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Victoria 3 ist eine tolle Nachricht, aber vielleicht nicht für euch

Michael Graf hat Victoria 3 schon live gesehen und beschreibt, warum er sich direkt ins neue Paradox-Spiel verliebt hat. Wobei euch das anders gehen könnte.

von Michael Graf,
21.05.2021 20:45 Uhr

Victoria 3 wird das nächste Spiel der Paradox Development Studios - und das ist eine sehr gute Nachricht! Victoria 3 wird das nächste Spiel der Paradox Development Studios - und das ist eine sehr gute Nachricht!

Victoria 3, sie machen es wirklich! Jahrelang kreiste die vermeintliche Ankündigung des in Fankreisen liebevoll »Vicky 3« getauften Imperialismus-Simulators um Paradox wie die Ernennung zum Bundestrainer um Lothar Matthäus: Wir alle wussten, dass es nicht passieren wird, aber wir alle warfen es immer wieder in den Raum, um ein paar Lacher zu ernten.

Paradox selbst verschanzte sich hinter Dementis und dem halb eisernen, halb augenzwinkernden Meme, ihr jeweils nächstes Spiel sei »Nicht Vicky 3«. Es war der Running Gag der jüngeren Firmengeschichte, über den sich Paradox' PR-Kalifornier Jesse Henning sogar bei der Ankündigung von Crusader Kings 3 lustig machte.

Das nur, damit ihr versteht, dass dieses Victoria 3 für die Paradox-Community - oder sagen wir: Teile der Paradox-Community - eben nicht irgendein Spiel ist.

Falls ihr euch nun fragt, ob Victoria 3 auch für mich eine gute Nachricht ist, lasse ich einfach den folgenden Ausschnitt aus meinem Chat mit Historien-Youtuber Steinwallen sprechen, als uns Paradox Vicky 3 schon vor der offiziellen Enthüllung auf der PDXCon Remixed vorstellte:

Okay, wenn uns der Blick aufs Weltgeschehen eines lehrt, dann, dass Dinge selten so einfach sind, wie sie in Chats gemacht werden. Ob Victoria 3 auch für euch eine gute Nachricht darstellt, ist gar nicht so leicht zu beantworten.

Victoria 3 unterscheidet sich nämlich gravierend von Crusader Kings 3, das 2020 einen trebuchethaften Aufstieg hingelegt hat. Hier in Kurzfassung die wichtigsten Infos:

  • 100 Jahre Imperialismus
    Victoria 3 spielt im Zeitalter des Imperialismus, die Kampagne erstreckt sich von 1836 bis 1936. Wie von Paradox gewohnt sind alle Nationen der damaligen Welt spielbar, von Preußen bis Persien. Vicky 3 läuft paradox-typisch in pausierbarer Echtzeit, jeder Spieltag unterteilt sich in vier Phasen (Morgen - Mittag - Abend - Nacht). Deshalb soll die 100jährige Kampagne ähnlich lange dauern wie die 377 Jahre von Europa Universalis 4.
  • Kriege sind nicht das Wichtigste
    Abgesehen von Konflikten fokussiert sich Victoria 3 auf die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen dieser Zeit: Der aufkeimende Kapitalismus und Sozialismus, die Industrialisierung und Kolonisation. Daher steckt im Spiel eine ungewöhnlich ausgefeilte Politik- und Wirtschaftssimulation.
  • Eine Milliarde simulierte Menschen
    Vieles dreht sich in Victoria 3 um Pops, also Bevölkerungseinheiten mit unterschiedlichen Berufen, politischen Ansichten und Bedürfnissen. Zum Beginn simuliert das Spiel die ganze Weltbevölkerung des Jahres 1936 (eine Milliarde Menschen) und gliedert sie in politische Interessengruppen.
  • Release wohl erst 2022
    Noch nennt Paradox keinen Releasetermin für Victoria 3, wir gehen frühstens von Mitte 2022 aus. Zwar gab's eine knapp 45 Minuten lange Präsentation von Vicky 3 zu sehen, das Spiel wirkte aber noch recht unfertig, und Paradox konnte auch nur wenige Bildmaterial zur Verfügung stellen:

Victoria 3 - Screenshots vom Imperialismus-Strategiespiel ansehen

Das Spannende an Victoria 3 ist, dass sich sein Fokus so komplett von dem anderer Paradox-Titel unterscheidet.

In Stellaris, Europa Universalis 4 und Hearts of Iron 4 geht es meist ums »Blobbing«, also darum, ein möglichst großes Imperium zu errichten. Selbst das kleine Ulm kann in EU4 das Heilige Römische Reich erobern, wenn ihr es richtig anstellt.

  • Strategiespieler nennen das »weites« Spielen: sich immer weiter ausbreiten, immer mehr erobern, die Karte mit den eigenen Farben übermalen.
  • Das Gegenteil davon ist »hohes« Spielen: auf großangelegte Expansion verzichten, stattdessen die Wirtschaft ankurbeln und als kompakte Nation zu Ruhm gelangen.

Der zuständige Game Director Martin Anward, der zuvor die Entwicklung von Stellaris geleitet hat, sagt mir im Interview:

"Victoria 3 wird 'Hoch spielen, das Spiel'!"

Natürlich wird es in Victoria 3 auch Kriege und Eroberungen geben. Die rivalisierenden Großmächte wie Preußen, Großbritannien, Russland und Frankreich hocken auf einem Pulverfass; kleinste Krisen können zum Weltkrieg eskalieren, wenn die Diplomatie versagt. So wie es in der Realität im Jahr 1914 geschah.

Der Fokus des Spiels liegt aber nicht auf dem Militär, im Gegensatz zum »actionreichen« Hearts of Iron 4 gibt es keinen Dauerkrieg mit sich ständig verschiebenden Grenzen.

Deshalb muss es auch Spaß machen, friedlichere oder kleinere Länder wie Belgien zu führen, und dafür braucht Victoria 3 vor allem eines: exzellent verzahnte Mechanismen, die gerade in Friedenszeiten viel Dynamik und Abwechslung entfalten.

Und genau das verspricht Paradox!

Bereits vor der PDXCon Remixed haben die Entwickler eine frühe Version von Victoria 3 live vorgespielt und Fragen beantwortet. Im Folgenden will ich deshalb genauer erklären, was Victoria 3 so spannend macht.

Oder im Jargon der damaligen Zeit gesagt: Ich will euch erklären, warum Victoria 3 seinen Platz an der Sonne verdient.

Der Autor
Michael Graf hat 2004 das erste Victoria für GameStar getestet (den Test könnt ihr im Heftarchiv nachlesen) und für grundsolide befunden, 73 Wertungspunkte vergab er seinerzeit. Den Test von Victoria 2 überließ er Martin Deppe und spielte stattdessen weiter das thematisch ähnliche Napoleon: Total War. Heute bereut er das, weil ihm das - heute kutlisch verehrte - Vicky 2 so leider entging. Umso mehr ein Grund, in Victoria 3 die verpassten Chancen nachzuholen!

Das alte Paradox neu erleben

Wenn ihr wissen wollt, warum Victoria 3 ein hochinteressantes Spiel wird, dann gibt es keinen größeren Fehler, als ein Let's Play von Victoria 2 anzuschauen. Versteht mich nicht falsch, Youtuber wie Steinwallen oder Quill18 bringen sehr unterhaltsam rüber, was das Imperialismus-Setting so spannend macht - die gesellschaftlichen Verwerfungen, die industrielle Revolutuion, das Ringen der Großmächte.

Aber wenn ihr diese verschachtelten Menüs seht, diese krümeligen Symbole, diese undurchschaubaren Mechaniken, dann dürfte euch die Lust vergehen, das selbst zu spielen. Gerade Victoria 2 steckte voller obskurer Statistiken und Mechaniken, selbst geübte Strategiespieler wussten nicht unbedingt, was sie da eigentlich taten. Da gab es politische Wahrnehmung und Bewusstsein (das sind unterschiedliche Dinge!), Militanz, Einflusssphären, Flashpoint-Provinzen - dagegen ist Crusader Kings 3 ein Familientreffen!

Okay, DAS gibt es in Victoria 3 nicht. Zum Glück auch in keinem anderen Spiel. Okay, DAS gibt es in Victoria 3 nicht. Zum Glück auch in keinem anderen Spiel.

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Charakter-Interaktionen von CK3 erschließen sich intuitiv. Wenn der Herzog von Thüringen ein versoffener Ketzer ist, an dessen Hof kannibalistische Sexorgien toben, versteht sich von selbst, dass der erzkatholische König von Bayern ihn hasst.

Dass ich selbst der Herzog von Thüringen bin, macht die Sache nur noch besser!

Victoria 2 bezeichnete der Kollege Deppe damals als »beinharten Schwedenhappen«. Der Mann hat wohl noch nie Elchwurst gegessen. Victoria 2 bezeichnete der Kollege Deppe damals als »beinharten Schwedenhappen«. Der Mann hat wohl noch nie Elchwurst gegessen.

Victoria ist komplexer, verzahnter, kurzum: Victoria ist klassisch Paradox. Weil Kriege eine Nebenrolle spielen, verbringt ihr viel Zeit in Menüs und damit, Werte und Aktionen gegeneinander abzuwägen.

Victoria 3 ist nämlich vor allem eine ausgefeilte Wirtschafts- und Gesellschaftssimulation, wie auch Martin Anward erklärt:

"Victoria 3 ist definitiv ein sehr tiefes Spiel. Es hat all diese miteinander verbundenen Teile, die Wirtschaft, die Politik, und alles bedingt sich gegenseitig. Leute, die sich eine Art Hardcore-Gesellschaftssimulation wünschen, sollen sich wie zu Hause fühlen. "

Zugleich möchte Martin aber betonen, wie wichtig ihm diesmal die Zugänglichkeit ist:

"Wir wollen es nicht rein auf diese Hardcore-Zielgruppe zuschneiden. Wir erhöhen auch die Zugänglichkeit und nutzen all die Dinge, die wir von CK3 und vorher gelernt haben, um ein solches Hardcore-Spiel auch für Leute außerhalb der Hardcore-Community zugänglich zu machen. Ich kann aber natürlich noch nicht sagen, ob uns das gelingt. Das bleibt abzuwarten. "