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Misophonie macht manchen Menschen das Spielen unmöglich - aber was ist das?

Der Hass auf Geräusche ist eine Erkrankung, die für viele Menschen Videospiele ungenießbar macht. Unser Autor ist selbst betroffen - und sucht nach Hilfe.

von Dom Schott,
31.05.2021 11:00 Uhr

Essen in Videospielen - oder genauer gesagt: die dabei abgespielten Kaugeräusche - können manchen Spielern große Unannehmlichkeiten bereiten bis hin zur Unspielbarkeit. Ein Betroffener berichtet von dieser kaum bekannten Erkrankung namens Misophonie. Essen in Videospielen - oder genauer gesagt: die dabei abgespielten Kaugeräusche - können manchen Spielern große Unannehmlichkeiten bereiten bis hin zur Unspielbarkeit. Ein Betroffener berichtet von dieser kaum bekannten Erkrankung namens Misophonie.

Es war eigentlich nur ein zufälliger Tastendruck. Aber er sollte mein Verhältnis zu Videospielen grundlegend erschüttern. Und das ist wirklich keine Übertreibung.

Ich spielte gerade in Vorbereitung für einen Podcast das Survival-Spiel The Long Dark, in dem ich in unbarmherzigen Winterlandschaften ums Überleben kämpfen musste. Nach einem langen Spaziergang durch die Eiswüste, der in einer spektakulären Flucht vor einem Wolf endete, meldete sich meine erschöpfte Spielfigur zu Wort: Sie hat Hunger! Also griff ich ins Inventar und verspeiste einen Schokoriegel, den ich kurz nach Spielbeginn gefunden hatte. Und dann passierte es.

Kauend, schmatzend, vor Genuss stöhnend kaute meine Spielfigur auf dem Snack herum. Dann ein lautes Schluckgeräusch. Und noch eines. Und noch eines.

Mir drehte sich vor dem Bildschirm der Magen um. Ich spürte, wie mir übel wurde und gleichzeitig eine für mich unerklärliche Wut in mir aufstieg. Ich ballte meine Hände zur Faust, schloss die Augen und merkte, wie sich mein Puls schlagartig beschleunigte.

Erst nach ein paar Sekunden verebbte dieser bedrückende Mix aus Wut, Adrenalin und Unwohlsein, zurück blieb ein Gefühl von Leere, Erschöpfung und einem dünnen Schweißfilm auf der Stirn.

Was war hier passiert?


Der Autor
Dom Schott ist freier Journalist und Podcastproduzent bei The Pod und OK COOL. Er spielt seit seiner Kindheit Computer- und Videospiele - aber hatte bis vor einigen Monaten nie Probleme mit digitalen Ess- und Kaugeräusche. The Long Dark hat ihn erstmals mit seiner Misophonie konfrontiert - und wie sehr Betroffene damit auf sich alleine gestellt sind.

Misophonie: Eine umstrittene Erkrankung

The Long Dark sensibilisierte Dom Schott erstmals für seine eigene Misophonie in Bezug auf Spiele. Wie in vielen anderen Survival-Games sind hier Kau- und Schluckgeräusche besonders prominent zu hören The Long Dark sensibilisierte Dom Schott erstmals für seine eigene Misophonie in Bezug auf Spiele. Wie in vielen anderen Survival-Games sind hier Kau- und Schluckgeräusche besonders prominent zu hören

Tage später traf ich mich mit meinem Gesprächspartner zur Aufzeichnung unseres Podcasts. Aber statt um The Long Dark drehte sich unser Vorgespräch nur um eines: Wie unangenehm für uns beide die Geräusche waren, die die Spielfigur beim Essen und Trinken machte. Und dass es für dieses Phänomen einen Namen gibt: Misophonie.

»Misophonie«setzt sich aus den altgriechischen Vokabeln»misos«(Hass) und»phone«(Geräusch) zusammen und meint wortwörtlich: Hass auf Geräusche. Misophone Menschen empfinden alltägliche Geräusche, die eigentlich»normal«und harmlos sind, als fast unerträglich. Kauen, trinken, schlucken, sogar lautes Atmen oder das Tippen mit den Fingern machen sie wütend, erhöhen den Puls und lösen eine Stressreaktion im Körper aus. Das kann soweit gehen, dass Betroffene ihren Alltag umgestalten und erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen, um diese Geräusche so gut es geht zu meiden.