Erst vor wenigen Monaten habe ich Maid of Sker nachgeholt und mir gedacht: »Es sollte viel mehr gruselige Spiele mit Meerjungfrauen geben!«
Tja, wie heißt es so schön? Pass auf, was du dir wünscht! Denn mit About Fishing habe ich meine Meerjungfrauen zwar bekommen, bin aber auch gleichzeitig in die wohl merkwürdigste Spielerfahrung des Jahres gestolpert. Wenn mir jemand sagen würde, ich hätte die gesamte Demo dieser absurden Angel-Simulation nur geträumt, würde ich es sofort glauben.
Oder wie sonst ergeben Curly Fries, eine Ente, die eigentlich eine Gans ist, und mystische Unterwasserwesen auch nur den Hauch eines Sinns? Ich wage hier mal den Versuch, das alles irgendwie in Worte zu fassen.
1:06
About Fishing: Diese Angel-Simulation ist eins der merkwürdigsten Spiele des Jahres
Angeln für Curly Fries
Die Steam-Next-Fest-Demo zu About Fishing beginnt trügerisch idyllisch: Ich schlüpfe in die Gummistiefel eines kleinen Mädchens, das mit seinem Großvater an einem See fischt. Eine hübsche Meerjungfrau schenkt mir einen kleinen gelben Segelflossendoktor, mit dem ich Großpapa natürlich sofort beeindrucken möchte. Nachdem er mich ein bisschen zu lange über den Fisch ausgefragt hat, bietet er mir Curly Fries an, also diese lockigen Pommes. Für die leckere Belohnung, muss ich aber erstmal weiterangeln und ihm eine Handvoll Fische vorbeibringen. Bis dahin wird ja alles kalt ... Naja, kannste nichts machen.
Also zurück ans Wasser, um den Simulations-Teil zu erledigen. Zwar habe ich keine Ahnung von echtem Angeln, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es exakt so abläuft: Rute ins Wasser werfen, das Geschehen beobachten und sobald etwas anbeißt … zack, wechsle ich in die Perspektive des Fisches. Jetzt muss ich ihn richtig ausrichten und die Leine vorsichtig einholen, ohne dass sie reißt. Später schalte ich noch Upgrades wie bessere Köder oder Gewichte frei, damit ich auch tief unten nach den Flundern angeln kann. Die Steuerung des Angel-Minispiels ist ein bisschen sperrig, aber das Durchbeißen lohnt sich. Denn erst jetzt beginnt das eigentliche Spiel!
Mein Großvater erklärt mir, dass ich einen gefangenen Fisch auch wieder an den Haken setzen, ihn ins Wasser zurückwerfen und damit die Umgebung erkunden kann. Ich soll doch mal bitte nachschauen, warum sich so viele von den gelben Segelflossendoktoren an diesem Unterwasser-Höhlenzugang versammelt haben. Gesagt, getan.
Mit dem kleinen Fisch schwimme ich durch das dunkle Gewässer, steige tiefer in die Höhle hinab – und stoße auf eine Leiche, die Laura Palmer wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Goldene Locken umrahmen das Gesicht eines jungen Teenager-Mädchens, das in eine riesige Plastiktüte gestopft wurde. Mit dem Fisch umschwimme ich ihre freiliegende Hand und befestige damit die Angelschnur um ihr Handgelenk, um sie aus den Tiefen zu fischen. Und was habt ihr im Sommer bei euren Großeltern so erlebt?
Einfach nur: Was?
Das Spiel macht an dieser Stelle einen Zeitsprung. Etliche Jahre später besuche ich meinen Großvater, der für den Mord an dem Mädchen prompt im Kirchenkeller eingesperrt wurde. Und das ist nicht das einzige Problem: Der örtliche Friedhof ist überflutet, die Leiche des ermordeten Mädchens liegt schon wieder unter Wasser und ich soll sie bitteschön ein zweites Mal an die Oberfläche kurbeln. Spätestens hier mutiert die Simulation endgültig zum surrealen Mystery-Thriller.
Um das nötige Angel-Equipment für den Mausoleums-Einbruch zu finanzieren, fische ich fortan auf dem Friedhof. Dabei angle ich nicht nur den Schlüssel zu Opas geheimem Arbeitszimmer (mitsamt belastenden Notizen über handgenähte Meerjungfrauen-Flossen) aus einem Dixi-Klo – ich erspare euch die Details, sondern rette auch noch den Goldfisch Joschua mit meiner treuen Rute aus einem Vogelnest.
Die Freude währt allerdings nur kurz: Kaum rüste ich Joschua als Köder aus, um den Mausoleums-Eingang unter Wasser freizulegen, wird er prompt von einem Raubfisch verschlungen. R.I.P., Joschua. Mit einem neuen Fisch gelingt der Versuch schließlich, in das Grab vorzudringen, doch statt einer ganzen Leiche ziehe ich lediglich ein einzelnes Bein an die Oberfläche.
Als ich die Knochen meinem Opa präsentiere, folgt ein Dialog, der David Lynch stolz gemacht hätte. Opa ist völlig verdutzt und referiert stattdessen über eine Ente (die eigentlich eine Gans war), die an jenem Schicksalstag in der Kirche Curly Fries aß, bis ihr um Mitternacht die Pommes ausgingen. Das gefundene Bein ergebe in diesem Kontext also überhaupt keinen Sinn! Klar soweit? Nein? Dann solltet ihr die Demo zu About Fishing am besten selbst spielen.
Vielleicht hatte ich die Tage einen leichten Sonnenstich, bin mir aber sicher, dass uns hier auch ohne Hitze-Delirium eine völlig abgedrehte Indie-Perle erwartet. Mich hat die Demo nämlich komplett abgeholt: About Fishing durchbricht den Trott der Angel-Simulation auf völlig unerwartete Weise, kreuzt die dichte Atmosphäre mit düsterer Retro-Grafik, und sprenkelt das Ganze mit Twin-Peaks-esquen Dialogen und völlig absurden Story-Schnipseln.
Ich bin gespannt, was sich in den Tiefen von About Fishing sonst noch verbirgt. Der Release soll bereits 2026 erfolgen.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.