Das Leben in der industriellen Revolution war für die meisten einfachen Menschen kein Zuckerschlecken. Arbeitstage von mehr als 12 Stunden, 6-Tage-Woche, furchtbare hygienische Verhältnisse, niedrige Löhne und Kinderarbeit prägten das Bild in vielen Städten. Viele jüngere Leute können sich ein Leben in dieser Epoche heute kaum vorstellen.
Kein Wunder, mittlerweile gehen die meisten Kinder ordnungsgemäß zur Schule, auf die Dampfmaschine setzt die Industrie schon lange nicht mehr. Wir streiten uns heutzutage eher über die ethische Nutzung von KI. Um seinen Schülern das Leben im beginnenden Industrie-Zeitalter nahezubringen, setzt ein brasilianischer Lehrer auf eine ausgefallene Idee:
Er spielt mit seinen Schülern Assassin's Creed Syndicate.
11:12
Assassin's Creed: Hat das Potential einer genialen Idee nie ausgereizt
Der London-Ableger der bekannten Assassinenreihe spielt im Jahre 1868 in der britischen Hauptstadt – also genau zum Höhepunkt der industriellen Revolution. Die Geschichte dreht sich um die Zwillinge Jacob und Evie Frye, die in die Stadt kommen, um die Kontrolle der Templer über London zu brechen und ganz nebenbei den verarmten Arbeitern unter die Arme zu greifen.
Dabei treffen wir serientypisch auch viele bekannte historische Persönlichkeiten wie zum Beispiel den Philosophen Karl Marx, den Erfinder Alexander Graham Bell oder Königin Victoria. Ein perfektes Spiel also, um im Schulunterricht etwas über diese Epoche zu lernen.
Das dachte sich zumindest der brasilianische Mittelschullehrer Wesley Bernardo – und brachte seinen Schülern die eigene PlayStation-Konsole mit ins Klassenzimmer, um ihnen nicht nur trocken zu erzählen, wie die Menschen damals gelebt haben, sondern es ihnen auch am Bildschirm zu zeigen. Ein Ausschnitt dieser Unterrichtsstunde, mitgefilmt von einem Schüler, ging kürzlich auf Instagram viral.
Link zum Instagram-Inhalt
Sehen, wie die Dampfmaschine funktioniert
Im Video ist zu hören, wie Bernardo seinen Schülern das Prinzip einer Dampfmaschine erklärt: Sie benutzen Kohle als Energieträger. Sie verbrennen die Kohle und erzeugen dadurch Dampf, was wiederum die Maschinen im Hintergrund antreibt.
In dem Instagram-Post erklärt der Lehrer auch etwas zum Hintergrund dieser ungewöhnlichen Unterrichtsstunde. So habe er die Schulleitung um Erlaubnis gefragt, im Unterricht zu spielen, weil er überzeugt ist, mit dieser spielerischen, immersiven Unterrichtsart die Kinder besser zu erreichen.
Denn die Schüler verbringen laut Bernardo ohnehin einen Großteil ihrer Freizeit mit Handys, Konsolen und dem PC. So könne er den Kindern wenigstens etwas bieten, was sie interessiert.
Der Lehrer hat außerdem bereits Ideen für weitere Unterrichtseinheiten mit Videospielen. So möchte er am Beispiel von Red Dead Redemption die Besiedlung des amerikanischen Westens und das Konzept von Manifest Destiny
erklären; am Beispiel von Tekken 8 möchte er kulturelle Unterschiede behandeln.
Es ist aber tatsächlich nicht das erste Mal, dass Spiele ihren Weg in den Schulunterricht finden. In Polen werden an Schulen und Universitäten etwa gratis Kopien des Spiels This War of Mine ausgegeben, um Schüler über die Realität des Krieges aufzuklären. Ach, wenn es doch nur so einfach wäre, aus Spielen zu lernen ... dann wäre ich nach meinen 800 Skyrim-Stunden jetzt sicher ein exzellenter Schwertkämpfer.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.