Wer heute durch ein Großraumbüro blickt, einen Co-Working-Space betritt oder die Tech-Abteilung eines Elektronikmarktes ansteuert, erlebt eine optische Monotonie, die fast Fragen aufwirft. Ein Meer aus Anthrazit, Space-Grau, Tiefschwarz und dem matten Silber eines Aluminium-Gehäuses.
Farbe? Eine echte Rarität. Doch warum ist das eigentlich so? Warum verharren fast alle Hersteller meistens in chronischer Farblosigkeit, während unsere Smartphones in den buntesten Facetten leuchten?
Hier sind die vier wahren Gründe für die große Tristesse auf unseren Schreibtischen.
Die ewige Angst vor der Unprofessionalität
Laptops sind im Kern Arbeitsgeräte. Und in der Corporate-Welt gilt nach wie vor das ungeschriebene Gesetz: Seriosität ist farblos. Ein tiefschwarzes Notebook signalisiert im Meeting: Ich rechne hier gerade wichtige Bilanzen
. Ein knallrotes oder neongrünes Gerät hingegen schreit eher nach: Ich würde jetzt eigentlich lieber spielen
.
Da die meisten High-End-Geräte für Geschäftskunden oder als Allrounder konzipiert werden, gehen die Hersteller auf Nummer sicher. Schwarz und Dunkelgrau passen zum Maßanzug genauso wie zum Kapuzenpullover. Sie sind quasi das Gegenstück zum kleinen schwarzen Abendkleid, demnach der kleine Schwarze
der Tech-Industrie.
Die Psychologie des Wiederverkaufs
Für die Hersteller ist die Farbwahl eine knallharte logistische und finanzielle Kalkulation.
- Der logistische Albtraum: Jede zusätzliche Farbe bedeutet eine neue Produktvariante. Das verkompliziert die Lieferketten, bläht die Lagerhaltung auf und treibt die Kosten in die Höhe.
- Der Geschmack des Mainstreams: Schwarz und Grau spalten nicht. Niemand hasst Dunkelgrau. Ein Laptop in Pastellgelb hingegen mag fünf Prozent der Käufer begeistern, bleibt aber bei den restlichen 95 Prozent wie Blei in den Regalen liegen.
- Der Wiederverkaufswert: Auch für den Kunden zählt die Vernunft. Wer sein gebrauchtes Gerät nach zwei oder drei Jahren auf Plattformen wie eBay oder Kleinanzeigen verkaufen möchte, erzielt mit einem neutralen Look schlichtweg einen besseren Preis.
Schmutz, Kratzer und das Altern von Materialien
Ein Laptop ist ein Gebrauchsgegenstand, den wir ständig anfassen, in Rucksäcke stopfen und auf raue Tischplatten stellen. Dunkle Töne, insbesondere, wenn sie matt oder eloxiert sind, erweisen sich im Alltag als extrem dankbar. Das Material-Problem: Weiße oder sehr helle Kunststoff- und Aluminium-Laptops neigen dazu, im Laufe der Zeit durch UV-Strahlung, Handschweiß oder Kaffeeflecke zu vergilben oder unschöne Schmutzränder anzusetzen.
Schaut euch heute mal ein altes iBook von Apple an, deren Gehäuse damals noch aus weißem Polycarbonat gemacht wurde. Frisch aus der Verpackung sahen die Geräte in strahlendem Weiß wunderschön aus. Die meisten dieser Rechner, die es heute noch gibt, haben mittlerweile alle einen hässlichen Gelbstich.
Dunkelgrau verzeiht zwar Fingerabdrücke manchmal etwas schwerer, sieht aber auch nach Jahren intensiver Nutzung meist noch vorzeigbar aus.
Der Apple-Effekt
und das Material als Statussymbol
Als Apple vor Jahren das Aluminium-Design und später das berühmte Space Grey
im Premium-Segment perfektionierte, wurde die Abwesenheit von Farbe plötzlich zum ultimativen Statussymbol für Qualität. Viele Hersteller sprangen auf diesen Zug auf. Dunkelgrau und Silber vermitteln optisch und haptisch: Ich bin aus Metall, ich bin teuer, ich bin stabil
. Bunte Farben werden von Konsumenten, oft völlig unbewusst, sofort mit billigem Spielzeug-Plastik assoziiert.
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Gibt es Hoffnung auf Besserung?
Ein paar Lichtblicke existieren durchaus. Ausgerechnet Apple, der Meister des schlichten Designs, experimentiert beim MacBook zumindest dezent mit Tönen wie Mitternacht
(einem sehr tiefen Blau), Polarstern
oder Zitrus
.
Asus und Lenovo bringen in ihren Consumer-Reihen immer mal wieder matte Grün- oder edle Blautöne unter. Und auch Microsofts Surface-Reihe zeigt seit Jahren, dass ein dezentes Salbeigrün absolut bürotauglich sein kann.
Doch solange der Laptop primär als Werkzeug und weniger als Lifestyle-Accessoire verstanden wird, bleibt es dabei, dass die meisten mobilen Geräte Grau, Schwarz und vielleicht noch Silber sind. Es ist wie mit den Autos auf unseren Straßen: Am Ende siegt die Vernunft über den Mut.
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