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Seite 2: Ancestors: The Humankind Odyssey im Test - Tausche Assassin's Creed gegen Affen

Gehirnschmalz gesucht

Eure Sinne könnt ihr allerdings nicht nur zum Aufspüren von neuen Nahrungsquellen, Tieren und Ressourcen nutzen, sondern auch zum Kartografieren der Welt. Denn auch eine Mini-Map fehlt in Ancestors: The Humankind Odyssey. Stattdessen orientiert ihr euch an natürlichen Landmarken wie einem zerbrochenen Felsbogen, einem Flussdelta oder einem Hain aus Baobab-Bäumen.

Nebenbei erschließt ihr euch auch unbekannte Gebiete, in denen ihr wie zu Beginn so lange von Halluzinationen geplagt werdet, bis ihr genug bekannte Gerüche und Geräusche geortet habt, um auf Knopfdruck eure Angst zu überwinden und euer Revier zu erweitern.

All diese Abläufe gehen schnell in Fleisch und Blut über, gerade weil sie simpel gestrickt sind. Das Spiel kommuniziert zwar nicht, was genau passiert, aber dafür sehr präzise, wie ihr mit eurer Umgebung interagieren könnt. Zudem ist die Steuerung, zumindest mit dem Controller, relativ genau und perfekt abgestimmt. Mit Maus und Tastatur ist zwar etwas Eingewöhnung nötig, aber einmal gelernt lässt sich euer Menschenaffe auch mehr als annehmbar durch die Spielwelt bugsieren.

Ein gesunder und vor allem kinderreicher Stamm ist für ein erfolgreiches Spielerlebnis elementar. Denn nur durch Kinder erhaltet ihr auch Erfahrungspunkte und könnt euch weiterentwickeln. Ein gesunder und vor allem kinderreicher Stamm ist für ein erfolgreiches Spielerlebnis elementar. Denn nur durch Kinder erhaltet ihr auch Erfahrungspunkte und könnt euch weiterentwickeln.

Kehrt ihr nun nach einem langen Tag im Dschungel in euer Lager zurück, habt ihr genug neuronale Energie gesammelt, um euren Fertigkeitenbaum auszubauen. Dieser ist relativ klassisch strukturiert: Durch die Ausübung von Tätigkeiten schaltet ihr Neuronen frei, die ihr mit Energie versorgt und dadurch dauerhaft Boni bekommt. So könnt ihr beispielsweise mit genug Gehirnschmalz Werkzeuge schneller herstellen, Nahrung besser verdauen oder braucht weniger Ressourcen um rudimentäre Bauwerke wie eine Astbarriere oder einen Schlafplatz aus Blättern zu bauen.

Der tägliche Grind

Das Problem: Diesen oben beschriebenen Tagesablauf verlangt euch das Spiel jeden Tag mit nur minimalen Variationen ab. Auf dem Papier ist die Kombination aus Survival, Crafting und Erkundung allein deswegen spannend, weil die unterschiedlichen Biotope liebevoll von Hand gebaut und mit viel Leben gefüllt sind. Unterschiedliche Wettereffekte, ein wirklich toller, abwechslungsreicher Soundtrack und eine trotz der etwas angestaubten Grafik glaubhafte Welt klingen erst mal wie Argumente für einen guten Spielfluss.

Aber in der Praxis wird das schnell zum immergleichen Trott. An den drei Steintypen und den lediglich fünf Werkzeugen, die man im Spielverlauf basteln kann, hat man sich schnell satt gesehen. Leerlauf wird dadurch zwar vermieden, weil Werkzeuge auch kaputt gehen können, aber wirklich griffig fühlt sich das Spielerlebnis auch nicht an.

Auch wenn die Technik nicht die neueste ist, haben die Entwickler die Spielwelt doch mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Auch wenn die Technik nicht die neueste ist, haben die Entwickler die Spielwelt doch mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Das Potenzial für mehr Abwechslung wäre allerdings da. Denn habt ihr mindestens ein Baby in eurem Clan, könnt ihr einen Generationswechsel einleiten, der die Zeit 15 Jahre vorspult und eure Stammesmitglieder in die nächste Altersgruppe verfrachtet - inklusive maximal kitschiger Zwischensequenz, die etwas zu dick aufträgt. Dieser Generationswechsel ist auch die Voraussetzung für einen Evolutionssprung, eine weitere zentrale Mechanik des Spiels.

Eine weitere ist das Sammeln von Errungenschaften, den sogenannten Evolutionsleistungen, was ihr aber im normalen Spielverlauf fast schon nebenbei macht: Bestimmte Tiere erlegen oder ihnen ausweichen, neue Sehenswürdigkeiten auskundschaften oder euch fünf Mal selbst von einer Verletzung heilen - das geht locker von der Hand, ist aber auch nicht wirklich abwechslungsreich und wirkt oft etwas aufgesetzt.

In der Zeitschleife

Habt ihr alle Voraussetzungen beisammen, dreht ihr die Zeit vor. Jede dieser Evolutionsleistungen lässt euch dabei weiter nach vorne springen. Habt ihr beispielsweise eine Oase gefunden, bekommt ihr zwischen 20 und 30.000 Jahre auf euer Zeitkonto gutgeschrieben. An bestimmten Punkten auf dem Zeitstrahl verwandeln sich die Mitglieder eures Clans in neue Spezies wie beispielsweise den Australopithecus.

Diese Entwicklung bringt genetische Vorteile wie mehr Vitalität oder stärkere Muskulatur mit sich. Faktisch wirken sich diese Verbesserungen aber kaum auf das Spiel aus, der Wechsel zu einer neuen Spezies ist also hauptsächlich kosmetisch. Besonders kurios, aber vermutlich dem Budget geschuldet: Die Spielwelt verändert sich bei Zeitsprüngen nicht mit. Das Afrika von vor zehn Millionen Jahren sieht exakt so aus wie das Afrika vor drei Millionen Jahren - Pflanzen, Tiere und Spielumgebung eingeschlossen.

Als Primaten bewegt ihr euch natürlich auch in Baumwipfeln fort. Das geht dank der simplen, aber effektiven Steuerung relativ gut von der Hand. Als Primaten bewegt ihr euch natürlich auch in Baumwipfeln fort. Das geht dank der simplen, aber effektiven Steuerung relativ gut von der Hand.

Diese Designentscheidung zeigt, wie schwer sich Ancestors: The Humankind Odyssey mit dem Spagat zwischen kreativer Freiheit und Spielerführung tut. Die dem Spiel zugrundeliegenden Systeme vom Mikromanagement eures Stamms bis hin zu Evolutionssprüngen greifen gut ineinander, sind in sich schlüssig und aufeinander abgestimmt, auch wenn es im späteren Spielverlauf an vielen Stellen an Herausforderungen mangelt.

Die Präsentation und das tatsächliche Arbeiten mit diesen Systemen allerdings bleiben oft auf der Strecke und hinter ihren Möglichkeiten. Natürlich kann ein Spiel nicht die gesamte Evolutionsgeschichte abbilden, auch wenn es von einem absoluten Geschichtsnerd entwickelt wird und das dazugehörige Team viel Liebe zum Detail in die Gestaltung von Charakteren und Spielwelt steckt. Aber etwas mehr Fortschritt in Sachen Interaktion und Abwechslung hätte man sich von einem Veteranen wie Désilets dann doch erhoffen dürfen.

Springt ihr auf der Evolutionsleiste weit genug nach vorne, geht euer Stamm in die nächste Spezies über und erhält bestimmte Fertigkeitenboni. Springt ihr auf der Evolutionsleiste weit genug nach vorne, geht euer Stamm in die nächste Spezies über und erhält bestimmte Fertigkeitenboni.

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