USA - Politiker fordert zusätzliche Steuer für gewalthaltige Videospiele

Nach einem Amoklauf an einer High School im US-Bundesstaat Florida fordern viele Schüler strengere Waffengesetze, manch ein Politiker sieht dagegen weiterhin die Schuld bei Videospielen.

von Michael Herold,
22.02.2018 12:00 Uhr

GTA 5 ist hierzulande ab 18 freigegeben. In den USA trägt es ein M-Rating und ist damit ab 17 Jahren spielbar. Dem Republikaner Robert Nardolillo III. zufolge sollte es deshalb höher besteuert werden.GTA 5 ist hierzulande ab 18 freigegeben. In den USA trägt es ein M-Rating und ist damit ab 17 Jahren spielbar. Dem Republikaner Robert Nardolillo III. zufolge sollte es deshalb höher besteuert werden.

Knapp eine Woche nach einem Amoklauf an einer High School in Florida, bei dem 17 Menschen ums Leben kamen, sorgt die Debatte um Sicherheit an US-Schulen und härtere Waffengesetze für immer mehr Schlagzeilen. Während Schüler und Jugendliche Anti-Waffen-Märsche organisieren, denkt Präsident Donald Trump sogar darüber nach, Lehrer zu bewaffnen.

Auch Videospiele stehen aktuell wieder einmal in der Kritik. Erst vor Kurzem berichteten wir etwa über Matt Bevin, den Gouverneur des US-Bundesstaats Kentucky, der in einem Radiointerview erklärt hatte, dass gewalthaltige Videospiele mitverantwortlich für die zunehmende Zahl an Amokläufen und »den Verlust des moralischen Kompass in der gesamten Nation« seien. Ein anderer Politiker fordert nun sogar Konsequenzen für die Spielindustrie.

Der Republikaner Robert A. Nardolillo III., ein Mitglied des Repräsentantnenhauses im Bundesstaat Rhode Island, plant ein Gesetz, um gewalthaltige Videospiele zusätzlich zu besteuern. Alle Spiele, die ein Rating (also eine Alterseinstufung) von »M« oder höher tragen und damit frühestens ab 17 Jahren freigegeben sind, sollten demnach künftig zehn Prozent mehr Mehrwertsteuer kosten.

Die finanziellen Erlöse aus dieser Maßnahme sollen dann wiederum in Psychologen und Berater an Schulen gesteckt werden.

GTA 5, Call of Duty und The Witcher würden teurer werden

In der Pressemeldung der Generalversammlung von Rhode Island erklärt Nardolillo:

"Es gibt Beweise dafür, dass Kinder eher zu aggressivem Verhalten neigen, wenn sie bereits in jungen Jahren Zugang zu gewalthaltigen Videospielen haben. Dieses Gesetz würde Schulen zusätzliche Ressourcen bereitstellen, die nötig sind, um Schülern dabei zu helfen, auf positive Art mit ihrer Aggression umzugehen."

Spiele wie GTA 5, Call of Duty: WW2, Kingdom Come: Deliverance oder The Witcher 3: Wild Hunt würden nach dem Plan von Nardolillo künftig zumindest in Rhode Island also teurer werden. Für den Rest der USA würde das aber keine Auswirkungen haben, da sich die Steuern dort von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheiden können. Besonders wahrscheinlich ist es ohnehin nicht, dass das Gesetz umgesetzt wird, da die Demokraten im Repräsentantenhaus von Rhode Island mit 65 von 75 Sitzen die absolute Mehrheit haben.

Auch die »Beweise«, von denen Nardolillo spricht, sind keinesfalls eindeutig. Erst vor Kurzem veröffentlichte zum Beispiel die Universität von York eine Studie, laut der es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass Videospiele über Gewalt auch tatsächlich zu gewalttätigem Verhalten führen.

In Deutschland sieht die Politik Videospiele sogar als etwas Positives. Das Koalitionspapier der sich aktuell formierenden Großen Koalition aus SPD, CDU und CSU sieht unter anderem auch eine bessere Förderung der deutschen Games-Branche vor. Zudem würde sich die GroKo künftig dafür einsetzen, dass E-Sport als richtige Sportart anerkannt und womöglich sogar olympisch wird.

Plus-Report: Gewalt in Spielen - Auf der Suche nach der wahren Gewalt


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