Valheim versöhnt mich mit dem Survivalgenre, weil es mich nicht foltert!

Meinung: Autor Christian findet, dass auch Survival-Spieler nicht ständig leiden müssen. Valheim beweist, dass es besser geht. Eine Kolumne.

von Christian Just,
11.02.2021 17:30 Uhr

Valheim lässt den Autor auch mal in Frieden seine Trophäen bewundern. Valheim lässt den Autor auch mal in Frieden seine Trophäen bewundern.

Danke, lieber Odin! Oder sollte ich nicht dem nordischen Bossgott, sondern eher dem schwedischen Entwickler Iron Gate Studio danken? Mit dem neuen Survivalspiel Valheim schafft dieser es nämlich nicht nur, endlich ein würdiges Survivalspiel mit Wikingermythologie, sondern auch einen verdammt starken Rettungsring für das leidgeprüfte Survivalgenre auf den Weg nach Valhalla zu schicken.

Okay, eigentlich boomt Survival, keine Frage. Aber vom Leid gebeutelt sind besonders Leute wie ich - und das seit Jahren. Denn ich liebe eigentlich die Prämisse von Survivalspielen, bin verzaubert von düsteren Settings und feiere Hardcore-Schwierigkeitsgrade - üblicherweise.

Dennoch habe ich als Spieler in den vergangenen Jahren mehr unter grimmigem Grind gelitten als Spaß gehabt - und das hat mich mürbe gemacht. Doch Valheim scheint diese Wunden zu kennen. Und es legt sich wie wohltuender Balsam auf die Survivalseele, ohne dabei den Spielspaß zu verlieren. Ganz im Gegenteil!

Der Autor
Christian Just spielt privat von The Forest über Raft bis hin zu Dark Souls und Escape from Tarkov alles, was ihn als Spieler herausfordert und wo es um Leben und Tod geht. Für GameStar hat er Valheim getestet und fand das Survivalspiel so großartig, dass er jetzt gar nicht mehr davon loskommt. Deshalb hat er auch flugs einen Einsteiger-Guide für Valheim geschrieben - damit ihr aus seinen Fehlern lernen könnt. Sein innigster Wunsch: Dass ihr beim Spielen nicht immer dem nächsten Crafting-Meilenstein hinterherhetzt, sondern euch auch mal eine Auszeit nehmt und die wunderbare Atmosphäre von Valheim genießt.

Valheim streicht den Frust

Wo andere Spiele durch Survivalmechaniken anspruchsvoll sein wollen, werden sie leider zu oft frustrierend, mühselig, langatmig, repetitiv. Viele Genrevertreter legen wie angedeutet viel zu großen Wert auf den berühmt-berüchtigten Grind, um uns langfristig zu binden.

Das klingt vielleicht auf dem Papier sinnvoll, ist in der Realität aber zu oft unheimlich nervtötend, wenn die Spielmechaniken nicht per se auch beim tausendsten Mal Spaß machen. Ich denke mit Grauen an das quälend langsame Zähmen von Dinos in Ark: Survival Evolved. Klick, Kibble. Klick, Kibble. Klick, gähn! Was nicht heißen soll, dass Ark nicht durchaus Stärken hat. Allerdings ist der Spielfortschritt, für meinen persönlichen Geschmack, wie in den meisten Survival-Spielen, viel zu zäh.

Zwar dauert dieses "Zäh-men" eines gefangenen Schweinchens in Valheim auch seine Zeit. Aber das fällt mir nicht negativ auf, weil der Grind an anderen Stellen ordentlich zurückgefahren wurde. So reduziert Valheim meinen Frust bewusst durch schlaues Spieldesign. Und wenn es doch mal hakt, gibt's ja inzwischen jede Menge Guides und Tipps bei GameStar.de:

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Ständig im Menü rumhängen und Skillpunkte verteilen? Muss ich nicht, das geht alles automatisch nebenbei. Hundert Bäume fällen, um eine Hütte zu bauen? Nö, weil der Holzverbrauch moderat ist. Für kaputte Werkzeuge eine eigene Kiste anlegen, weil ich die ja irgendwann mal reparieren kann, wenn ich genug Ressourcen übrig habe? Nicht nötig, weil das Reparieren kostenlos ist - auch für die Basis! So eine Erleichterung.

Valheim: Weniger Grind für mehr Spaß ansehen

Valheim kommt mir gerade mehr als nur gelegen! Weil ich endlich ein Spiel gefunden habe, das mich eines meiner Lieblingsgenres genießen lässt, ohne mich nebenbei zu foltern. Für sowas habe ich Soulslikes. Oder Escape from Tarkov. Apropos: Lest dazu gerne meine andere Kolumne:

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Valheim feiert den Spielspaß

Valheim ist keine Folter, aber eben auch nicht belanglos. Seine Mechaniken wollen mich Bäume fällen sehen und zwei Minuten später ein Langhaus bauen, bevor ein doofer Troll sich auf mein Territorium verirrt und plötzlich die Action beginnt. Valheim spielt sich dadurch wunderbar abwechslungsreich, fast leichtfüßig. Es fordert zwar Raffinesse und Planung, aber ich werde von keinen Kannibalen in Stücke gerissen, wenn ich mal eine Sekunde nicht aufpasse. Höchstens von einer Killermücke hinterrücks erstochen, aber das ist eine andere Geschichte.

Klar: Noch steckt das Spiel im Early Access, ist also noch nicht fertig entwickelt. Es sind noch nicht alle Inhalte final, Optimierung und Performance haben auch noch Luft nach oben, wie unser Early-Access-Test festhält:

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Aber Valheim funktioniert schon sehr gut, die Inhalte sind reichlich vorhanden und vor allem: Es macht sehr großen Spaß. Daher auch am Schluss nochmal mein Appell: Lasst euch nicht vom Retrostil, dicken Pixeln und kantigen Charakteren abschrecken. Wenn ihr Survival mögt und vielleicht ähnlich gepeinigt seid, könnte euch Valheim ebenso wie mich mit dem Genre versöhnen.

Wie ergeht es euch in Valheim? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder seht ihr es völlig anders als der Autor? Schreibt uns gerne in die Kommentare und diskutiert mit uns!

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