US-Kongress an Blizzard: Entwickler solle Hearthstone-Bann überdenken

In einem offenen Brief fordern Mitglieder des US-Kongresses Blizzard dazu auf, den Bann von Heartstone-Profi Chung »blitzchung« Ng Wai zu überdenken. Der hatte sich zuvor für Hong Kong eingesetzt.

von Robin Rüther,
20.10.2019 13:19 Uhr

Rechts seht ihr Chung "blitzchung" Ng Wai, der von Blizzard wegen eines politischen Statements gebannt wurde. Rechts seht ihr Chung "blitzchung" Ng Wai, der von Blizzard wegen eines politischen Statements gebannt wurde.

Mit dem Bann des Hearthstone-Profis Chung "blitzchung" Ng Wai hat Blizzard eine riesige Kontroverse ausgelöst und den Ärger tausender Fans auf sich gezogen. Weil sich der Spieler nach einem Turniersieg im Interview mit Atemmaske für Hong Kong einsetzte und dabei das Revolutionsmotto »Liberate Hong Kong, revolution of our time« rief, bannte Blizzard ihn.

Inzwischen hat Blizzard die Strafe zwar gemildert, der Bann gilt aber nach wie vor für ein halbes Jahr. Nun ist diese Kontroverse auch in der Politik angekommen.

Fünf Politiker des US-Kongresses haben sich zusammengeschlossen und einen offenen Brief an Blizzards CEO Bobby Kotick geschrieben, in dem sie ihn dazu auffordern, den Bann zu überdenken. Zu den Politkern gehören die Senatoren Ron Wyden und Marco Rubio und die Repräsentanten Alexandria Ocasio-Cortez, Mike Gallagher und Tom Malinowski.

Nach blitzchung bannte Blizzard drei weitere Hearthstone-Spieler wegen politischer Botschaft. Nach blitzchung bannte Blizzard drei weitere Hearthstone-Spieler wegen politischer Botschaft.

Was steht im Brief?

Im Brief bedauern die Kongressmitglieder die Entscheidung von Blizzard, beziehen sich darin allerdings noch auf die ursprünglich von Blizzard verhängte Strafe (1-Jahr-Bann, Aberkennung des Preisgeldes). Sie sehen in der Entscheidung eine Gefahr für die freie Meinungsäußerung.

Blizzard profitiere von Chinas wachsendem Markt im E-Sport-Bereich und von der Investition durch Tencent. Diese Aussage kommt nicht von ungefähr: Tencent ist eines von Chinas größten Technologie-Unternehmen und besitzt Blizzard-Anteile in Höhe von rund fünf Prozent. Weiterhin heißt es im Brief:

"Wie Sie und Ihre Firma mit Sicherheit wissen, nutzt die chinesische Regierung ihre wirtschaftliche Größe und Stärke, um Meinungen zu unterdrücken, denen sie widersprechen. [...]

Ihre Firma behauptet, sich für das Recht auf individuelle Gedanken- und Meinungsäußerung einzusetzen, und trotzdem glauben einige Ihrer eigenen Mitarbeiter, dass Activision Blizzards Entscheidung, Mr. Chung zu bestrafen, diesen Werten widerspreche."

Anschließend betonen die Kongressmitglieder, dass Blizzard eine wichtige Säule in der Spieleindustrie sei und diese »enttäuschende Entscheidung« einen negativen Effekt auf viele Spieler haben könne. Viele Spieler haben bereits »verständlicherweise« zu Boykotts aufgerufen.

"Während China seine Einschüchterungskampagne verstärkt, müssen Sie und ihre Firma entscheiden, ob sie amerikanische Werte vertreten wollen - wie Meinungs- und Gedankenfreiheit - oder ob sie Pekings Anforderungen nachgeben, um den Marktzugang zu erhalten."

Zum Schluss drängen sie Kotick dazu, die Entscheidung zu überdenken und den Bann aufzuheben. Im Brief sprechen die Kongressmitglieder allerdings ausschließlich von blitzchungs Bann. Vor kurzem hatte Blizzard eine Strafe gegen drei weitere Hearthstone-Spieler verhängt, die in einem Livestream ein Plakat mit der Botschaft »Befreit Hong Kong, boykottiert Blizzard« hochgehalten hatten.

Am Ende des Artikels findet ihr ein Talk-Video zur China-Blizzard-Thematik, in der wir ausführlich analysieren, wie es zu der Kontroverse kam und welche Folgen sie nach sich zieht.

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