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Anno 1800 - Wie die Industrialisierung dem Gameplay Dampf macht - Große Szenario-Analyse

Arbeiterbewegung, Kolonien, die Erfindung der Dampfmaschine: Wir klopfen das Szenario von Anno 1800 auf spannende Gameplay-Ideen für Hauptspiel, Addons und DLCs ab.

von Peter Bathge,
21.07.2018 09:00 Uhr

Wir fühlen dem Szenario von Anno 1800 auf den Zahn: Welche geheimen Features und Überraschungen hält die Industrialisierung als Setting bereit? Es folgt: eine historische Analyse - mit einem Schuss Spekulation.Wir fühlen dem Szenario von Anno 1800 auf den Zahn: Welche geheimen Features und Überraschungen hält die Industrialisierung als Setting bereit? Es folgt: eine historische Analyse - mit einem Schuss Spekulation.

Mit Anno 1800 macht Entwickler Blue Byte Mainz eine gefühlte Rolle rückwärts: Weg von Zukunftsszenario und umstrittenen Vereinfachungen des ungeliebten Anno 2205, hin zum Gameplay-Kern aus dem für viele Fans besten Serienteil Anno 1404. Paradox: Für diese spielerische Rückwärtsbewegung haben sich die Macher ausgerechnet ein Szenario ausgesucht, das wie kaum ein zweites für eine konstante Vorwärtsbewegung steht, für stetiges Wachstum im Takt der Dampfturbinen, untermalt vom Brausen der Lokomotiven und dem Klackern der maschinellen Webstühle.

Anno 1800 exklusiv gespielt: 14 Minuten Gameplay-Video erklärt das Spiel
Anno 1800 hat die Industrialisierung zum Thema. Das Setting ist mehr als nur Dekoration: Es beeinflusst alle Aspekte des Gameplays, hat Auswirkungen auf Features von Umweltverschmutzung bis Arbeiterstreiks. Kanonen, Züge, die Erfoschung neuer Technologien und der Siegeszug des Kapitalismus: Die Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert wirkt sich auf vielfache, enorm spannende Art und Weise darauf aus, wie wir Anno 1800 spielen werden.

Mindestens genauso faszinierend wie die bereits vorgestellten Inhalte (etwa in der großen, GameStar-exklusiven Anno 1800-Preview) sind aber die Spielaspekte, zu denen Blue Byte Mainz und Publisher Ubisoft partout noch nichts verraten wollen. Wir haben uns für diesen Report in Geschichtsbücher vertieft und technische, geopolitische, gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Entwicklungen der Industrialisierung analysiert - auf der Suche nach Anno 1800s geheimen Features.

Unser Fazit: Anno 1800 hat enormes Potenzial, mit dieser prägenden Epoche der jüngeren Menschheitsgeschichte eines der mechanisch komplexesten und am dichtesten verwobenen Aufbaustrategie-Spiele aller Zeiten zu werden.

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Anno 1800 und die Forschung

Der technische Fortschritt ist untrennbar mit der Industrialisierung verbunden. Ohne die 1712 von Thomas Newcomen erfundene und 1769 durch James Watt verbesserte Dampfmaschine wäre das enorme Wirtschaftswachstum in England, Europa und Nordamerika unvorstellbar gewesen.

Die Dampfmaschine war das pochende Herz dieser Epoche, sie revolutionierte nicht nur den Transport von Rohstoffen und Waren, sondern auch deren Herstellung, erlaubte etwa das Abpumpen von Wasser in Minenschächten oder diente als Antriebsform für Technologien wie den mechanischen Webstuhl (1785 durch Edmon Cartwright) und die Spinnmaschine (1764 durch James Hargreaves, genannt Spinning Jenny).

Die Entdeckung der Elektrizität sowie Erfindungen wie das Schmerzmittel Morphin, die Schreibmaschine, die Telegrafie (um 1800), der Elektromotor oder natürlich das Automobil fielen alle in das 18. oder 19. Jahrhundert - also genau die Geschichtsepoche, die Anno 1800 abbilden wird.

Doch was bedeutet das für das Aufbau-Gameplay, besonders im Hinblick auf das Freischalten neuer Technologien im Spiel? Im Vorgänger Anno 2205 gab es Baumodule für Gebäude, die ihnen bestimmte Boni verliehen - in Anno 1701 und Anno 2070 dagegen mussten die Spieler tatsächlich neue Technologien durch Einsatz von Geld und Zeit erforschen, in Schule und Universität beziehungsweise Forschungslabor und Akademie.

Die Eisenbahn aus Anno 1800 könnte per Forschungsoptionen in der Universität verbessert werden.Die Eisenbahn aus Anno 1800 könnte per Forschungsoptionen in der Universität verbessert werden.

Und wie läuft's in Anno 1800? Das ist auch nach dem Anspielen für uns noch ein großes Mysterium - aktive Forschung würde aber auf jeden Fall perfekt in die im Spiel dargestellte Zeitepoche passen. Neue Technologien könnten weitere Ressourcenvorkommen freischalten oder die Geschwindigkeit erhöhen, mit der Kohle aus der Mine gewonnen und Kleidung für Bürger und Handwerker genäht wird.

Stellt euch mal vor, wie stark das bewährte Anno-Spielprinzip von einem komplexeren Upgrade-System profitieren könnte: Forschungen kommen möglicherweise mit Nachteilen daher, etwa unzufriedenen Arbeitern wegen längerer Arbeitszeiten oder stärkerer Verschmutzung. Das würde Stoff für einen spannenden Balanceakt zwischen technischem Fortschritt und sozialer Verträglichkeit mit sich bringen - auch im Hinblick auf die für das Spiel bereits bestätigten Streiks gar nicht so unwahrscheinlich. Doch dazu später mehr.

Anno 1800 angespielt: Die wichtigsten neuen Erkenntnisse

Auch der Warentransport steht in Anno 1800 vor einer potenziellen (industriellen) Revolution. Ob die bereits auf Screenshots zu erkennenden Eisenbahnen auf selbst verlegten Gleisen durch die Landschaft geschickt werden können, dazu will sich Blue Byte Mainz bislang partout nicht äußern.

Klar ist aber schon, dass es neben den anfänglichen Pferdefuhrwerken auch Autos und frühe Lkw geben wird, die eure zuvor errichteten Pflasterstraßen entlang zuckeln. Ob die zusammen mit ersten (teils noch von Pferden gezogenen) Straßenbahnen lediglich eine optische Spielerei sind, oder ihr Einsatz handfeste Vorteile für den Städteplaner von Welt bietet, dieses Geheimnis werden die Anno-1800-Entwickler wohl erst lüften, wenn der Release in greifbare Nähe rückt.

Anno 1800 - Analyse-Video: Das Interface im Detail PLUS 4:24 Anno 1800 - Analyse-Video: Das Interface im Detail

In der Realität brachte die Industrialisierung einen Umbruch im Universitätswesen mit sich; technische Universitäten wurden gegründet, die Naturwissenschaften erfuhren erheblichen Zulauf. Unter anderem auch wegen der Royal Society, die Forscher als Teil von militärisch-wissenschaftlichen Expeditionen in die entlegensten Winkel der bekannten Welt sandte. Die britische Gelehrtenvereinigung war nämlich untrennbar mit einem Phänomen verbunden, das im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Anno 1800 eine wichtige Rolle spielen wird: der Kolonisierung der Welt.

Kolonien für mehr Kohle

Unser Autor Martin Deppe spekulierte bereits in der großen Anno-1800-Preview darüber, dass die exotischen Tiere im neuen Mega-Gebäudekomplex Zoo schließlich irgend woher kommen müssen - am wahrscheinlichsten aus anderen Klimazonen, die schon seit Langem ein fester Bestandteil der Anno-Serie sind. Auch im neuesten Teil dürften Städtebauer für manche Ressource wie Kaffee oder Schokolade wieder fremde Ufer in anderen Breitengraden ansteuern. Zumal das Konzept von Kolonien perfekt zum Industrialisierungs-Setting von Anno 1800 passt.

Anno 1800 - Screenshots ansehen

Als Imperialismus bezeichnen Geschichtswissenschaftler das Streben eines Staatswesens, in anderen Ländern Einfluss auf oder direkte Kontrolle über Grund und Boden sowie inbesondere Rohstoffe zu erlangen. Dabei kommen oft tyrannische Mittel der Einflussnahme zum Einsatz; typischerweise unterdrücken imperialistische Nationen die indigene Bevölkerung auf wirtschaftliche, soziale oder militärische Art und Weise, gliedern die Staaten in das eigene Reich ein und etablieren für die unterdrückten Länder unvorteilhafte Handelsbeziehungen, die eher einer Ausbeutung der Bodenschätze gleichkommen als einem fairen Warenaustausch. Willkommen im 19. Jahrhundert, der Hochzeit des Imperialismus!

Europäische Kolonialmächte waren zu dieser Zeit bereits seit mehreren hundert Jahren mit dem Ausrüsten von Expeditionen in unbekannte Landstriche beschäftigt, mit dem Kartografieren fremder Länder und der Inbesitznahme selbiger. Die industrielle Revolution ermöglichte jedoch eine neue Dimension der Ausbeutung: Für die in einem bis dato ungekannten Tempo produzierenden Maschinen benötigte man mit einem Mal einen schier endlosen Strom an Rohstoffen und billigen Arbeitskräften. Beides dürfte auch in Anno 1800 überzeugende Gründe dafür sein, von der Startinsel aus in andere Regionen zu expandieren.

Woher kommen die exotischen Tiere im Zoo? Die Antwort liegt auf der Hand: Anno 1800 wird euch Kolonien in fernen Ländern errichten lassen.Woher kommen die exotischen Tiere im Zoo? Die Antwort liegt auf der Hand: Anno 1800 wird euch Kolonien in fernen Ländern errichten lassen.

Parallel zur historischen Entwicklung stehen für Anno 1800 mehrere mögliche Szenarien als Kolonialgebiete zur Auswahl, die dank Multi-Session-Spielprinzip parallel auf unterschiedlichen Karten besiedelt werden könnten. In Anno 1404 stieß man in den Orient vor, um fürs eigene Wachstum benötigte Gewürze und andere Waren herstellen zu können. Beim Nach-Nach-Nachfolger Anno 1800 würden sich Indien (Tee, Zimt), die Karibik (Tabak, Zucker) oder Südamerika (Kakao, Gold) anbieten.

Der Handel mit dem zu dieser Zeit bereits unabhängigen ehemaligen britischen Kolonien in Nordamerika könnte ebenfalls eine Rolle spielen, von dort kam ein Großteil der damaligen Baumwollproduktion. Aber auch Afrika wäre wie in der Realität ein lohnendes Ziel für Industrielle auf der Suche nach neuen Rohstoffvorkommen. Diamanten etwa könnten eine der Luxuswaren sein, die man nur auf dem schwarzen Kontinent findet.

Doch deren Förderung unter oft menschenunwürdigen Bedingungen könnte gegen einen Auftritt im Spiel sprechen. Ähnlich problematisch: Baumwoll- und Zuckerplantagen in Amerika erzielten ihre Profite dank aus Afrika verschleppten und in die Sklaverei gezwungenen Menschen. Es ist zu vermuten, dass Blue Byte Mainz in Anno 1800 aus Pietätsgründen auf die Darstellung dieser düsteren Periode der Menschheitsgeschichte verzichtet - obwohl die Sklaverei in den USA erst 1865 abgeschafft wurde und somit noch in den für Anno 1800 als Szenario herangezogenen Zeitrahmen passen würde.

Mit Blick auf die bisherige Seriengeschichte darf man der Anno-Serie jedoch einen Hang zur Romantisierung der Vergangenheit attestieren. Dem heimeligen Charme des Aufbauspiels konnten Themen wie Kriegsführung und Umweltverschmutzung zwar noch nie etwas anhaben, doch das Heile-Welt-Image dürfte Kratzer erhalten, wenn Spieler in Anno 1800 ihr Geld auf dem Rücken entrechteter Sklaven verdienen sollten. Aber vielleicht ist die in dieser Hinsicht düstere Ära, die sich die Serie als Setting für ihren neuesten Teil ausgesucht hat, ja auch eine Chance für Anno, erwachsen zu werden?

Geschichte in Spielen: Plus-Report zum spielerischen Umgang mit der Historie

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