Seit seinem Erscheinen im Juli 2025 hält sich Vantage in den Hotness-Charts auf der weltweit größten und relevantesten Brettspiel-Seite Boardgamegeek.com. Seit dem legendären Gloomhaven habe ich kein Spiel erlebt, das in der Community derart intensiv und euphorisch diskutiert wird.
Update 18.10.2025: Weil inzwischen die Vorbestellaktion für die deutsche Version von Vantage gestartet wurde, haben wir uns entschieden, unseren Test zum Open-World-Brettspiel noch einmal kostenlos für alle und aktualisiert zu veröffentlichen.
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Designer Jamey Stegmaier hat nicht nur die Brettspiel-Hits Scythe und Expeditions entwickelt, sondern auch über acht Jahre an Vantage gearbeitet. Der von ihm geführte Verlag Stonemaier Games veröffentlichte mit Flügelschlag nicht nur das Kennerspiel des Jahres 2019, sondern auch einen der größten kommerziellen Brettspiel-Erfolge der letzten Dekade.
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Vantage: Teaser-Trailer zum großen Open-World-Brettspiel
Und seit ich Vantage mit wachsender Begeisterung selbst spiele, kann ich den Hype verstehen. Denn so wie Gloomhaven der große Mainstream-Durchbruch für komplexe Dungeon Crawler war, könnte Vantage etwas Ähnliches bei den Abenteuerspielen gelingen.
Vor allem, weil es das Genre komplett anders denkt, als es bislang die Regel war. Mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Aber der Reihe nach.
Worum geht’s?
Ähnlich wie das ebenfalls sehr empfehlenswerte Earthborne Rangers legt euch Vantage eine kartenbasierte Open World zu Füßen. Mit dem gewaltigen Unterschied, dass ihr dieses Mal kein kleines Tal erkundet, sondern gleich einen kompletten Planeten!
Allein oder gemeinsam mit bis zu fünf Freunden strandet ihr an unterschiedlichen Orten auf diesem euch völlig unbekannten Himmelskörper und könnt (!) eine von 21 Missionen erfüllen. Unter bestimmten Bedingungen schaltet ihr zusätzlich sogenannte Schicksale frei, die ihr zusätzlich oder alternativ verfolgt – etwa dem Planeten wieder zu entkommen.
Der Planet setzt sich aus über 800 Orten zusammen, die ihr (und nur ihr!) mittels eines kleinen Plastikhalter aus der Egoperspektive betrachtet. Weil ihr ausschließlich über Funk verbunden seid, dürft ihr euren Freunden lediglich die kurzen Stimmungstexte vorlesen und beschreiben, was ihr seht. Und dann gilt es zu entscheiden, was ihr macht.
An jedem Ort dürft ihr pro Partie genau eine von sechs Aktionen durchführen, die sich einerseits aus den sechs Hauptfähigkeiten wie Bewegen, Schauen, Nehmen oder Kontaktieren und andererseits thematisch aus der Szene ergeben. Als fiktives Beispiel: Solltet ihr ein in einem Käfig eingesperrtes Alien sehen, werden mit großer Wahrscheinlichkeit solche oder ähnliche Aktionen zur Verfügung stehen:
- Bewegen: Zum Käfig hochklettern.
- Schauen: Den Käfig studieren.
- Kontaktieren: Mit dem Alien sprechen.
Wie schwer das Ganze wird, müsst ihr intuitiv aus dem Gesehenen einschätzen. Hängt der Käfig über einem brodelnden Lavasee, könnte das Erklettern vielleicht etwas komplizierter werden. Außerdem ist jede der sechs spielbaren Figuren auf eine Disziplin spezialisiert. Der Soldatin fällt naturgemäß alles ein gutes Stück leichter, das ins Handgreifliche tendiert.
Die eigentliche Aktion absolviert ihr dann per Würfelprobe – je schwieriger die Aktion, desto mehr Würfel müssen rollen. Und je mehr Herzen, Sterne oder Sanduhren die Würfel zeigen, desto mehr Gesundheit, Moral oder Zeit verliert ihr beim Handeln. Landet eine dieser Werte bei Null, ist eure Mission (zumindest fürs Erste) gescheitert.
So ihr die Probe übersteht, verkündet ein kurzer Text das grundsätzlich (!) positive Ergebnis. Um beim Beispiel zu bleiben: Das Alien könnte euch einen wertvollen Gegenstand überlassen oder sich sogar anschließen.
Belohnungen kommen ebenfalls in Kartenform daher, die ihr in einem 3mal3-Raster um euren zentralen Charakter anordnet. Sie ermöglichen euch bei thematisch passenden Aktionen, dort Würfel zu platzieren, die euch sonst schaden würden. So könnte euch etwa eine Leiter das Klettern erleichtern. Oder das befreite Alien euch in Zukunft bei der Kommunikation mit Artgenossen unterstützen.
Nach absolvierter Aktion müsst ihr jeden Ort in eine beliebige Himmelsrichtung wieder verlassen. So erkundet ihr den Planeten so lange weiter, bis ihr entweder die Mission und/oder euer Schicksal erfüllt habt oder euch die Kräfte verlassen.
Vertrieb, deutsche Version und Preis
Die englische Version von Vantage bekommt ihr sowohl direkt beim Hersteller Stonemaier Games als auch bei spezialisierten Versandhändlern wie Fantasywelt.de. Der Preis pendelt zwischen rund 80 und 95 Euro.
Der deutsche Verlag Feuerland arbeitet bereits an einer Übersetzung, die im Sommer 2026 erscheinen soll. Deren Qualität kann ich natürlich noch nicht beurteilen, allerdings hat Feuerland bereits bei ähnlich textlastigen Spielen wie Gloomhaven einen sehr guten Job gemacht.
Bis zum 29. Oktober 2025 läuft bei Feuerland eine Vorbestellaktion für eine deutsche Special Edition von Vantage, die zum Preis von 120 Euro (plus Versand) nicht nur das Grundspiel enthält, sondern auch sämtliche kosmetischen Upgrades, die ich weiter unten im Detail vorstelle.
Wie spielt sich das?
Bis hierhin klingt das Beschriebene verhältnismäßig konventionell, von der ungewöhnlichen Perspektive einmal abgesehen. Orte auf Karten erkunden, Proben absolvieren, Quests erfüllen: So oder so ähnlich kennen das Genre-Fans aus zahlreichen anderen Abenteuerspielen – egal ob Tainted Grail, 7th Continent oder Earthborne Rangers.
Zwei Besonderheiten sorgen allerdings dafür, dass sich Vantage für mich wie die eingangs erwähnte Genre-Revolution anfühlt.
1. Jeder Spieleabend ein abgeschlossenes Abenteuer: Nahezu alle mit Vantage vergleichbaren Abenteuerspiele setzen auf Kampagnen, die gern 50 Stunden und mehr veranschlagen, mit entsprechend vielen zu organisierenden Spieleabenden in der gleichen Gruppe.
Vantage hat keine Kampagne, sondern liefert euch jeden Abend ein anderes, in sich geschlossenes Abenteuer, das im Schnitt und je nach Spielerzahl zwischen 90 Minuten und drei Stunden dauert. Von Partie zu Partie nehmt ihr lediglich das erworbene Wissen über den fremden Planeten mit.
2. Jedes Abenteuer ein anderes Erlebnis: Vantage startet zwar immer gleich mit der Bruchlandung auf einem Planeten, liefert aber danach eine Abwechslung, wie ich sie bei Abenteuerspielen noch nie erlebt habe, dem Zufall sei Dank.
So startet ihr nach der Bruchlandung auf einem von über 100 unterschiedlichen Orten mit einem von sechs unterschiedlichen Charakteren sowie einer von 21 unterschiedlichen Missionen. Und auf jedem Ort dürft ihr nur eine einzige Aktion durchführen. Heißt im Klartext: Das Spiel liefert eine derart große Varianz, dass jede Partie vollkommen anders verläuft und eine neue Geschichte erzählt.
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