Ich begebe mich in die Zwischenwelt, alles versinkt in Grau- und Grüntönen und die Zeit steht still. Auf Knopfdruck übernehme ich die Kontrolle über einen der Schlagstock-Soldaten. Ich manövriere ihn wie eine Marionette zum Sprengstofflager. Mit einem Schlag der Energiewaffe auf das explosive Kontor kann ich mir sicher sein, dass hier gleich eine Bombenstimmung herrscht.
Doch damit nicht genug: Ich habe noch genügend Energie und Zeit übrig, um auch den anderen Soldaten mit Gewehr zu übernehmen. Ich ziele auf den Kopf meines Kameraden, drücke ab und kehre in meinen eigenen Körper zurück. Der Fluss der Zeit läuft wieder normal. Ein lauter Knall, das Sprengstofflager explodiert und reist einen Soldaten von den Füßen. Sein Kamerad geht nach einem Kopfschuss zu Boden. Dem verbliebenen Wachmann falle ich in den Rücken und schalte ihn auf konventionelle Weise aus.
So schaut der Spaß im Gameplay-Video aus:
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In Unknown 9: Awakening macht ihr eure Feinde zu willenlosen Marionetten
In diesen Momenten macht mir Unknown 9 richtig viel Spaß. Das Zwischenwelt-Feature geht nach einer kurzen Eingewöhnung in Fleisch und Blut über und bringt frischen Schwung in den Schleichalltag. Statt nur von A nach B zu schleichen, gleichen die brenzligen Situationen einem Puzzle, das ich kreativ Schritt für Schritt lösen muss.
Zu Beginn des Spiels kann ich nur eine Person übernehmen, doch im Verlauf des Abenteuers erlernt Haroona dank investierter Skill-Punkte nach und nach neue Kniffe, die es mir ermöglichen, längere Aktionsketten zu basteln und meine Widersacher in einem Rutsch auf die Matte zu schicken. Das Schleichsystem ist die große Stärke von Unknown 9: Awakening!
Dieser von den Entwicklern gewollte Hang zum Knobeln hat aber auch einen Haken: Die Spielwelt fühlt sich in den von mir gesehenen Abschnitten arg schlauchförmig und oft auch unlogisch konstruiert an. Im Grunde folgt auf einen Gegner-Hub immer ein kurzer linearer Laufweg, auf dem die Story in Form von Dialogen fortgeführt wird, ehe auch schon der nächste Gegner-Hub folgt. Dann ein Laufweg, der nächste Hub, ein Laufweg, …
Vor allem die gegnerischen Lager wirken wie eine Kulisse. Noch nie in meinem Leben als Videospieler habe ich derart viele explosive Behälter auf engstem Raum stehen sehen. Klar, irgendwie muss ich ja Möglichkeiten geboten bekommen, meine Gegner per Kettenaktion zu dezimieren. Aber teilweise wirkt die Fahrlässigkeit, mit denen die Soldaten ihre Lager errichten, schon unfreiwillig an Slapstick-Filme wie Hot Shots.
Auch sonst ist alles … okay
Alles in allem gibt sich Unknown 9 in meinen Augen keine große Blöße. Es ist, ich komme mir vor wie eine Schallplatte, ein echt okayes Spiel. Die Grafik auf der von mir genutzten PS5 reißt keine Bäume aus, ist aber vollkommen okay. Die Steuerung gibt keinen Grund zum Tadel und geht auch in Ordnung. Soundeffekte und Musik sind so okay, dass ich es gerade am liebsten in Großbuchstaben schreiben würde.
Unknown 9 ist okay - die wichtige Frage lautet: Ist das okay für euch? Wenn ihr Lust auf ein kurzweiliges, handwerklich gut gemachtes Schleichspiel mit ein paar stimmig inszenierten Actionabschnitten habt, könnt ihr euch den 18. Oktober 2024 rot im Kalender anstreichen und sofort zum Release auf Steam zuschlagen. Denn Unknown 9 wird genau das liefern!
Ein multimediales Gesamterlebnis: Die Welt von Unknown 9 ist übrigens nicht nur ein Videospiel, sondern erstreckt sich über viele verschiedene Medien. So gibt es auch Bücher, Comics und sogar einen Podcast rund um dieses neue, von Bandai Namco erdachte Universum.
Wenn ihr jedoch auf den nächsten großen Action-Adventure-Hit hofft, solltet ihr eure Erwartungshaltung auf ein gesundes Maß senken, um nicht enttäuscht zu werden. Ich habe aber das Gefühl, dass Unknown 9 um seinen Platz in der Videospielwelt weiß und gar nicht das Ziel hat, die ganz Großen herauszufordern. Stattdessen wirkt es so, als wolle das Spiel euch einfach eine tolle Zeit bescheren und das ist natürlich: vollkommen okay!
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