Diesen Artikel schreibe ich mit schmerzendem Handgelenk, nachdem ich mir stundenlang vor dem Rechner sitzend einen abgerackert habe. Nein, nicht was ihr jetzt denkt, ihr Wutzis. Ich habe endlich ein Lenkrad für meine Rennspiele, dass mich in (fast) allen Belangen befriedigt. Ach, Mensch, ich hör gleich auf …
Ich bin seit jungen Jahren Motorsport-Enthusiast. Auch am PC und an der Konsole zocke ich mit Vorliebe Rennspiele - je realistischer, desto besser. Okay, für iRacing fehlt mir dann doch das Können. Aber in Gran Turismo 7, Forza oder den F1-Spielen von Codemasters heißt es für mich immer: Alle Fahrhilfen aus, pfui Deibel!
Trotzdem habe ich bis heute dem Gamepad als Lenkmethode die Stange gehalten. Warum? Weil ich primär F1 fahre und es immer als schrecklich für die Immersion empfand, wenn ich vor dem Rechner mit einem runden Lenkrad hocke. Mit dem Thrustmaster SF1000 ist nun also ein Traum von mir in Erfüllung gegangen: Endlich fühle ich mich durch und durch wie ein echter F1-Pilot. Aber diese Software, puh!
Ein echter Hingucker
Keine Sorge, die pikante Sache mit den schmerzenden Handgelenken kläre ich gleich noch auf. Bleibt einfach schön am Ball. Zunächst geht's um die äußeren Werte, so wie auf den Laufstegen von Mailand, Paris und Düsseldorf.
Das zum jetzigen Zeitpunkt rund 290 Euro teure Lenkrad ist für PS-Päpste wie mich einfach wunderschön anzuschauen. Thrustmaster hat das echte Volant des Ferrari SF1000 aus der Saison 2020 tatsächlich 1:1 nachgebaut. Endlich kann ich DRS auf den Geraden nutzen wie Leclerc und Sainz. Den Boxenstopp kündige ich bequem per Knopfdruck an. Alle Regler und Schalter haben hier eine echte Funktion!
Bei der Optik des Thrustmaster SF1000 gibt es für mich nur ein kleines Manko, das bei dem hohen Anschaffungspreis nicht sein müsste: Die Aufkleber sind nicht alle gerade angebracht, manche sind richtig schepp. Unschön!
Der Aufbau kostet Nerven
Was ist denn nun mit deinen Handgelenken?
, höre ich euch geifernd rufen. Gleich, gleich! Ich habe also die Optik des Lenkrads bewundert und mich dann an den Aufbau gewagt. Gewagt deshalb, weil frühere Lenkrad-Versuche von mir bereits an der Anbringung an meinem Schreibtisch gescheitert sind, da mir das Prozedere zu fummelig und aufwendig war.
Nicht so beim SF1000: Ich setze das Lenkrad einfach auf die Basis, in meinem Fall das kompatible T818, ebenfalls von Thrustmaster. Anschließend muss ich nur noch zwei kleine Metallklemmen am Schreibtisch festdrehen und diese links und rechts an der Basis befestigen - insgesamt ist der Aufbau in nur drei Minuten erledigt!
Problematischer wird es dann aber bei der Software und hiermit sind wir beim dicksten Manko des Thrustmaster SF1000 angekommen. Alles an diesem Produkt schreit Luxus: der Preis, die Verpackung, das Aussehen des Lenkrads. Die Software hingegen erinnert mich an frühere Windows-ME-Zeiten (ja, so schlimm!).
Im Auslieferungszustand hat das SF1000 bei mir schlicht gestreikt. Das LCD-Display blieb schwarz, das Force Feedback setzte nicht ein, F1 23 erkannte das ganze Lenkrad nicht. Hm, nix funktioniert, wie bei Ferrari, super realistisch!
, dachte ich zunächst. Dann schwante mir aber doch: Ne, so soll das nicht sein.
Also habe ich das USB-Kabel ausgesteckt, wieder eingesteckt, den PC neu gestartet, im Internet nach einer schnellen Lösung gesucht und natürlich keine gefunden. Seufz, also doch der beschwerliche Pfad: die Support-Seite eines Hardware-Herstellers.
Ich kürze die rund zwei Stunden dauernde Odyssey an dieser Stelle für euch ab: Ich musste erst eine Software installieren, die dann zunächst die Firmware der T818-Basis aktualisiert hat. Daraufhin musste ich doch tatsächlich das Lenkrad von der Basis abnehmen, hinten aufschrauben, um dort einen USB-C-Anschluss freizulegen, und darüber auch die Firmware des Lenkrads auf den neuesten Stand zu bringen.
Sorry, Thrustmaster, aber für 400 Euro UVP erwarte ich, dass ein Produkt out of the box so funktioniert, wie es Werbung und Bilder auf der Kartonage anpreisen!
Ich hab dich wieder lieb!
Meine Wut verpuffte aber sehr schnell, nachdem ich Hand angelegt hatte. An das Lenkrad!! Aber keine Sorge, ich komme gleich zur heiß ersehnten Klimax dieses Erfahrungsberichtes. Denn wenn das SF1000 funktioniert, ist es ein absoluter Traum (ganz im Gegensatz zum echten Boliden von damals).
Das von mir für den Test genutzte F1 23 erkannte das Lenkrad nun beim Start und richtete alles automatisch ein. Und das Display, meine Lieben, das Display! Es ist einfach unbeschreiblich immersiv. Rundenzeit, Reifentemperaturen, der Ladestand meiner ERS-Batterie und viele weitere Infos werden mir in Echtzeit angezeigt.
Noch nie zuvor konnte ich in ein Rennspiel so sehr eintauchen. Und auch meine Rundenzeiten haben sich gegenüber der Gamepad-Steuerung deutlich verbessert. Je mehr Kurven die Strecke hat, umso größer der Unterschied. In Monza waren es nur rund zwei Zehntelsekunden, in Singapur bereits 1,2 Sekunden!
Das Force Feedback ist Freund und Feind zugleich. Es brilliert, indem es selbst kleinste Unebenheiten im Asphalt und jeden Curb als Vibration durch meinen ganzen Körper jagt. Aber wehe, ich stelle es zu hoch ein. Nach fünf Runden in Spa schmerzen meine Handgelenke höllisch (da habt ihr's!!). Tipp von mir: Stellt den Wert für das FF nicht höher als 50 ein, wenn ihr die F1-Spiele von Codemasters damit zockt. Für andere Titel habe ich keinen Referenzwert.
Die technischen Details des SF1000
Fakten, Fakten, Fakten! Bei einem solchen Technik-Schmuckstück komme ich nicht umhin, auch auf das imposante Datenblatt des SF1000 zu sprechen zu kommen (des Lenkrads, nicht des Boliden, dessen Spec Sheet könnt ihr euch hier in Gänze durchlesen).
Um es mit den Worten eines meiner liebsten YouTuber zu sagen: Werden wir technisch!
- 109 mm großes IPS-LCD-Display, das euch bis zu 69 Informationen in Echtzeit anzeigt. Je nach Spiel sogar mit einem eigenen Skin.
- 3 mm dicke Frontplatte aus echter Karbonfaser, die sich in meinen Fan-Händen einfach fantastisch anfühlt.
- Bis zu 25 Action-Tasten (einschließlich 7 Encoder) für schier unbegrenzte Konfigurationsmöglichkeiten.
- Native Konnektivität (z. B. in F1 23 und den Vorgängern) oder kabellose Telemetrie-Konnektivität.
- Auswechselbare magnetische Schaltwippen aus 100 Prozent Aluminium und zwei anpassbare analoge Schaltwippen.
- Kompatibel mit PC (Windows 10), PlayStation und Xbox (Anschluss via USB-Kabel).
- Kompatibel mit den folgenden Rennlenkrad-Basen der Thrustmaster T-Series: TS-XW, T-GT, T300, TX und TS-PC
- Kompatibel mit den Schaltwippen Thrustmaster T-Chrono Paddles
Was bleibt, ist die Leere
Würde ich die aufgerufene UVP dafür privat blechen? Absolut! Das Tolle ist aber: Inzwischen ist das SF1000 deutlich günstiger zu haben, bei Amazon kostet das gute Stück zum Zeitpunkt dieses Artikels etwa statt 400 Euro nur noch rund 290 Euro. Das Komplettset bestehend aus T818 samt Lenkrad bleibt weiterhin hochpreisig, aber wer hat behauptet, dass Leidenschaften günstig sind?
Transparenz ist wichtig: Für diesen Erfahrungsbericht habe ich von Thrustmaster das Komplettpaket zur Verfügung gestellt bekommen - T818-Basis, das SF1000-Lenkrad und die T-LCM-Pedalerie. Ich konnte die Produkte für mehrere Wochen ungestört nutzen. Nach dem Ausprobieren gingen alle Produkte wieder an den Hersteller zurück.
Aber mir ist auch wichtig zu betonen: Macht euch vor dem Kauf Gedanken, ob ihr das Lenkrad auch wirklich oft nutzen werdet. Gerade das An- und Abmontieren kann schnell den inneren Schweinehund auf den Plan rufen und schlussendlich ärgert ihr euch.
Jetzt sitze ich hier, tippe diesen Erfahrungsbericht und fühle eine peinigende Leere in mir. Okay, ich habe auch mächtig Kohldampf, aber das meine ich nicht. Nein, ich vermisse mein SF1000 schrecklich und die Beziehung zu meinem Gamepad ist nicht mehr wie zuvor. Ob es mir den Seitensprung übel nimmt?
Beim Fahren schaue ich ständig an mir herunter. Dort prangt nur ein leuchtendes Xbox-Symbol, kein Ferrari-Emblem. Wie langweilig. Ich vermisse meine schmerzenden Hände.
Fazit der Redaktion
Sören Diedrich
@GameStar_de
Eine echte F1-Erfahrung in meinen eigenen vier Wänden. Ja, das SF1000 von Thrustmaster konnte mich in Sachen Immersion und Funktionsreichtum auf ganzer Linie überzeugen. Noch dazu ist es ein echter Hingucker und schmiegt sich in meine zarten Hände. Eine uneingeschränkte Empfehlung von mir an euch? Nicht ganz.
Die gesamte Software-Umgebung von Thrustmaster bedarf meiner Ansicht nach eine dringende Politur in Sachen Benutzerfreundlichkeit. Lenkrad raus, Basis dran, Basis raus, Lenkrad dran, Treiber aktualisieren - wer so viel Geld aufruft, muss hier mehr Komfort liefern! Bei Apple muss ich nach dem Kauf des iPhones ja auch nicht erst mal zwei Stunden Updates installieren.
Außerdem kenne ich es von mir selbst nur zu gut, dass man sich Technik-Spielzeug ins Haus holt, zweimal damit spielt und es dann in der Ecke verstaubt. Was früher schon in meinem Kinderzimmer der Fall war, hat sich heute am Schreibtisch nicht geändert. Auch euch rate ich daher: Seid euch vor dem Kauf sicher, dass ihr das Lenkrad regelmäßig nutzt. All die Immersion bringt euch nichts, wenn ihr mitten in Eau Rouge innerlich über euren leeren Geldbeutel trauert.
Ich für meinen Teil weiß jetzt schon, was allerspätestens zu Weihnachten unter meinem Baum liegen wird. Als Motorsport-Fan im Allgemeinen und F1-Enthusiast im Speziellen muss ich das SF1000 einfach haben, koste es, was es wolle! Ich muss mich endlich mal wieder richtig abrackern.


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