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»Wir nennen es nicht Open World« - Gears of War: E-Day trifft drei sehr spannende Entscheidungen

Der Locust ist aus dem Sack: Gears of War: E-Day hat massig Gameplay enthüllt, der Shooter gehört zu den größten Eisen in Microsofts Feuer. Und wir haben hinter den Kulissen sogar noch mehr herausgefunden.

Gears of War: E-Day dreht die Zeit zurück: Ihr spielt wieder Marcus Fenix und schrotet Locusts einen über den Latz. Gears of War: E-Day dreht die Zeit zurück: Ihr spielt wieder Marcus Fenix und schrotet Locusts einen über den Latz.

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Interviews mit AAA-Entwicklern gehören oft zum mühsamsten Teil meiner Arbeit. Du hockst da mit Profis, die jahrelanges Media-Training erhalten haben, umringt von PR-Menschen, die peinlich genau darauf achten, dass kein gesagtes Wort von der offiziellen Pressemittelung abweicht. Und hey, kann ich sogar verstehen, wir haben alle schon erlebt, dass zwei schiefe Sätze in Zeiten des Internets einen Erdrutsch auslösen können. Wahrscheinlich wacht Yves Guillemot heute noch schreckartig auf und schreit »AAAA-Spiel!«

Umso erfrischender, wenn Blockbuster-Entwickler einfach mal frei Schnauze babbeln. Zum Beispiel bei Gears of War: E-Day. Ich hocke in Los Angeles im Nachklapp des großen Xbox-Showcase-Events mit Matt Searcy, Aryan Hanbeck und Nicole Fawcette in einem separierten Räumchen, allesamt wichtige Köpfe hinter dem neuen Gears, um nach Lust und Laune über all das zu reden, was ich zum neuen Gears wissen will. Es gibt keine Einschränkungen, kein Skript, keine Regeln.

Aber Entwickler The Coalition hat auch eine Menge wiedergutzumachen. Gears 5 von 2019 leidet unter einem schlechteren Ruf als Pizza Hawaii. In puncto Open World, Storytelling, Mikrotransaktionen und Gamedesign ging das Spiel für viele Fans in die völlig falsche Richtung. Kein Wunder, dass seit nunmehr sieben Jahren Funkstille herrscht.

Gears of War: E-Day will das mit einem fulminanten Comeback ändern. Und ich verlasse meinen Termin mit einem ziemlich guten Gefühl, denn der Shooter trifft in meinen Augen drei richtig gute Richtungen.

Dimitry Halley
Dimitry Halley

Dimi ist in puncto Gears of War ein Spätzünder: Er hat die Serie erst in den letzten zehn Jahren in Gänze nachgeholt, den Hype aber damals natürlich live verfolgt. Kaum ein Franchise ist für den Durchbruch der Konsolen-Shooter so maßgeblich verantwortlich wie Gears. Aber Dimi verfolgt auch das Universum dahinter: In den Büchern und Comics erfährt man so viel mehr über die düstere Welt von Sera – hoffentlich nutzen die Devs von E-Day den Sprung in die Vergangenheit, um mehr davon auf den großen Bildschirm zu transportieren.

1. Eine Open World, die keine ist

Gears 5 ist ein spätes Opfer der Open-World-Trendwelle der 2010er-Jahre. Ihr erinnert euch: Gefühlt jeder neue Blockbuster brauchte plötzlich eine offene Spielwelt, um sich das Buzzword auf die Packung zu schreiben und idealerweise auch noch Service-Game-Sperenzchen einzuweben, damit die Leute möglichst lange am Ball bleiben. Manchmal ging die Rechnung auf ... im Fall von Gears 5 nicht.

Video starten 30:21 Gears of War: E-Day – Warum dieses Prequel die Reihe rettet

Die leeren, offenen Areale und aufgezwungenen Fahrzeugpassagen sind bis heute der größte Kritikpunkt an Gears 5. Der Quasi-Nachfolger E-Day adressiert es deshalb klipp und klar: So etwas wird sich nicht wiederholen.

Umso ironischer, dass Art Director Aryan Hanbeck der Begriff Open World über die Lippen rutscht, aber er korrigiert den Versprecher sofort: E-Day verzichtet auf Open-World-Passagen. Kein ausuferndes Abklappern, keine aufgezwungenen Fahrzeuge. Aber ganz linear wird E-Day dadurch trotzdem nicht.

The Coaltion bemüht sich um eine bessere Balance als im Vorgänger, denn was Aryan Hanbeck meint: In E-Day folgt ihr größtenteils durchgeskripteten Missionen durch die verwüstete Stadt Kalona, aber ab und an öffnet sich das Level. Ihr könnt dann innerhalb eines Distrikts recht frei entscheiden, wohin ihr zuerst vorstoßen möchtet; inklusive optionaler Missionsziele.

Zum Beispiel rettet ihr nach eigenem Gutdünken irgendeine Truppe in Bedrängnis vor den Locust und bekommt dafür Story- oder Ausrüstungsbelohnungen. Alternativ ignoriert ihr die Bande (schämt euch).

In meinen Augen klingt das nach genau der richtigen Mitte: Gerade eine imposante Stadt vergeudet in reinen Schlauchlevels ihr Potenzial, ein bisschen offen darf's schon sein. Idealerweise werden die Kampfarenen so mehr zur Sandbox, in der ich wirklich frei entscheide, wie ich wo was angreife. Sehr cool.

Disclaimer: Wir wurden von Microsoft nach Los Angeles eingeladen, um im Rahmen des Summer Game Fests alle möglichen Neuankündigungen – darunter auch E-Day – anzuschauen. Microsoft hat die Kosten für Hotel, Flug und Verpflegung übernommen. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

2. Mehr Movement

Als das erste Gears of War sich aus der Taufe erhob, waren Deckungs-Shooter revolutionär. Endlich konnte ich auch auf Konsole problemlos in Shootern ballern, weil ich Zeit zum Verschnaufen und Zielen bekam. Cover Shooter öffneten dem Mainstream-Shooter endgültig die Konsolenpforten, nachdem Halo und Co. schon ein paar Jährchen zuvor den Fuß reingesteckt hatten.

2026 hat sich die Lage verändert, Shooter sind auf Konsolen längst gang und gäbe – Deckungs-Shoter hingegen umso seltener. Trotzdem trifft E-Day die richtige Entscheidung, diesen Markenkern nicht aufzugeben. Dass die Gears-Soldaten sich mit ihren schweren Rüstungen in die Deckung wuchten und dabei Autotüren zerdrücken, während um sie herum feindliche Kugeln Chrom, Lack und Putz splittern lassen ... das gehört einfach dazu.

Video starten 7:14 Gears of War: E-Day zeigt endlich 7 Minuten Gameplay – und verrät direkt das Release-Datum

Aber Marcus und Dom bekommen ein paar neue Tricks. Das Spiel unterscheidet künftig unterschiedliche Deckungshöhen, die Gears pirschen sich also teils an ein Meter hohen Barrikaden entlang. Außerdem können sie über kurze Distanzen rutschen. Und springen! Die Devs schränken direkt ein, dass Sprünge in Gears kein Allheilmittel sind, um Feindbeschuss auszuweichen. Gears wird also kein CoD-Klon, in dem alle wie wilde Häschen herumhüpfen.

Gerade im Multiplayer erhoffe ich mir von den neuen Movement-Möglichkeiten einen moderneren Spielfluss, klingt nach genau der richtigen Stoßrichtung.

3. Wir reisen in der Zeit zurück

Ähnlich wie Halo hat sich die Story der Gears-Saga nach dem Ende von Teil drei in eine ziemliche Sackgasse geschrieben. Gleichzeitig liegen die Glanzjahre der Serie so lange zurück, dass du den Jungspundinnen und -spunden von morgen den Reiz von Gears wahrscheinlich erst wieder schmackhaft machen musst. Dass E-Day sich in der Zeit zurückbewegt, schlägt hier zwei Wretches mit einer Klappe.

In E-Day zieht ihr wieder mit einem Vier-Personen-Trupp um die Häuser. Wahlweise auch im Koop. In E-Day zieht ihr wieder mit einem Vier-Personen-Trupp um die Häuser. Wahlweise auch im Koop.

E-Day hat das Zeug, das Halo: Reach der Gears-Saga zu werden: Eine düstere Vorgeschichte, die eine Welt zeigt, die wir bisher nur in Büchern und Comics erlebt haben. Denn bevor die Gears gegen die Locust in die Schlacht zogen, kamen sie frisch aus einem gigantischen Bürgerkrieg gegen sich selbst. Ähnlich wie die Spartans in Halo sind auch die Gears eigentlich Teil einer faschistoiden Militärmaschinerie, die Menschen gnadenlos ausbeutet.

Dieses Sera will ich mal in einem Spiel erleben. Eine Gesellschaft, in der die Bösen nur deshalb zu den »Guten« werden, weil sie gegen noch bösere Böslinge kämpfen. Eine Gesellschaft, die in puncto Technologie wie die Erde wirkt, aber dann im Getriebe doch ganz anders tickt. Eine Gesellschaft der Widersprüche, die raue Helden wie Marcus, Dom und Co. hervorbringt.

Und der Ruin einer Zivilisation birgt das Potenzial für so viel cooles Storytelling, kleine wie große Geschichten, über die Umgebung oder direkt durch Dialoge erzählt. Ich sehe da draußen immer wieder Enttäuschung darüber, dass E-Day den Handlungsfaden von Gears 5 nicht aufgreift, aber umgekehrt bin ich fest davon überzeugt: In der Vergangenheit des Gears-Universums liegen noch so viele Story-Juwelen. Wird Zeit, dass die mal jemand ausgräbt.

Und dass die Devs hier sogar mit Karen Traviss zusammenarbeiten, die die ursprünglichen Gears-Romane geschrieben hat, ist mehr als nur ein I-Tüpfelchen. Es stimmt mich zuversichtlich, dass die Entwicklerinnen und Entwickler von The Coaltion wissen, wie sie mit dem Erbe von Gears umzugehen haben. Oder es zumindest aus den Fehlschlägen bei den Vorgängern endlich gelernt haben.

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