). Gleichzeitig kommen alle Fans, die Baby Yoda oder die Anzellaner (zu denen auch Babu Frik zählt) aufgrund ihrer Niedlichkeit lieben, voll auf ihre Kosten.
Als jemand, der schon von den Ewoks in »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« leicht genervt war, bin ich nicht drumherum gekommen, dabei immer wieder mal mit den Augen zu rollen. Aber eure Jüngsten werden definitiv mindestens genauso glücklich vor sich hin gurren wie Grogu, wenn er blaue Weltraum-Oreos oder die ungeborenen Kinder eines außerirdischen Frosch-Pärchens vernascht.
Seid aber gewarnt: Selbst in Bezug auf die umfassenderen Story-Beats hält sich The Mandalorian & Grogu komplett zurück. So werden beispielsweise die potenzielle Rückkehr von Moff Gideon (Giancarlo Esposito), Bo-Katan Kryzes (Katee Sackhoffs) Herrschaft über Mandalore, Boba Fetts (Temuera Morrisons) neue Karriere als Gangster-Boss oder Grogus Vermächtnis als Mandalorianer/Jedi-Mix zu keiner Sekunde thematisiert.
The Mandalorian & Grogu gleicht einem Großteil der Episoden aus den ersten beiden Staffeln der TV-Serie: Mando und Baby Yoda erleben ein fast komplett in sich geschlossenes Abenteuer – nicht mehr und nicht weniger – und selbst die Struktur des Films gleicht dem Aufbau einer Fernseh-Staffel.
Wenn ihr euch von dem ersten Star-Wars-Film in sieben Jahren und nach Episode 9 mehr erwartet, dann werdet ihr mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht. Hier wird kein neues Kapitel aufgeschlagen, kein Grundstein für die nächste Saga gelegt und auch keine brennende Frage aus den Mando-Seasons 1-3 beantwortet, die euch möglicherweise noch beschäftigt.
Das ist in meinen Augen auch irgendwo ein Problem. Nach der kollektiven Enttäuschung durch die Sequels und einer längeren Kino-Pause hätte die Rückkehr von Star Wars auf die große Leinwand so richtig knallen müssen!
The Mandalorian & Grogu ist letztendlich aber vor allem eines: Nett. Und es würde mich durchaus überraschen, sollte das eine völlig neue Begeisterung für den Krieg der Sterne entfachen.
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