Beim Erkunden von Videospiel-Welten gibt es diverse ungeschriebene Regeln: Irgendwo liegt ein Haufen Munition und Heiltränke? Dann wartet wohl ein Bosskampf in dieser auffällig abgeschotteten Arena. Ein Pfad führt direkt zum Questziel? Wir erkunden natürlich erst mal alle anderen Wege und Gebiete, denn da gibt es garantiert verpassbare Schätze und Entdeckungen.
Eine der bekanntesten Regeln ist aber: Immer hinter Wasserfälle gucken, denn die verstecken oft Schätze oder Geheimräume. Aber woher kommt eigentlich diese Idee?
Spiele und Wasserfälle
Wasserfälle tauchen schon in den ersten textbasierten Adventures aus den Siebziger-Jahren wie Collossal Cave Adventure und Zork auf. Damals dienten die Wasserfälle aber lediglich als markante Orte im Spiel und nicht als Versteck.
Eines der ersten (wenn nicht sogar das erste) Beispiele für den Wasserfall als Tarnung für geheime Räume liefert das originale The Legend of Zelda von 1986. Hier muss man etwa durch einen Wasserfall laufen, um dahinter eine alte Frau zu finden, die Link Ratschläge gibt. Auch in späteren Zelda-Spielen gibt es immer wieder Geheimnisse hinter Wasserfällen zu entdecken. Earthbound, ein Rollenspiel das 1994 von Nintendo veröffentlicht wurde, versteckt hinter den Grapefruit Falls die geheime Basis eines Bösewichts.
Diesen frühen Beispielen eifern dann auch viele andere Spiele nach: Schätze oder Geheimnisse hinter Wasserfällen gibt es in Tomb Raider, Uncharted, Skyrim, Red Dead Redemption 2, Crimson Desert und vielen anderen Spielwelten.
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Kein Wunder also, dass wir gar nicht anders können, als jeden Wasserfall genau zu untersuchen - und dann enttäuscht sind, wenn es nichts zu finden gibt. Es gibt auf Twitter, beziehungsweise X übrigens sogar einen Kanal, der sich nur damit beschäftigt, die Geheimnisse hinter Wasserfällen in Spielen zu zeigen:
Weiter in die Vergangenheit
Die Idee des Wasserfall-Verstecks ist noch weitaus älter als Videospiele: Sie taucht etwa schon in Comics auf, wie in dem vierzehnten Abenteuer von Tim und Struppi mit dem Namen der Sonnentempel. Der Eingang zum namensgebenden Tempel verbirgt sich in der Geschichte von 1946 hinter einem Wasserfall. Es gibt aber auch noch ältere Beispiele, wie etwa das Gedicht After a Journey
vom viktorianischen Schriftsteller Thomas Hardy, das eine Höhle unter einem Wasserfall beschreibt.
Ultimativ ist die Erfinderin der Höhle hinter dem Wasserfall aber Mutter Natur: Wasserfälle sind nämlich oft schon darauf ausgelegt, zumindest kleinere Hohlräume zu bilden. Sie entstehen dort, wo eine härtere Gesteinsschicht über weicherem Boden liegt. Das Wasser höhlt dann langsam den weicheren Grund dort aus, wo die Gesteinsschicht aufhört und es entsteht unten ein breiterer Kessel, der sich auch hinter den Wasserfall erstreckt. Solche Hohlräume stürzen aber oft irgendwann ein, seid beim Erkunden der nächsten Wasserfall-Höhle also vorsichtig.
Es gibt auch Beispiele von ganzen Höhlensystemen hinter Wasserfällen! Eines der beeindruckendsten Beispiele entdeckten Wissenschaftler erst dieses Jahr im Regenwald von Guyana. In den seit Jahrtausenden abgeschotteten Höhlen hinter einem 200 Meter hohen Wasserfall leben unzählige unentdeckte Tierarten. Auch im echten Leben kann es sich also lohnen, hinter einen Wasserfall zu gucken.

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