Eigentlich haben wir ja gar nichts gegen Monopoly. Aber nach über 90 Jahren Brettspiel-Dominanz am Familientisch solltet ihr euch nicht damit begnügen müssen. Ihr könnt es gerne wieder über Weihnachten mit Freunden und Familie auspacken - aber wir raten davon ab!
Wie wäre es stattdessen, mit ein paar unverbrauchten und inhaltlich deutlich besser designten Brett- oder Kartenspielen? Welche da in Frage kommen, verraten wir euch in diesem Artikel. Unsere Brettspiel-Freunde stellen euch eine große Auswahl an Spielen vor, die ihr über Weihnachten mit groß und klein genießen könnt!
Zwischen zwei Schlössern
Spielzeit: 45 bis 60 Minuten | Spieleranzahl: 2 bis 7 | Verlag: Feuerland | Preis: 40 Euro
Fabiano: Zwischen zwei Schlössern ist ein genialer Kompromiss, wenn ihr im Grunde alle Bedürfnisse am Tisch erfüllen wollt. Ich hätte nicht geglaubt, dass man so viele Spielweisen in ein einziges Spiel gepackt bekommt. Aber es geht! In Zwischen zwei Schlössern sitzt ihr nämlich zwischen den namensgebenden Schlössern – oder eher zwischen zwei Thronsälen. Die Schlösser kommen erst noch, indem ihr den Thronsaal systematisch mit Plättchen erweitert, die verschiedene Räume in eurem Schloss darstellen.
Das Ding ist nur: Ihr seid nicht die einzigen, die an eurem Schloss herumhantieren. In Zwischen zwei Schlössern baut ihr jedes eurer Schlösser immer zusammen mit einem Sitznachbarn. Also mit dem rechten und dem linken. Damit ihr dabei aber nicht einfach eins von beiden bevorzugt, wird für euch am Ende nur das Schloss mit der niedrigeren Wertung gezählt.
Wollt ihr das Spiel also gewinnen, müssen im besten Fall beide Schlösser richtig fett Punkte sammeln, weil sie etwa einem cleveren System folgen und viele Räume gut anordnen, die in Kombination haufenweise Punkte bringen. Und wie schon König Ludwig II. einst feststellte: das bockt!
Eben, weil hier so viel zusammenkommt. Einerseits fühlt sich das Spiel kooperativ an, andererseits gewinnt in den meisten Fällen aber nur eine Person. Dann könnt ihr es mit sehr wenigen oder sehr vielen Leuten spielen. Es ist simpel, aber nicht zu simpel. Obendrein spielen immer alle gleichzeitig, selbst mit sieben Verwandten kommt es also nie zu Wartezeiten. In meinen Augen ein perfektes Spiel für die ganze Familie.
Boss Fighters QR
0:51
Boss Fighters QR ist ein Brettspiel, in dem ihr mit euren Freunden oder der Familie epische Bossmonster legt
Spielzeit: 40 bis 60 Minuten | Spieleranzahl: 2 bis 4 | Verlag: Pegasus | Preis: 40 Euro
Heiko: Ich liebe Boss Battler! Also Spiele wie Oathsworn oder Primal: The Awakening, in denen ich kooperativ mit Freunden und kleinen Miniaturen einer großen Miniatur nach allen taktischen Regeln der Brettspielkunst die Plastikvisage poliere.
Der Haken daran: Die Dinger kosten gern Hunderte Euro, bringen 10 Kilo und mehr auf die Waage und setzen das Studium eines dicken Regelwerks voraus. Nur so mittel geeignet für einen entspannten Brettspiel-Familienabend mit meinen 11- und 14-jährigen Neffen. Aber irgendwann muss ich schließlich anfangen, sie zu amtlichen Nerds zu erziehen.
Die Lösung für mein Problem war der große Hype der diesjährigen SPIEL Essen und trägt den plakativen, aber auch bisschen albernen Namen Boss Fighters QR, weshalb ich es erst ignoriert habe. Erst als ich mitbekam, dass dahinter die Dorfromantik-Designer stecken, wurde ich hellhörig.
Zum Glück, denn Boss Fighters schafft tatsächlich das unmöglich scheinende Kunststück, Boss Battler familientauglich zu machen. Sein Trick: App-Unterstützung! Hey, nicht weiterscrollen, ich mag Tablets und Handys am Spieltisch eigentlich genauso wenig wie ihr. Aber bei Boss Fighters mache ich eine Ausnahme, weil das Tablet oder Handy hier im Prinzip genauso funktioniert wie ein klassisches Spielbrett – es liegt einfach nur auf dem Tisch.
Auf dem Tablet seht ihr das Monster, das ihr kooperativ besiegen müsst – eure eigenen Aktionen absolviert ihr, indem ihr die gewünschte Aktionskarte über die Frontkamera haltet. Das System funktioniert sekundenschnell, technisch sauber und übt vor allem auf Kinder eine große Faszination aus, weil sich hier ihre Karten auf dem Bildschirm in Magie verwandeln – im wahrsten Sinne des Wortes.
Mechanisch handelt es sich bei Boss Fighters im Kern um einen Deck Builder. Ihr stellt euren Heldendeck aus einer von je vier Rassen und Charakterklassen zusammen (etwa Zwergenkrieger, Elfenmagierin oder Trolldruide) und bekämpft sukzessive zehn Bosse. Nach jedem Sieg schaltet ihr neue Karten frei, was dringend nötig ist, weil auch jeder Boss neue Tricks und Spielmechaniken mitbringt.
Pro Runde habt ihr jeweils drei Aktionen, um Nahkampf-, Fernkampf-, Magie- und Heilfähigkeiten zu kombinieren und auf das zu reagieren, was euch der Boss an Gemeinheiten entgegenwirft. Gleichzeitig hat jeder Boss eigene Stärken und Schwächen, die ihr erst herausfinden müsst – etwa warum er manche Angriffe direkt kontert und andere nicht.
Um alles andere kümmert sich zuverlässig die App – vom Tutorial über die Zugreihenfolge und Schadensberechnung bis zum Freischalten neuer Inhalte. Und dank der vier gut ausbalancierten Schwierigkeitsgrade könnt ihr Boss Fighters genauso gut mit Kindern spielen wie mit euren Nerd-Freunden. Kinder freuen sich über die fantasievolle Gestaltung und vielen witzigen Ideen, Nerds über das hochwertige Spielmaterial und die vielen bestimmt total zufälligen optischen Ähnlichkeiten zu diversen Blizzard-Klassikern.
Hidden Games Tatort: Der Fall Klein Borstelheim
Spielzeit: 90 bis 150 Minuten | Spieleranzahl: 1 bis 6 | Verlag: Hidden Games | Preis: 25 Euro
Mary: Ich bin normalerweise niemand, den man mit Brettspielen hinterm Ofen hervorlocken kann, bei den Krimispielen von Hidden Games mache ich aber eine Ausnahme. Das liegt nicht nur an dem schmalen Preis und übersichtlichen Umfang, sondern auch an der Zugänglichkeit. Ich muss keine Anleitungen lesen oder Regeln lernen. Ich mache einfach den Umschlag auf und schon geht’s los.
In eben jenem Umschlag befindet sich neben einer kurzen Einleitung (meist per Audiodatei auf einer Website) zum Kriminalfall jede Menge liebevoll gestaltetes Beweismaterial, das es zu sichten gilt. Im ersten Fall der Reihe dreht sich alles um einen verstorbenen Dorfpolizisten und ein verschlafenes Kaff mit dem klangvollen Namen Klein-Borstelheim. Da der beauftragte Kommissar mit seinem Latein am Ende ist, liegt es jetzt an uns, den Fall zu klären. Und wie es auf dem Dorf nun mal so ist, gibt es neben dem Mord noch viele andere kleinere und größere Geheimnisse, die es zu lüften gilt.
Zwischen Zeitungsausschnitten, Screenshots aus Whatsapp-Chats und Passwörtern, muss ich zusammen mit meinen Mitspielern auch immer wieder das Internet durchforsten, Nummern anrufen oder mich auf Webseiten mit den mitgegebenen Passwörtern einloggen, um die Geschichte um den Mord zusammen zu puzzeln. Das schöne dabei: Es gibt so viel zu entdecken und herauszufinden, dass alle Mitspielenden eine andere Spur verfolgen können. Dabei läuft man irgendwann ganz automatisch wie wild um den Esstisch, um die darauf verteilten Beweismittel immer wieder in die Hand zu nehmen.
Ziel ist es natürlich, herauszufinden, wer der Mörder ist. Manchmal gibt einem das Spiel auch noch ein oder zwei Fragen an die Hand, deren richtige Beantwortung ebenfalls essenziell ist. Glauben wir, den Mörder zu kennen, geben wir unsere Antworten auf die Fragen bei einer Website ein. Liegen wir richtig, werden wir mit einem kleinen Audioschnipsel als Epilog belohnt.
Das ganze Konzept ist so zugänglich, dass selbst meine Eltern (die schon bei Munchkin kapituliert haben) Spaß mit dem Thema hatten. Wenn ihr also etwas sucht, was ihr vor allem mit euren Eltern oder Geschwistern spielen wollt, sind die Hidden-Games-Fälle genau das Richtige. Für Kinder unter 16 Jahren eignet sich das ganze Konzept aber eher weniger.
Die Tavernen im Tiefen Thal
Spielzeit: bis 60 Minuten | Spieleranzahl: 2 bis 4 | Verlag: Schmidt Spiele | Preis: 30 Euro
Tobias: Zu kompliziert, zu viel Erklärung nötig und nach zwei Stunden Spielzeit trotzdem nur Fragezeichen im Kopf: Das sind die Vorurteile, mit denen mein Umfeld mir immer wieder begegnet, wenn ich taktisch tiefgängige Brettspiele in die Runde bringe. Überzeugungsarbeit zu leisten, ist da wahrlich kein leichter Job. Mit Die Tavernen im Tiefen Thal habe ich es aber endlich geschafft. Meiner Meinung nach ist es der ideale Einstieg in die Welt der taktischen Brettspiele. Das gilt sowohl für erwachsene Skeptiker, als auch für junge Neueinsteiger.
In dem Spiel bewirtschaften wir unsere eigene mittelalterliche Taverne. Jede Runde stehen uns Würfel zur Verfügung, mit denen wir unsere Gäste bewirten können, dadurch sammeln wir Gold und Bier, worüber wir entweder die Riege unserer potenziellen Kundschaft vergrößern oder unsere Taverne ausbauen. Der Clou: Die Box bietet eine Vielzahl an Modulen, die das Spiel nach und nach erweitern. In der Grundversion ist es super schnell verstanden und bietet trotzdem Tiefgang. Die Module erlauben es dann ganz individuell, den Anspruch zu erhöhen.
Spieleautor Wolfgang Warsch verpackt in seinen Tavernen im Tiefen Thal verschiedene Mechaniken komplexerer Brettspiele. Die Gäste sind in einem Deck repräsentiert, was wir uns nach und nach aufbauen, in der Taverne müssen wir überlegen, welche Verbesserungen für unsere Taktik nötig sind, wie wir möglichst klug unsere Ressourcen einsetzen und schließlich die Würfel platzieren.
Das Frustlevel ist dabei entsprechend niedrig, weil die Interaktionen mit unseren Mitspielern sich auf kleine Momente beschränken und wir vor allem in Ruhe unsere Gaststätte ausbauen und managen. Das verschafft dem Spiel einen gemütlichen Charakter und mit der mittelalterlichen Tavernenatmosphäre passt es perfekt in die Weihnachts- und Winterzeit. Und wer weiß, nach einigen Runden Die Tavernen im Tiefen Thal ist schnell die Lust auf mehr geweckt und schon bald landen größere Boxen auf dem Tisch. Ich spreche da aus Erfahrung.
Unstable Unicorns
Spielzeit: 30 bis 60 Minuten | Spieleranzahl: 2 bis 8 | Verlag: Unstable Games | Preis: 20 Euro
Alex: Als ich meiner besten Freundin Unstable Unicorns gezeigt habe, ist sie danach heimgegangen, hat sich am nächsten Tag das Spiel selbst gekauft und kurz darauf noch eine Erweiterung. Seit Monaten nervt sie Partner, Kommilitonen und Familie mit dem Spiel. Wobei »nerven« der falsche Begriff ist, immerhin sind die meisten dem Sog der Fabelwesen ebenfalls verfallen.
Das Spiel hat es nämlich faustdick hinter den Hörnern! Ihr müsst eine gewisse Anzahl an Einhörnern in eurem Stall unterbringen, um zu gewinnen. Dabei haben einige dieser majestätischen Wesen spezielle Fähigkeiten … und sind nicht immer sonderlich majestätisch. Das Ginormous Unicorn beispielsweise ist so dick, dass es für zwei Einhörner im Stall zählt. Das Seductive Unicorn dagegen ist so anziehend, dass es einen Artgenossen aus einem gegnerischen Stall zum eigenen lockt.
Letzteres Einhorn zeigt fantastisch, was Unstable Unicorns so spaßig macht: Ihr müsst ein ständiges Gleichgewicht finden, euren eigenen Stall auszubauen, während ihr gleichzeitig eure Gegner sabotiert. Dazu kommen dann Upgrade-Karten für euch, Downgrade-Karten, die ihr in gegnerische Ställe schmuggeln könnt und natürlich noch die »Neigh!«-Karten, mit denen ihr den gesamten Zug eures Kontrahenten negieren könnt.
All das führt zu erbitterten Kämpfen, bei denen besonders kompetitive Spieler auf ihre Kosten kommen und sich auch mal erbittert über eine Neigh!-Karte ärgern können, ohne den gesamten restlichen Abend eine miese Laune zu verbreiten. Denn eins ist klar: Unstable Unicorns steigert die Frustrationstoleranz und lebt von Schadenfreude.
Hof-Verrat
Spielzeit: ca. 30 Minuten | Spieleranzahl: 2 bis 5 | Verlag: Huch! | Preis: ca. 20 Euro
Felix: Bei Hof-Verrat handelt es sich um ein kleines aber sehr feines Kartenspiel, bei dem verschiedene Familien an der Tafel des Königs sitzen und ihr, durch das Spielen von drei Karten, beeinflussen könnt, welche Familie in der Gunst des Königs steht oder welche in Ungnade gefallen ist. Das wiederum hat Einfluss auf die Punkte, die ihr am Ende der Runde bekommt. Doch ich greife vielleicht ein wenig vor. Ich erkläre mal kurz, wie das alles abläuft.
In der Mitte des Tisches liegt eine kleine Matte, quasi die Tafel des Königs. Jeder Spieler bekommt 3 Karten und muss diese offen in seinem Zug nun auslegen. Eine Karte in den eigenen Bereich, eine Karte in den Bereich eines anderen, beliebigen Spielers und eine Karte an die Tafel des Königs. Bei der Tafel des Königs ist vor allem die Position der Karte wichtig. Ihr könnt sie in den oberen oder unteren Bereich der farblich passenden Familie spielen.
Hat eine Familie mehr Karten über sich, also im oberen Bereich, ist diese Familie in der Gunst des Königs. Sind mehr Karten im unteren Bereich, ist dieses Haus in Ungnade gefallen. Dementsprechend werden am Ende dann Plus- und Minuspunkte verteilt für die Karten der jeweiligen Farbe, die im eigenen Bereich liegen. Habt ihr drei Karten gespielt, zieht ihr neue. Die Runde geht so lange reihum, bis alle Karten vom Nachzugsstapel gespielt wurden.
Es gibt da aber noch vier Sonderkarten wie zum Beispiel den Assassinen, die das Spiel ordentlich aufmischen können. Legt man diesen Attentäter in einen Bereich, kann man eine andere Karte aus diesem Areal entfernen. So kann man ganz schnell eine Familie in Ungnade fallen lassen und die ganzen Pluspunkte der Mitspieler verwandeln sich in Minuspunkte.
Was entsteht, ist ein wahnsinnig spannendes und spaßiges Spiel, in dessen Verlauf ihr Mitspieler in ungewollte Allianzen zwingen könnt, indem ihr ihnen Karten zuspielt, von denen ihr selbst profitiert. Oder ihr bringt ganze Häuser zu Fall und seht dabei zu, wie sich mühsam angesparte Pluspunkte in Luft auflösen. Der Clou, dass ihr eben auch eine Karte bei einem Mitspieler ablegen müsst, ist, gepaart mit dem Kartenglück, ein wunderbares Element, wodurch ihr manchmal nicht drumherum kommt, jemand anderem etwas Gutes zu tun. Hof-Verrat ist ein leicht zu erlernendes Spiel der Intrigen und Allianzen, in dem sich mit wenigen Karten viel ändern kann und das seinem Namen mehr als gerecht wird.
Hitster
Spielzeit: 30 Minuten | Spieleranzahl: 2 bis 10 | Verlag: Jumbo | Preis: 25 Euro
Heiko: Seit inzwischen fast zehn Jahren spiele ich circa alle zwei Wochen beim Munich Music Quiz mit. Ein Kneipenquiz, bei dem der ganze langweilige Allgemeinwissen-Kram weggelassen wird und es nur ums Erraten von Musik geht.
Entsprechend überrascht es mich nur so mittel, dass sich Hitster seit nunmehr drei Jahren wie geschnitten Brot verkauft. Das Spielprinzip ist denkbar simpel: Ihr hört Songs aus über 100 Jahren Musikgeschichte und müsst sie in die richtige zeitliche Reihenfolge bringen. Wer das als erstes bei zehn Songs schafft, gewinnt die Runde.
Technisch funktioniert das Ganze über Karten mit einem QR-Code und einer App samt Spotify-Anbindung. Die App scannt den Code, spielt automatisch den Song bei Spotify ab, und die ratende Person legt die Karte in die richtige Position und dreht sie schließlich, um anhand der Song-Infos auf der Rückseite zu sehen, ob sie richtig lag.
Natürlich spielt hier das Glück eine gewaltige Rolle, denn wenn ihr einen Song aus den 90ern hört, aber bereits 1992, 1995 und 1998 auf dem Tisch liegen habt, dann fällt die Lösung erheblich schwerer, als wenn Hitster einen Song von Elvis Presley spielen würde.
Aber das Gewinnen wird in Hitster eh schnell zur Nebensache, es geht viel mehr ums gemeinsame (Wieder-)Entdecken von Musik. Und das funktioniert generationsübergreifend, meine über 70 Jahre alten Eltern lieben Hitster genauso wie meine Teenager-Neffen. Für Fairness sorgen die mitgedachten Schwierigkeitsgrade. Meinen Neffen und Eltern müssen die Karte nur zeitlich korrekt einordnen, von mir als Musiknerd erwarten sie zusätzlich den korrekten Interpreten und Songtitel, damit ich die Karte behalten darf.
Das Hauptspiel enthält 300 Songs, inzwischen gibt’s außerdem sechs Erweiterungen für bestimmte Musikrichtungen von Schlager bis Rock. Zwar nervt mich der Spotify-Zwang und auch die App hat immer mal wieder technische Aussetzer, unterm Strich muss ich aber zugeben, dass aktuell kein anderes Spiel meine Familie so sehr zum gemeinsamen Lachen bringt. Musik verbindet.
Flip 7
Spielzeit: 20 Minuten | Spieleranzahl: 3 bis 18 | Verlag: Kosmos | Preis: 15 Euro
Tobi: Ihr braucht ein Spiel, das alle – egal ob jung oder alt – in zwei Minuten verstanden haben und das ihr direkt loszocken könnt? Dann ist Flip 7 genau euer Ding! Die Regeln des Kartenspiels von Kosmos sind jedenfalls unheimlich simpel.
Im großen Kartenstapel befinden sich Zahlenkarten von 0 bis 12 – jede Karte dabei so oft wie ihr Wert (die 7 also siebenmal, die 9 neunmal etc.). Eine Person ist der Geber und teilt nacheinander Karten an die Mitspielenden aus. Ist man an der Reihe, hat man die Möglichkeit, eine weitere Karte zu nehmen oder zu passen und die Werte der bisher gesammelten Karten als Punkte einzusacken.
Aber Vorsicht! Wer eine Zahl bekommt, die schon in der eigenen Auslage liegt, »bustet« und scheidet aus. Hohe Zahlen geben entsprechend mehr Punkte, es besteht aber auch eine größere Gefahr, dass eine weitere Karte dieses Wertes auftaucht. Für zusätzliche Würze sorgen diverse Aktionskarten, mit denen man unter anderem eine Person bestimmen kann, die drei weitere Karten ziehen muss.
Und falls ihr es schaffen solltet, Karten mit sieben unterschiedlichen Werten vor sich zu sammeln, erzielt den namensgebenden Flip 7, beendet die aktuelle Runde sofort und sackt 15 Extrapunkte ein. Wer insgesamt über 200 Punkte sammelt, gewinnt sofort – dieses Limit lässt sich natürlich nach oben oder unten anpassen.
In der Vielspieler-Szene wird Flip 7 aufgrund seiner Simplizität belächelt, als banal abgestempelt. Auf den reinen Spielablauf mag das zutreffen und doch hat es bei mir und meinen bisherigen Runden etwas ausgelöst, was Spiele meiner Meinung nach immer auslösen sollten: Emotionen. So viel Gejohle und Gefluche wie bei Flip 7 habe ich in den vergangenen Jahren auf jeden Fall selten am Brettspieltisch erlebt. (Schaden-)Freud und Leid liegen hier sehr nah beieinander und die Runden sind so schnell vorbei, dass es selten bei einer Partie bleibt.
Für Hardcore-Strategen oder Grübler ist Flip 7 natürlich nichts, aber wer generationsübergreifend einfach eine gute Zeit haben will – und ein Spiel sucht, dass man immer wieder schnell zwischendurch auf den Tisch bringen kann – dem sei Flip 7 unbedingt ans Herz gelegt. Das sieht übrigens auch die Jury Spiel des Jahres so, die Flip 7 in diesem Jahr als einen von drei Titeln für den begehrten Preis nominierte – wo es sich allerdings dem ebenfalls famosen Bomb Busters geschlagen geben musste.
Skyjo
Spielzeit: 30 Minuten | Spieleranzahl: 2 bis 8 | Verlag: Magilano | Preis: zwischen 13 und15 Euro
Franzi: Bei Brett- und Kartenspielen erhitzen sich ja gerne mal die Gemüter - teilweise geht es so weit, dass einer am Ende beleidigt auf dem Balkon sitzt und der Rest genervt die Küche verlässt. Ach, da spreche ich natürlich (nicht) aus Erfahrung!
Skyjo hat bei meiner Familie das traditionelle Kniffeln abgelöst und sorgt zudem für viel weniger Streit. Dabei ist das Spiel sehr einfach zu verstehen - konzentrieren muss man sich aber trotzdem! Jeder Spieler hat zwölf verdeckte Karten vor sich liegen, von denen er zwei vor Beginn des Spiels aufdecken darf.
In jedem Zug zieht der jeweilige Spieler entweder eine Karte vom Ablagestapel oder vom normalen Stapel und tauscht sie gegen eine der eigenen Karten - egal, ob offen oder verdeckt. Die Karten gehen von minus zwei bis zwölf, wobei die höchsten Rot, die mittleren Gelb und die niedrigsten Grün - beziehungsweise Hellblau und Dunkelblau - gekennzeichnet sind.
Das Ziel des Spiels ist es, durch geschicktes Tauschen und Aufdecken der eigenen Karten die niedrigste Punktzahl zu erreichen. Es gibt jedoch eine Sonderregel: Wenn der Spieler drei gleiche Zahlen in einer vertikalen Reihe hat, darf er die gesamte Spalte ablegen, was die eigene Punktzahl natürlich sogleich drastisch verringert.
Skyjo ist ideal für Zwischendurch, weil die Runden knackig kurz sind. Falls ihr jetzt auch noch nach einem Spiel mit weniger Streit-Potenzial sucht, dann seid ihr hier genau richtig!
Falls euch diese Empfehlungen nicht reichen, haben wir in dem oben verlinkten Artikel-Kasten noch viele weitere Empfehlungen für euch! Darunter auch Brettspiele, die etwas komplexer oder langfristiger angelegt sind. Das mag sich für das Spiel zwischendurch mit der ganzen Familie nicht eignen, dafür aber vielleicht ja mit ähnlich brettspielbegeisterten Freunden!





Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.