50% aufs erste Jahr – nur für kurze Zeit!

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2005 erlangte ein WoW-Spieler zweifelhaften Ruhm, weil er einen harmlosen Hafen in eine Todeszone verwandelte

Wer 2005 das originale World of Warcraft unter dem Banner der Allianz spielte, musste sich unter Umständen vor einem besonders fiesen Spieler fürchten.

Dieses Gesicht hat damals einige Albträume heimgesucht. Dieses Gesicht hat damals einige Albträume heimgesucht.

Wir schreiben das Jahr 2005. Angela Merkel übernimmt das Kanzleramt, Youtube geht mit einem Video aus dem Zoo online und in World of Warcraft schließen sich Spielerinnen und Spieler erstmals der Allianz oder der Horde an.

Die Wahl der Fraktion bleibt dabei nicht folgenlos, aber mit einer ganz bestimmten Konsequenz haben wohl die wenigsten gerechnet. Habt ihr euch der rechtschaffenden Allianz angeschlossen, landet ihr potenziell auf der Liste eines ganz schön durchtriebenen Spielers.

Ein Orc namens Angwe

Die Rede ist von einem Spieler namens Angwe. Der Orc-Schurke mausert sich zum Start des MMOs zu einem der größten Bösewichte, die nicht selbst aus dem Spiel stammen. Wie er das macht? Indem er arglosen Allianzlern auflauert und sie, ohne mit der Wimper zu zucken, abschlachtet. Acht Stunden am Tag.

Insgesamt lagert Angwe ganze vier Monate am Hafen von Menethil und pirscht sich an seine Opfer heran, die völlig ahnungslos auf ihr Schiff nach Kalimdor warten. Menethil hat er gewählt, weil es als eine der wenigen Verbindungen der beiden Landmassen als Nadelöhr fungiert. Viele Spielerinnen und Spieler trudeln hier ein - ein gefundenes Fressen für den Orc.

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Dabei ist es ihm gleich, ob sie Level 60 oder komplette Neulinge sind. Da der Hafen von Menethil in einem Gebiet für Level 20 bis 30 liegt, ist der Anteil der Neueinsteiger besonders hoch. Manchmal schleicht er seinen Zielen sogar aufs Schiff hinterher, nur um sie dann an Bord niederzumetzeln. Anschließend schwimmt er zurück zum Hafen und wiederholt das Ganze.

»Ich bin einfach gerne Freddy Krüger«

Dabei geht es ihm aber nicht nur um die Tat an sich, er zehrt auch von den Reaktionen, wie er 2017 in einem Gespräch mit PCGamer verrät. Da Allianz und Horde im Spiel nicht miteinander chatten können, erstellt sich Angwe einen zweiten Charakter, der der gegnerischen Fraktion angehört. Als »Angwespy« schickt er seinen Opfern Nachrichten und zeichnet ihre Wutausbrüche auf.

Die Screenshots ihrer wütenden Nachrichten veröffentlicht er schließlich auf seiner Webseite, die heute nicht mehr existiert. Dort sind Aussagen zu lesen, wie »Ich hasse dich so sehr, Angwe. Du bist ein verdammter Nerd und hast absolut kein Leben. Mann, du wohnst vermutlich im Keller deiner Mutter.« Manche wollen einen Deal mit Angwe eingehen: »Können wir nicht irgendwie eine Vereinbarung treffen, damit du aufhörst, mich zu töten? Gold? Rüstung? EP? Irgendwas?« (via MeinMMO)

Warum ihm diese Nachrichten so wichtig sind, verrät er im Gespräch mit PCGamer: »Ich bin einfach gern Freddy Krüger. […] Ich liebe es, der Buhmann zu sein. [...] Wenn ich einen Ort belagerte, wollte ich die Genugtuung erleben, die Leute ausflippen zu sehen.«

Das Ende von Angwe

Die Mitglieder der Allianz lassen das aber nicht ewig mit sich machen. Eines Tages rotten sich einige von Angwes Opfern zusammen und gründen eine Gilde, die nur den Zweck verfolgt, ihm den Garaus zu machen.

»Ihr Gildenleiter war ihr höchststufiger Spieler, Stufe 60. Sie hatten ein paar Spieler der Stufe 50, aber dann unzählige der Stufen 30 und 40. Sie tauchten in Scharen auf, um mich zu töten«, erzählt er Jahre später. Mit einer Gruppe dieser Größe - noch dazu mit etlichen Priestern, die unermüdlich für Heilung sorgen - wird selbst der Schrecken von Menethil nicht fertig. »Es war der absolute Wahnsinn - ich war wie ein Raid-Boss.«

Den letzten Sargnagel verpasst ihm aber Blizzard selbst. Mit Patch 1.5 wird ein neues PvP-System eingeführt. In Arenen werden verschiedene PvP-Modi ausgetragen, bei denen wertvolle Belohnungen winken. Die meisten Spielerinnen und Spieler, die am Kämpfen mit anderen interessiert sind, konzentrieren sich jetzt auf diese Arenen. Der Hafen von Menethil wird immer weniger besucht und damit auch Angwes Herrschaftsgebiet.

So verliert auch der Spieler hinter Angwe selbst das Interesse. Er beginnt, sein skurriles Hobby zu hinterfragen und beschließt, etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen. Nach seinem Game-Design-Studium steigt er in die Spieleentwicklungsbranche ein, wird Vater und blickt auf seine zweifelhafte Karriere als Schreckens-Orc zurück. Heute würde er untergehen, wenn er sich nochmal als Angwe einloggt, sagt er. Angwe ist Geschichte.

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