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Verursacht GTA 6 echt eine Milliarde Dollar Wirtschaftsschaden? »Selbst wenn es stimmt, wäre es nicht so wild«

Weil zum Releasetermin von GTA 6 Tausende Spieler Urlaub machen wollen, rechnet die US-Wirtschaft mit einem Verlust von einer Milliarde Dollar. Experten sehen die Lage jedoch entspannt.

Mehr als eine Milliarde Dollar sollen US-Unternehmen durch den GTA-6-Release an Arbeitsleistung flöten gehen. Quatsch, sagt ein Experte. Mehr als eine Milliarde Dollar sollen US-Unternehmen durch den GTA-6-Release an Arbeitsleistung flöten gehen. Quatsch, sagt ein Experte.

GTA 6 wird DER Release des Jahres, da sind sich alle Branchenexperten einig. Publisher-Boss Strauss Zelnick spricht bescheiden vom größten Entertainment-Release der Menschheitsgeschichte. Entsprechend gewaltig sind die Erwartungen der Fans. Viele wollen sich das kulturelle Großereignis nicht entgehen lassen und das neue GTA gleich am ersten Tag spielen - zu groß sind die Spoilergefahr und die Angst, etwas zu verpassen (engl.: FOMO).

Zu dumm, dass es sich beim 19. November, dem Release-Tag von GTA 6 um einen normalen Werktag handelt. Eigentlich müssten die meisten Fans also arbeiten. Doch zahlreiche Menschen haben bereits jetzt angekündigt, sich dafür frei zu nehmen und ihre Urlaubsanträge eingereicht. In den USA ist der Urlaubsandrang zum GTA-Release offenbar so groß, dass Unternehmen das Spiel als wirtschaftliches Risiko ansehen und wegen der ausfallenden Arbeitsstunden mit Verlusten rechnen.

Wirtschaftsschätzungen der International Business Times (via NYPost.com) skizzieren folgendes Szenario: Bis zu 1,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den USA könnten sich am Release-Tag von GTA 6 spontan krankmelden oder Urlaub nehmen. Dieser Personalausfall könnte die US-Wirtschaft an nur einem einzigen Tag Produktivität im Wert von rund einer Milliarde Dollar kosten.

Die Personalmanagement-Softwarefirma BambooHR untermauert diese Prognose mit Zahlen: Die Urlaubsanträge für den 19. November liegen aktuell zwischen 9 und 17 Prozent über dem Durchschnitt für einen normalen dritten Donnerstag im November (via Fortune.com). Selbst Take-Two-Chef Strauss Zelnick prognostizierte im April, dass viele Menschen am Erscheinungstag des neuen GTAs eine Krankheit vorschieben und zu Hause bleiben dürften.

Video starten 25:25 Kurz vor Release sieht GTA 6 plötzlich ganz anders aus!

Kein neues Phänomen

Ähnliches war bereits beim Release von GTA 5 im Jahr 2013 zu beobachten. Schon damals hatte ein neues Grand Theft Auto merklichen Einfluss auf die Arbeitswelt: In einer Umfrage von IGN (via NYPost) gaben damals 46 Prozent der knapp 11.000 Befragten an, sich für den Launch extra Urlaub genommen zu haben. Weitere 20 Prozent planten eine spontane Krankmeldung am Morgen. Am ersten Verkaufswochenende von GTA 5 fehlten in New York und Los Angeles sechs Prozent der 18- bis 35-Jährigen im Büro.

Aber droht der US-Wirtschaft durch GTA 6 nun wirklich ein Milliardenverlust?

Experten wie Wirtschaftsforscher Victor Matheson vom College of the Holy Cross winken ab. Er bezweifelt die kursierende Milliardensumme und erklärt: Die spielenden Arbeitnehmer lösen sich durch den Urlaub nicht in Luft auf. Die Wirtschaftsleistung und Produktivität verschwinden durch den GTA-Release nicht dauerhaft, sondern verschieben sich lediglich auf einen anderen Zeitpunkt.

Wer sich im November für GTA 6 frei nimmt, hat diesen Urlaubstag im kommenden Frühjahr nicht mehr zur Verfügung. Die Gesamtzahl der Fehltage steigt durch das Spiel also nicht - von Krankmeldungen einmal abgesehen.

Diese Umverteilung bei der Freizeitgestaltung beobachten Wirtschaftsforscher regelmäßig bei popkulturellen Großereignissen. Als Avengers: Endgame 2019 in die Kinos kam, schwänzten unzählige Marvel-Fans die Arbeit und kosteten die Wirtschaft Schätzungen zufolge sogar fast drei Milliarden Dollar an Produktivität. Auch Bucherscheinungen wie ein neuer Harry-Potter-Band oder der Super Bowl beeinflussen nachgewiesenermaßen die Arbeitsleistung.

Nackte Zahlen wenig aussagekräftig

Wirtschaftsforscher Matheson kritisiert allerdings das Jonglieren mit solchen Milliardensummen. Diese müsse man schlicht im realistischen Kontext sehen: Eine Milliarde Dollar entspricht etwa einem Dreißigtausendstel des jährlichen Bruttoinlandsprodukts der USA. Das wäre grob ein Prozent der Wirtschaftsleistung eines einzigen Tages - »Eine ziemlich kleine Summe im Gesamtbild«, so Matheson.

Aber selbst wenn es wahr wäre, ist das nicht unbedingt etwas schlechtes, wenn die Menschen dadurch glücklicher sind. Freizeitaktivitäten wie Spielen, Wandern oder Musikhören senken zwar auf dem Papier das Bruttoinlandsprodukt, weil dabei kein wirtschaftlicher Wert geschaffen wird, steigern aber das Wohlbefinden der Menschen. Und wenn GTA 6 die Spieler glücklich macht, wertet der Experte das als Gewinn für die Gesellschaft. Zahlen allein seien eben nicht immer alles.


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